Egal!
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 08. März 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Das amerikanische Handelbilanzdefizit von einer halben Billion?
Egal.
Das amerikanische Haushaltsdefizit von einer 1,5 Mrd. Dollar pro Tag?
Egal.
Konsumentenschulden, die auf dem höchsten Niveau der Geschichte stehen?
Egal.
Die Gesamtsumme aller amerikanischen Schulden liegt bei 350 % der Wirtschaftsleistung?
Egal.
Arbeitsplätze, die nach Indien verlagert werden ... und nach China?
Egal.
Der Dollar, der 25 % im letzten Jahr verloren hat?
Egal.
Der Benzinpreis, der jede Woche steigt?
Egal.
Was ist denn nicht egal?
Nun, alles ist egal ... bis es dann irgendwann nicht mehr egal ist. Oder, wie der Fondsmanager Bill Gross sagt: Im sonnigen Kalifornien regnet es niemals ... bis es dann irgendwann richtig vom Himmel schüttet.
Aber laut der Financial Times ist derzeit hauptsächlich wegen einem einzigen Mann – Zembei Mizoguchi – alles egal. Ohne Zimbei ... oder jemanden wie ihn ... hätte der Dollar nämlich noch deutlich mehr als die 25 % vom letzten Jahr verloren. Und der Benzinpreis in den USA wäre dann deutlich höher, als er heute ist ... und die USA würden ihr Handels- und Haushaltsdefizit nicht finanzieren können, die Hausbesitzer würden ihre Hypotheken nicht erhöhen können, und die Konsumenten würden nicht weiter Schulden machen und Geld ausgeben können. Und George Bush würde wegen seiner Wiederwahl noch mehr als jetzt schwitzen.
"Mr. Mizoguchi ist kein Wahlkampfleiter, kein Fed-Vorsitzender oder kein Online-Betrüger", erklärt die Financial Times. Aber er ist der Mann, der für den Erhalt der Illusionen Amerikas keineswegs "egal" ist – sondern sogar wichtiger als der US-Präsident.
"Er ist der japanische Vize-Finanzminister ...", erklärt der Artikel. "Mr. Mizoguchi entscheidet, wie viele amerikanische Dollar Japan jede Woche kauft. Und jeder Dollar, den er kauft, hat direkte Auswirkungen auf die langfristigen Zinssätze in den USA." Und die langfristigen Zinssätze werden sich dieses Jahr außerdem danach richten, wer im nächsten Jahr voraussichtlich US-Präsident sein wird.
"Wenn Sie denken, dass dies eine Übertreibung ist, dann sollten Sie bedenken, dass Mr. Mizoguchi alleine im Januar den Rekordwert von 70 Milliarden Dollar gekauft hat, und fast alles von diesem Geld hat er am US-Anleihenmarkt investiert. Er hat die Autorität, dieses Jahr weitere 100 Milliarden Dollar zu kaufen, und derzeit liegt dem japanischen Parlament eine Gesetzesvorlage vor, die diese Zahl verdoppeln würde – mehr als genug, um selbst die wildesten Schätzungen für das US-Haushaltsdefizit vom kommenden Jahr abzudecken."
"Und genau das passiert gerade. Ohne Mr. Mizugochi würden die US-Zinsen stark steigen müssen, da sie andere Käufer (von US-Staatsanleihen) anziehen müssten."
Im letzten Jahr kaufte Mr. Mizoguchi 250 Milliarden Dollar. Sein Ziel war es eigentlich, einen Anstieg des Yen-Wechselkurses zu verhindern ... damit die Amerikaner weiterhin japanische Produkte kaufen könnten. Aber im Endeffekt führten seine Bemühungen dazu, dass sich die Amerikaner weiter verschuldeten und einen Boom am chinesischen Arbeitsmarkt begründeten.
Natürlich sind die Schulden derzeit egal. Und auch der Dollarkurs. Und auch die Arbeitsplatzverluste in den USA. Das alles wird erst dann wichtig ... wenn Mr. Mizoguchi entscheidet, dass es nicht mehr egal ist. Dann wird es plötzlich eine Menge Leute betreffen.
Aber nicht uns, liebe(r) Leser(in). Das wird das "Ende der Welt, wie wir sie kennen" sein. Aber die war ohnehin ein Betrug. Und tschüss.
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