Durchwachsene Daten ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 06. September 2004 18:00 Uhr
ENL5454
In der ersten September-Woche konnten sich die deutschen Aktien weiter stabilisieren. Der deutsche Leitindex ging am Freitag mit einem leichten Plus im Wochenvergleich aus dem Handel.
Sicherlich, das Thema der Woche waren die US-Arbeitsmarktdaten, die im Rahmen der Analystenprognosen ausfielen, und die Aktienmärkte stützen konnten. Im Monat August wurden in den USA 144 000 neue Stellen geschaffen. Vor allem der Dienstleistungssektor konnte mit 108000 neuen Jobs glänzen.
Aber, zwischen den Zeilen gelesen, gab es auch einige Punkte im jüngsten Arbeitsmarktbericht, die alles andere als erfreulich waren. So wurden zum Beispiel im Einzelhandel 11000 Arbeitsplätze abgebaut. Weiter bleibt die Arbeitslosigkeit bei jungen Menschen mit einer Quote von 17,0 Prozent erschreckend hoch. Zudem fiel der Anstieg bei den durchschnittlichen Wochenstundenlöhnen mit 0,3 Prozent auf 533,03 US-Dollar nur sehr moderat aus.
Fraglich ist aber, ob sich die aktuelle Stabilisierung am US-Arbeitsmarkt auch in der Zeit nach den US-Wahlen wird halten können. Denn einige Daten – unter anderem aus jüngster Vergangenheit – deuten eher auf eine konjunkturelle Abkühlung mit negativen Folgen für den Arbeitsmarkt hin. So fiel nur zum Beispiel der ISM-Index, der die Geschäftsaktivität im so wichtigen Nicht-Verarbeitenden Gewerbe der USA misst, am Freitag deutlich schwächer als erwartet aus. Außerdem blieb das Verbrauchervertrauen deutlich unter den Erwartungen. Oder aber auch die Nachrichten vom Tech-Giganten Intel, dessen Kurs nach schwachen Geschäftszahlen bzw. -erwartungen, deutlich nachgeben musste.
An der deutschen Konjunkturfront ergaben sich in den letzten Tagen erneut dramatische Daten. Der Arbeitsmarktbericht für den August war wiederum äußerst schwach, die offizielle saisonbereinigte Arbeitslosenzahl nahm um 24 000 zu. Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland ging im Juni im Jahresvergleich um 122 000 auf nurmehr 38,2 Millionen zurück. Der Trend des Beschäftigungsabbaus setzt sich fort. Eine Wende ist nicht in Sicht. Zudem geht immer mehr Verbrauchern finanziell die Puste aus. Im ersten Halbjahr diesen Jahres waren es um knapp 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Juni war auch die Tendenz bei den registrierten Firmeninsolvenzen wieder zunehmend. 6,6 Prozent mehr als im Juno 2003, bzw. insgesamt 3445 Unternehmen wurden zahlungsunfähig.
Außerdem wurden jüngst Daten zur aktuellen Geburtenentwicklung in Deutschland bekannt, die höchst alarmierend sind. Die tiefe Wirtschaftskrise im einstigen Musterland Europas scheint auch nicht ohne Folgen für die Zahl der Neugeborenen zu bleiben. Die bisher schon sehr niedrige Geburtenzahl sinkt weiter. Nach offiziellen Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden von Januar bis Mai diesen Jahres bundesweit 2,3 Prozent weniger Kinder geboren, nämlich nur noch 283213.
Es scheint fast so, als ob die Deutschen jegliche Zukunftsperspektiven verloren haben ... Wie auch immer, nach den Zahlen vom US-Arbeitsmarkt kam der Goldpreis, vor allem in US-Dollar, erheblich unter Druck. Zum Wochenschluss ging die Feinunze mit 400 US-Dollar aus dem Handel.
Letztlich bleibt festzuhalten, dass sich der Preis für das gelbe Edelmetall noch immer innerhalb der Seitwärtsrange zwischen 370–400 $ befindet. Eine Feinunze Gold kostete am Freitag knapp 332 Euro.
Angesichts der kaum noch "normal" lösbaren Problemberge – vor allem Deutschlands – wird sich dieser Preis mittel- bis langfristig als wahres "Schnäppchen" im Hinblick auf die Sicherung des Vermögens erweisen ...