Echo Bubble oder Aufwärtshausse – zwei bis drei Charts
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 20. Juni 2006 18:00 Uhr
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Sie glauben ja nicht, was man alles so analysiert, wenn man sich mit Trading beschäftigt. Ich habe mich aus verschiedenen Gründen mit der Entwicklung der Echo Bubble, die nach dem Crash 1929 entstanden ist, beschäftigt (unter Echo Bubble versteht man eine starke Gegenbewegung nach einem großen Crash, die ebenfalls eine Übertreibung darstellt).
Als ich mir die Dow-Chart bis 1929 und danach ansah stellte ich auf einmal Parallelen fest, die mich dann auch noch interessanter Weise an die Entwicklung im Dax erinnerte.
Hierzu einmal die Entwicklung des Dows bis zum Hoch 1929 mit dem Vergleich des aktuellen Dax:
Wichtig ist folgendes Grundmuster: Es kommt zu einer starken Aufwärtsbewegung vom Tief, diese ist dreifach gespalten (in dieser Aufwärtsbewegung befinden sich zwei Konsolidierungen (Abwärtsbewegungen)). Danach folgte eine vergleichsweise lange Seitwärtsbewegung, kurz: eine markante Konsolidierungsphase – anschließend folgte eine erneut starke Aufwärtsbewegung, wieder in 3 Aufwärtswellen unterteilt, welche erneut durch 2 kleinere Konsolidierungen unterbrochen ist (die Elliot-Wave-Anhänger unter Ihnen, werden diese Formation(en) wiedererkennen).
Interessanterweise kam es 1926 ungefähr an der gleichen Stelle, also am Ende der dritten Aufwärtswelle nach der großen Konsolidierung zu einem Einbruch, der ähnlich scharf war, wie der Einbruch, den wir gerade erleben (ob es hier einen Zusammenhang zwischen 192(6) und 200(6) gibt sei einmal dahingestellt.) Danach ging es allerdings im Dow damals munter weiter. Der Dow erlebte dann genau die Übertreibungsphase, die mir im Dax noch fehlt, von der ich jedoch mehrfach gesprochen hatte: Sie erinnern sich vielleicht, ich nannte diese scherzhaft „Schrottrally“, da dann alle die Werte laufen werden, die bisher keiner haben wollte.
Schaut man sich diesen Chartvergleich zwischen Dax heute und Dow 1929 an, dann könnte man zu dem Schluss kommen, dass der Dax noch weiter ansteigt und zwar noch VIEL weiter.
Man möchte fast aufspringen und schnell noch ein paar Aktien kaufen, wenn man diesen Chart sieht. Wenn Börse doch so einfach wäre...
Damit kommen wir zu dem anderen Chart:
Eigentlich haben wir ja die Übertreibung, welche der Dow bis 1929 vollzog, auch im Dax hinter uns und zwar bis zum Jahr 2000 – wie sah also die Entwicklung nach 1930 aus?
Auch hier haben wir im Dow Ende 1933 eine scharfe Erholung, auch wenn sie nicht so synchron mit der im Dax ist. Es folgt aber auf jeden Fall auch hier eine Seitwärtsbewegung und anschließend wieder eine starke Rally. Soweit sind diese Muster identisch. Insgesamt sehen wir hier durchaus auch Ähnlichkeiten, die allerdings nicht so eindeutig sind, wie in der ersten Grafik.
Charttechnisch ist der erste Chart eindeutiger, aus fundamentaler Sicht passt hingegen der zweite Chart besser, da wir uns im Dax nun auch in der Phase nach einer großen Rallye, folgendem Crash und erneuter Aufwärtsbewegung befinden.
Nun kam es nach dem letzten Einbruch auch 1937 zu einer Gegenbewegung, die fast so aussieht, als ob auch hier ein weiterer Versuch auf neue Hochs gewagt wurde. Dieser wurde jedoch massiv abverkauft (Wie ich immer betone: Auf die Gegenbewegung kommt es an!).
Zusammenfassung:
Schaut man sich diese beiden Charts an, dann kann man nur zu dem Schluss kommen, dass wir uns auch charttechnisch offenbar in einer höchst wichtigen Phase befinden, deren Ausgang im Moment offen ist. In allen drei Fällen (Dow bis 1929, Dow bis 1937 und Dax aktuell) wurde eine große Formation abgeschlossen. Im ersten Chart kam es zu einer letzten Rallye, 1937 endete diese.
Und das passt zur aktuellen Situation: Im Moment werden die Weichen gestellt. Die Richtung wird durch die weitere Politik Ben Bernankes festgelegt werden.
Denn dieser neue Notenbankchef hat, wie wir in den letzten Wochen eindrucksvoll feststellen konnten, durchaus das Potential, die Märkte noch einmal deutlich in die Knie zu zwingen (1937 halbierte sich der Kurs fast) aber auch die Macht, die Märkte auf neue Hochs zu bringen.
Dow heute und damals
Also habe ich mir den aktuellen Dow angeschaut und ihn mit dem damaligen verglichen:
Das Tief sieht der Dow 1932 bis 1933 und 2002-3 (auch hier wieder die gleichen „Endzahlen) sehr ähnlich aus. Anschließend kam es zu einer längeren Seitwärtsbewegung, aus welcher der Dow damals wie heute nach oben ausgebrochen ist. Vergleicht man diese Charts, wäre nach einem Testen der Seitwärtsbewegung von oben noch viel Platz.
Ich habe mir also die Mühe gemacht und solche Formationen gesucht, sie finden sich überall und in den meisten Fällen lösen diese sich sehr vergleichbar auf allen Zeitebenen nach oben auf – in den meisten Fällen, aber eben nicht immer.
Es ist die Entscheidung, die fallen muss und jetzt fallen wird, ob es schon jetzt zu einer längeren Phase der Abschwächung kommt, oder erst 2007. Der geneigte Börsianer möchte geneigt sein, im Dax das jetzige Jahr zu dem Jahr mit der großen Konsolidierung zu erheben – Mehrwertsteuererhöhung und Co geben Anlass genug zur Sorge. Was mich daran stört ist, das es zu einfach wäre – und Börse ist selten einfach!
Letzten Endes bleibt aber nur abzuwarten, was der Markt macht, denn wie immer gilt: Der Markt ist die einzige Wahrheit, die es an den Börsen gibt!
So und nun schaue ich mir das Spiel an und drücke unsere Manschaft die Daumen...


