Edelmetalle vor neuem Hausseschub?
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Edelmetalle
vom 23. Januar 2007 07:30 Uhr
ENL5462
Guten Morgen, sehr geehrte Leserinnen und Leser!
Die Rahmenbedingungen sind günstig für die Edelmetalle. Zum einen, weil die Hoffnungen auf Zinssenkungen in den USA nach den jüngsten einigermaßen guten Konjunkturdaten und der Rede des Notenbankchefs Bernanke hinsichtlich der Risiken zu hoher Haushaltsdefizite für die kommenden Monate schwinden. Zum anderen, weil die Aktienmärkte aktuell reichlich wackelig wirken – trotz oder gerade wegen der erreichten Höchstkurse vieler Indizes - und die Nervosität der Akteure zunimmt.
Wenn sich diese Nervosität durch eine Korrektur der Aktienmärkte, die angesichts der Kurssteigerungen der vergangenen Monate eigentlich nur eine scharfe werden kann, bestätigt, ist das Wasser auf die Mühlen derer, die auf einen erneuten Aufwärtsimpuls der Edelmetalle gesetzt haben bzw. warten. Denn wenn reichlich Geld da ist, weil die Konjunktur weltweit betrachtet durchaus annehmbar wächst, vor allem in Asien und Europa, andererseits Aktien aber vielen zu riskant werden, schlägt die Stunde des Goldes und seiner Mitstreiter.
Gold: „Schluckauf“ überwunden
Erste Signale für einen anstehenden Kursimpuls sehen wir bereits. So hat sich der scharfe Rücksetzer in die Unterstützungszone 604 bis 614 US-Dollar/Feinunze wie von mir vor zehn Tagen erhofft als kurzzeitiger „Schluckauf“ entpuppt. Aktuell steht der Goldpreis bereits wieder knapp vor der 640 Dollar-Marke. (Der Kurs fiel später am Abend wieder etwas zurück, die hier verwendeten Kurse stammen von 17:00 Uhr. Die faktische Lage wurde damit aber nicht verändert.) Auch der MACD hat wieder ein Kaufsignal generiert, so dass es jetzt also weiter nach oben gehen kann. Kann allerdings nur, denn:
Auch vor dem vorgenannten „Schluckauf“ sah die Konstellation aus wie heute. Und erst einmal muss nun auch noch ein zusätzlicher Widerstand in Form des Anfang Januar nach unten durchbrochenen Oktober-Aufwärtstrends überwunden werden, bevor 660 Dollar angepeilt werden können. Und dies, so ist zu vermuten, wird erst dann gelingen, wenn die bisherige Nervosität der Marktteilnehmer an den Aktienmärkten durch faktisch deutlicher abrutschende Aktienkurse neue Nahrung erhält und so die „sicheren Häfen“ Gold, Silber und Platin wieder ins Bewusstsein rücken.
Silber mit „quecksilberartiger“ Volatilität
Dann aber kann es auch durchaus mal schnell nach oben gehen. Gerade Silber, das aufgrund des engeren Marktes eine höhere Schwankungsfreudigkeit mitbringt, kann mit blitzschnellen Kurssprüngen überraschen. Der Boden ist auch hier bereits geebnet:
Nachdem der erste Anlauf an die 2006er-Topbildungszone zwischen 14,20 und 14,95 Dollar/Feinunze Anfang Dezember abgewiesen wurde, korrigierte der Kurs in ruhigen Bahnen und drehte mustergültig oberhalb des längerfristigen Aufwärtstrends vom Herbst 2005 und seines 200 Tage-Durchschnitts wieder nach oben. Mit 14,07 Dollar notiert Silber nun wieder hauchdünn unterhalb der letzten Widerstandslinie, die den Kurs noch von einem erneuten Anlauf in Richtung der 2006er Tops trennt.
Platin noch in der „Riesenflagge“
Schnell noch ein Blick auf Platin (Palladium lasse ich aus, denn da tut sich seit längerem nahezu gar nichts). Hier sehen wir nach wie vor die altbekannte „Riesenflagge“, d.h. einen breiten Abwärtstrendkanal, der sich nach den Rekordkursen im Mai 2006 gebildet hat. Innerhalb dieses Kanals jedoch sehen wir seit Oktober einen Aufwärtstrend, oberhalb dessen sich der Kurs langsam aufwärts bewegt. Hier wird aber erst dann Gold und Silber vergleichbare Dynamik entstehen können, wenn Platin mit Kursen über 1.210 Dollar der Ausbruch aus dem breiten Abwärtstrendkanal gelungen ist. Dennoch:
Wer in den Edelmetallen investiert ist, hat aktuell gut lachen. Die Lage scheint für die Edelmetalle ideal zu sein, so dass man hier allemal am Ball bleiben sollte. Schwieriger fällt mir ein Rat für diejenigen, die bislang noch nicht eingestiegen sind. Denn letzten Endes wird die Kursreaktion, wenn nun die aktuell angelaufenen Charthürden fallen sollten, so blitzschnell vonstatten gehen, dass ein Einstieg nach erfolgtem Ausbruch schwierig wird. Dementsprechend könnte man letztlich nur „zocken“ und noch vor dem Überwinden der Widerstände einsteigen ... was aber grundsätzlich ein sehr gewagtes Spiel ist, denn drehten die Kurse wider meinem Erwarten doch wieder nach unten weg, ist der Kursabstieg in vergleichbarer Geschwindigkeit zu erwarten, daher: Wer jetzt noch keinerlei Position hält, sollte sich, wenn er kein erklärter “Zocker“ ist, vorerst weiter bedeckt halten. Wer jedoch Positionen hat, darf den kommenden Tagen mit hoffnungsvoller Spannung entgegen sehen.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag – bis morgen!
Ronald Gehrt
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