Dummes Wissen
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 31. Januar 2005 18:00 Uhr
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Letzte Woche hatte ich gerade den ersten Teil des viel diskutierten Buches "The Wisdom of Crowds" von James Surowiecki gelesen. Es war nicht so schlecht, wie ich befürchtet hatte. Mr. Surowiecki erinnerte mich an einen Teenager, der gerade Sex entdeckt hat. Er weiß nicht recht, was er damit anfangen soll, aber er freut sich auf jeden Fall darauf.
Ich stolperte über den Teil über "Zivilisation", die zahllosen und feinen privaten Arrangements, die es den Leuten erlauben, über die Runden zu kommen und Fortschritte zu machen, ohne dass jemand Bestimmtes ihnen sagt, was sie tun sollen.
Ein Mann alleine kann nicht viel schaffen. Er befindet sich nur deshalb in seinem aktuellen Zustand des Komforts, weil Jahrhunderte lang Millionen anderer Menschen Fortschritte gemacht haben. Irgend jemand hatte entdeckt, wie man Feuer macht. Irgend jemand hatte bemerkt, dass man Öl verbrennen kann. Irgend jemand zählte 1 und 1 zusammen ... und Millionen andere Dinge ... und baute das moderne Auto. Selbst mit dem akkumulierten Wissen von hundert Generationen könnte ein einzelner Mann kein Auto bauen. Es gibt zu viele Komponenten und zu viele Teile, die zuviel spezielles Wissen erfordern. Ein Mann alleine wäre schon froh, wenn er ein Kettcar aus Holz bauen könnte.
Mr. Surowiecki scheint kaum zu bemerken, was im menschlichen Herzen vor sich geht. Wieder ist er wie ein Teenager, der gerade Sex entdeckt hat. Er ist von der Mechanik desselben so fasziniert, dass er noch nicht über die perversen und zynischen Möglichkeiten nachgedacht hat. Ja, Gruppen von Menschen können Probleme lösen. Ja, Gruppen von Menschen können gute Ideen haben. Ja, Gruppen von Menschen können Dinge herstellen, die sich ein Individuum alleine nur vorstellen kann.
Und ja, das räumt der Autor ein, Gruppen liegen manchmal auch falsch. Sie werden oft von einer einzigen Person befehligt. Sie tendieren dazu, gleich zu denken. Sie werden leicht abgelenkt. Aber wenn die Leute zusammen arbeiten können – ohne dass ihnen jemand eine Pistole an den Kopf hält – dann können sie Dinge erreichen.
Aber eine Gruppe von Menschen, die zusammen arbeitet, ist nicht dasselbe wie eine "Menschenmenge". Und eine Menschenmenge ist nicht dasselbe wie ein Mob.
Eine Gruppe ist eine Summe von Individuen, jedes mit seiner eigenen unabhängigen Meinung und seinem Informationsstand. Eine Gruppe ist auch eine Sammlung von privaten Individuen, jedes mit seinen eigenen privaten Zielen.
Eine Menschenmenge hingegen beginnt, wie eine Einheit zu handeln – und macht schnell ein öffentliches Spektakel aus sich selbst. So ist z. B. eine Armee eine Menschenmenge. Sie handelt mit einem Gehirn. Einer Emotion. Für ein Ziel. In einer Armee wird unabhängiges Denken unterdrückt. Deserteure werden erschossen. Ich habe schon oft betont: Ich würde nicht mit freigeistigen Intellektuellen hinter mir in eine Schlacht ziehen wollen; da will man schon lieber einen einfachen Dickkopf mit einem einzigen Ziel: Den Feind zu töten und einen selbst zu beschützen.
Die größte Angst militärischer Führer ist die, dass ihre Armee aufhört, eine disziplinierte Menschenmenge zu sein ... und zum Mob wird. Auch ein Mob wird zwar wie eine Einheit handeln – aber die Emotion, die das Handeln steuert, wird wahrscheinlich Furcht sein, ... was die Effektivität der Kampfgruppe zerstören wird.
Gruppen von Investoren werden manchmal zu Menschenmengen. Ihnen geht es gut, wenn sie aufhören, unabhängig zu denken, und stattdessen wie eine Einheit handeln. Diese Menschenmenge kann durch Furcht oder Gier bewegt werden. In beiden Fällen wird sie wahrscheinlich auf Nachrichten überreagieren ... und die Lieblingsinvestments zu hoch bewerten.
Mr. Surowiecki bemerkt alle diese Dinge, mehr oder weniger. Er bemerkt, dass weder Wähler noch Investoren exakt die rationalen Kreaturen der akademischen Vorstellung sind. Er realisiert, dass sie – von Zeit zu Zeit – durch unterschiedliche Einflüsse abgelenkt werden. Und dennoch schafft er es irgendwie nicht, zu erkennen, was das Schlüsselkriterium einer "Menschenmenge" ist, welches diese sowohl von einer gesunden, effizienten Gruppe als auch von einem großen Mob abgrenzt, der Probleme bekommen wird.
Wieder einmal hat er es geschafft, etwas zu schreiben, das gleichzeitig sowohl weise als auch dumm ist. Es ist weise, festzustellen, dass zwei Köpfe manchmal besser als einer sind. Es ist dumm, nicht zu merken, warum das so ist.