E.ON: Einigung in letzter Minute
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 31. Januar 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Kurz nach Eröffnung der Gerichtsverfahren hat es E.ON (WKN 761440) nun doch geschafft, sich mit den neun Klägern zu einigen. Alle Beschwerdeführer haben ihre Klagen zurückgezogen. Das bestätigte auch das Oberlandesgericht Düsseldorf. Damit ist die Ministererlaubnis für die Ruhrgasübernahme rechtskräftig. Weniger als eine Stunde vor der Urteilsverkündung, also sozusagen in aller letzter Minute, kam es zu dieser Einigung. Ein Wirtschaftskrimi erster Güte ist damit zu Ende.
Die Bundesregierung begrüßte diese Einigung und verwies auf den großen volkswirtschaftlichen Nutzen.
Diese außergerichtliche Einigung ist natürlich "erkauft" worden. So rechnen Analysten damit, dass E.ON Zugeständnisse in insgesamt dreistelliger Millionenhöhe an die Kläger gemacht hat. Aus "informierten Kreisen" war zu vernehmen, dass unter anderem verbilligte Gaslieferungen und Investitionen in eine Gaspipeline Teil der Zugeständnisse sein sollen.
Natürlich konnte neben E.ON selbst auch Degussa (WKN 542190) davon profitieren. Mit dieser Einigung war auch das Angebot von RAG verbunden die Degussa zu übernehmen. RAG hatte den Degussa Aktionären ein Angebot über 38 € je Aktie gemacht, sollte die Ruhrgasübernahme stattfinden.
Was für die Aktionäre von E.ON sicherlich positiv zu bewerten ist, könnte sich für die Verbraucher durchaus auch negativ auswirken. Die europäischen Energiewirtschaft rückt immer dichter zusammen. Die diversen Übernahmen führen zu einer immer deutlicheren Konzentration im Energiebereich. Mittlerweile ist ein wirklicher Wettbewerb auf dem deutschen Strommarkt kaum noch auszumachen. Die Terrains sind sozusagen abgesteckt.
E.ON hat es nun geschafft. Für E.ON ein mehr als wichtiger Schritt. Mit dieser Übernahme steigen die langfristigen Wachstumschancen bei E.ON erheblich. E.ON sollte man sicherlich auf seine Watchliste nehmen, jedoch nicht überstürzt kaufen. Die wichtige Frage ist, ob E.ON nun den seit Juni letzten Jahres bestehenden Abwärtstrend verlassen kann. Es sieht ein wenig danach aus.
Nach den Gewinnen der letzten Tagen kann es aber nun erst einmal zu Gewinnmitnahmen kommen. Sollte E.ON jedoch die 44 €, besser noch die 45 € überwinden können, böte sich ein Kauf sicherlich an. Noch sehe ich keine deutliche Bodenformation, so dass durchaus auch wieder Kurse bis 38 € denkbar sind. Darunter würde es deutlich bearisher. Ein weitere Grund warum kurzfristig die Gefahr von Kursverlusten besteht: Die Analysten werden sicherlich wieder ein Haar in der Suppe finden, in diesem Fall wahrscheinlich die höheren Kosten der Übernahme.