EFSF Finanzierungslücke
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 1. November 2011, 08:30 Uhr
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noch vor wenigen Tagen wurde uns der EU-Rettungsplan als der große Wurf verkauft. Jetzt, wo immer mehr Details durchsickern, zeigt sich die ganze Dilettanz und Ratlosigkeit des Vorhabens. Das verwundert nicht. Verwundert hat eher die Naivität der Kapitalmärkte.
Nach aktuellem Stand fehlen jetzt noch schlappe 560 Mrd. Euro zur Finanzierung des erweiterten EFSF. Nachdem China bereits Ablehnung signalisiert hat, gingen EU-Vertreter bei den G20-Staaten auf Werbetour. Mit mäßigem Erfolg. Russland hat bekannt gegeben, bis zu 10 Milliarden Dollar in Anleihen kriselnder Euro-Staaten stecken zu wollen. Auch das am höchsten verschuldete Land der Welt Japan (Staatsverschuldung in Höhe von 220 Prozent der Wirtschaftsleistung) hat Unterstützung signalisiert. Sicher in erster Linie auch, um seine eigene, gegenüber dem Euro zu starke Währung abzuwerten. Summen wurden hier nicht genannt, aber bisher hat Japan in diesem Jahr 3 Milliarden Dollar in europäische Lotteriescheine gesteckt. Gemessen am Finanzierungsbedarf von 560 Milliarden Euro dürften die bisher in Aussicht gestellten Investitionen der G20 nur ein Tropfen auf den heißen Stein bedeuten. Aber warum investiert unsere Politelite nicht einen Großteil ihres eigenen Privatvermögens in den bahnbrechenden neuen Rettungsschirm? Das müsste doch ein gutes Geschäft werden.
Einen Effekt hat die mit dem Rettungsschirm verbundene Unterbindung von Staatspleiten schon mal: Pleitekandidaten müssen nicht mehr unbedingt sparen, um der Pleite zu entgehen, sondern können sich auf die Rettung durch andere EU-Staaten (hauptsächlich Deutschland als finanzstärkstes EU-Land) verlassen. Warum sich also der Wut der eigenen Wähler aussetzen, wenn es auch anders geht? Griechenlands Ministerpräsident Georgious Papandreou hat gestern schon mal angekündigt, dass das griechische Volk über die beim EU-Gipfel beschlossenen Sparmaßnahmen entscheiden soll. Wie diese Entscheidung ausgehen wird, können Sie sich nach den bisher stattgefundenen Unruhen und Streiks sicher denken (wer könnte es den Griechen verübeln). Eine Ablehnung der Sparpläne würde deren Ende bedeuten. Und dann wäre der nächste Krisengipfel fällig, von dem wir durchschnittlich in jedem Monat einen hatten. Schaut man sich die Börsen in den letzten sechs Wochen an, dann könnte man den Eindruck gewinnen, die Anleger gehen davon aus, dass diese Krisengipfel nur deshalb abgehalten wurden, weil die Politelite die Häppchen und den Smalltalk so sehr mag. Vielleicht dämmert es den Anlegern nun allmählich, dass die Lage doch nicht ganz so rosig ist wie erhofft.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hartmut Fischer (01.11. 2011 10:15 Uhr):
Es ist doch sowieso egal, was die Griechen, Italiener und all die andere Pleitiers machen: sie müssen um jeeden Preis gerettet werden, koste es, was es wolle. Denn wir dürfen - Gott behüte! - doch nicht den von uns so heiß geliebten und so "stabilen" Euro, "Europa" und die Demokratie gefährden ! Und das Drucken von genügend Geld ist doch kein Problem und immer noch besser als politische Abhängigkeit von China, Russland usw.! Außerdem kommt es dem dringenden Wunsch unserer amerikanischen Freunde doch so entgegen, damit die Eurpäer mehr bei ihnen kaufen können ! Und auf die deutschen Zahlemänner und -frauen ist doch absoluter Verlass. Bei denen ist die Demokratie doch zuallerletzt gefährdet, wenn sie merken, dass sie von den Hunden der Inflation gebissen worden sind, und vielleicht auch dann noch nicht !
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