Ein 78jähriger als Vorbild
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Value Analyse
vom 3. Juni 2008, 13:18 Uhr
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Wenn Sie einen Kapitalisten als Vorbild haben möchten - dann nehmen Sie Warren Buffett.
Seines Zeichens einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten, ist er gleichzeitig „menschlich" ein super Typ.
Im SPIEGEL von letzter Woche war ein Interview mit ihm („Riesige neue Möglichkeiten"), und jede Antwort von ihm passte zu 100% bzw. war mir einfach unglaublich sympathisch.
Zur Erinnerung: Warren Buffett ist der reichste Mann der Welt. (Sein Vermögen ist größer als die jährliche Wirtschaftsleistung der 25 ärmsten Staaten der Welt - da wird mir etwas schwindelig.) Jahrgang 1930. Er lebt immer noch in demselben Einfamilienhaus, das er 1957 zusammen mit seiner Frau in seiner Heimatstadt Omaha im US-Bundesstaat Nebraska gekauft hat. Er spielt Ukulele, mag Hamburger und Cola, verfasst seine Aktionärsbriefe verständlich.
Einmal hatte ich über meinen Chef eine Einladung zu einem Treffen mit Warrren Bueffett erhalten (konnte allerdings nicht): Das fand keineswegs in einem der üblichen Business-Tempel statt, sondern im örtlichen „Dairy Queen" (ganz einfache Eisdiele) seiner Heimatstadt.
Und Warren Buffett hat schon jetzt 80% seines Vermögens wohltätigen Stiftungen zugesagt. Bei seinem Tod möchte er sogar sein gesamtes Vermögen wohltätigen Zwecken zukommen lassen.
(Bis auf jeweils ein paar Hunderttausend für seine Kinder: Die sollen laut Buffett soviel bekommen, dass sie machen können, was sie wollen - aber nicht soviel, dass sie gar nichts mehr machen müssen).
Gleichzeitig ist Warren Buffett weiterhin ein erstklassiger Investor. Inzwischen kauft er statt Aktien ganze Firmen. Doch anders als gewisse Heuschrecken zerschlägt er keine gesunden Firmen, setzt nicht auf Austausch des Managements.
Seine Philosophie ist anders: Er sucht Unternehmen, welche seiner Ansicht nach unterbewertet sind und deren Geschäftsfeld er versteht. Zerschlagen wird nicht, und auch das Management möchte er nicht austauschen (er hat auch nur 19 Mitarbeiter in Omaha). Er wartet stattdessen ab, bis der Markt die Unterbewertung korrigiert, dann hat er seinen Gewinn. Ohne jemandem zu schaden. Und es funktioniert.
Wenn wir doch nur in Europa solche Kapitalisten wie ihn hätten! Amerika hat es diesbezüglich wirklich besser.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Frühsommer-Tag,
Michael Vaupel
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Martin (07.01. 2010 12:24 Uhr):
Sie übersehen leider, daß es in USA nur eine Handvoll Leute wie Warren Buffett gibt. In USA ist die Stahlindustrie und die Papierindustrie in den letzten 10 immer weiter abgebaut worden, weil das Management auf Grund der kurzfristigen Planungen zu viele Fehlentscheidungen gemacht hat. Und die größten Spekulationsblasen sind auch in den USA enstanden. Monsanto kann seine bekannten kriminellen Machenschaften ungestört forsetzen. Das Farmland wird zerstört. usw. Natürlich fallen dann die wenigen erfolgreichen Leute auf, vor allem, wenn sie auch noch ethisch vorbildhaft handeln. Aber insgesamt können die USA heute kein Vorbild mehr für uns sein. Mit freundlichen Grüßen Martin
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