Ein 750 Mrd. Euro teures Aufatmen belebt die Börsen
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Börse
vom 10. Mai 2010, 14:30 Uhr
ENL5454
liebe Leute, so rettet man heute. Es werden von der Politik finanzielle Auffangnetze in Milliardenhöhe gespannt. In unserem Falle ist dieses Auffangnetz ein 750 Mrd. Euro schweres Hilfspaket für die Eurozone. Woher das Geld kommt, wissen wir nicht. Wir wissen nur soviel: 500 Mrd. Euro sollen aus Brüssel, 250 Mrd. Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF) kommen.
Trotzdem: Diese Netze bestehen aus Geld, dass eigentlich gar nicht da ist. Aber sie sind trotzdem gut genug für ein Aufatmen an den internationalen Börsen. Denn das "beispiellose" Hilfspaket zeigt vor allem eines: Die europäische Währungsunion soll gestärkt und erhalten werden, koste es was es wolle. Und dieses Signal kommt scheinbar zur rechten Zeit. Denn die Börsen standen allesamt am Rand eines riesigen Abwärtsstrudels.
Die Wall Street hatte sich am vergangenen Freitag noch nicht vom größten Punktverlust in ihrer Geschichte erholen können und ging erneut mit deutlichen Verlusten aus dem Handel. Der DAX hat seit Erreichen seines Jahreshochs Ende April bereits knapp 10 Prozent verloren und die Tendenz zeigt weiter nach unten. Der Euro war gar im freien Fall. Da musste man eingreifen. Und die Politik hat es getan.
Die Reaktion der Aktienmärkte erfolgt wunschgemäß. Nikkei, DAX und die Gemeinschaftswährung steigen heute kräftig. Der DAX zieht nach der verlustreichen Vorwoche gegen 10.25 Uhr 230 Zähler oder 4 Prozent auf 5.945 Punkte an. Auch in Asien kam es zu einer Erholung auf breiter Front. Am Devisenmarkt notiert der Euro mit 1,3075 US-Dollar nach einem Tief am Freitag bei 1,2703 US-Dollar. Größte Gewinner sind natürlich die Finanzwerte. Deutsche Bank (+ 11,3 Prozent auf 50,98 Euro) und Commerzbank (+ 8,6 Prozent auf 6,20 Euro) führen hier die Gewinnerliste der Deutschen Börse an.
Ist das nun die Rettung oder nur ein kurzes Strohfeuer?. Die Experten sind gespalten. Ich halte diesen massiven Kursprung für eine kleine aber feine Erleichterungsrally, mehr nicht.
Börsenspezialist Dirk Müller sieht DAX bei unter 3.600 Punkten
Die Erholung ist nach Ansicht von Börsenmakler und Bestseller-Autor Dirk Müller nur ein kurzes Durchatmen, bevor es mit den Aktienmärkten weiter drastisch nach unten geht. "Ich fürchte, wir haben erst den Anfang einer langen und dramatischen Abwärtsbewegung gesehen", sagte Müller zur "Welt am Sonntag". Anders als bei Lehman Brothers gehe es dieses Mal nicht nur um eine Bank, sondern um die Zahlungsunfähigkeit ganzer Staaten. "Es ist theoretisch sogar denkbar, dass der DAX unter die Tiefs aus dem Frühjahr 2009 fällt, damals stand der DAX bei 3600 Punkten." Müller empfiehlt, sich gegen weitere Kursrückgänge gezielt abzusichern. "Wer jetzt Sachwerte kauft, sollte sich damit auskennen, wie er sie über Verkaufsoptionen versichert. Das schmälert den Ertrag, ist aber unerlässlich."
Hinter der derzeitigen Euro-Schwäche sieht Müller einen geplanten Angriff auf die Gemeinschaftswährung. "Aus dem angelsächsischen Raum heraus finden zurzeit konzertierte Angriffe auf den Euro statt, die die Investoren verunsichern sollen." Rating-Agenturen und US-Banken würden in einem abgestimmten Vorgehen für Unsicherheit sorgen. Müller weist darauf hin, dass der Vorstands-Chef Harold Mac Graw des Mac-Graw-Hill-Konzerns, zu dem auch die Rating-Agentur S&P gehört, Berater des früheren Präsidenten George W. Bush war. "Bei S&P passiert nichts, ohne dass es nicht mit Washington abgestimmt wäre", so Müller.
Die Stimmen der Schwarzmaler häufen sich bereits wieder. Keine Frage, die wirtschaftspolitischen Unsicherheitsfaktoren sind derzeit so groß wie lange nicht. Aber von Seiten der Unternehmen und der Konjunkturdaten winken derzeit überwiegend positive Tendenzen. Der Aufschwung ruft, wird aber von den mahnenden Schreien der drohenden Staatspleiten übertönt. Wer das Kräftemessen gewinnen wird? Ich kann es Ihnen nicht sagen. In der vor uns liegenden Börsenwoche kann es jedoch gut sein, dass die guten Nachrichten aus den Unternehmen unbeachtet verpuffen und die Börsen ihren Abwärtstrend fortsetzen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Woche.
Ihre
Cindy Bach
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von urs (10.05. 2010 16:01 Uhr):
Hallo, diese Worte sprach Dirk Müller vor der Entscheidung dieses Wochenendes (die er heute als "Sensation" bezeichnet). Insoweit ist Ihr Beitrag überholt. Grüße, urs
Antworten - Kommentar von rinek (11.05. 2010 11:35 Uhr):
Ich erlaube mir die Frage, was denn den Börsenmakler als kompetent erscheinen läßt, außer das sein Konterfei regelmäßig in den Medien erschien und er nur gemakelt hat. Eine gesunde Volkswirtschaft verhält sich bezüglich der "Spekulanten" wie eine deutsche Eiche, die von einem Köder angepißt wird und Herr Müller weiß ganz genau, daß Spekulieren an den Finanzmärkten einfach zum Geschäft gehört, für mich ist er ein Profilneurotiker.
Antworten