Dumb Money vs. Smart Money (Fortsetzung der Marktanalyse)
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 7. Dezember 2009, 16:00 Uhr
ENL5462
(Fortsetzung der obigen Marktanalyse)
Dumb Money vs. Smart Money
Mit 7285 Punkten markierte der NYSE Composite Index am letzten Freitag ein neues Jahreshoch. Damit beträgt der Gewinn seit dem Märztief 2009 (4182 Punkte) einmalige 74,24%. Stellen wir also schon mal den Champagner kalt, rufen die Nachbarn an und feiern diese durch den Index vorweggenommene „wirtschaftliche Trendwende", da ja jetzt wieder alles gut ist?
Wohl kaum.
In den letzten drei Tagen hat sich der NYSE Composite Index zwar kaum bewegt, jedoch kann man aus den Tagesverläufen einiges „mitnehmen“. Im unteren Chart habe ich (jeweils durch rote Kreise) diverse Candlesticks markiert, welche laut der Börsenliteratur zu den „Trendumkehrern“ gehören. Meist treten diese an Widerständen auf (sinngemäß umgekehrt bei Unterstützungen) und sind dadurch gekennzeichnet, dass der rechteckige Körper des Candlestick sehr klein ist, während der Schatten (vertikaler Hals der Kerze) überproportional lang ist.
Abb.: Candlestick-Chart des NYSE Composite Index
Nehmen wir den letzten Freitag als Beispiel. Der NYSE Index eröffnete dank den Arbeitsmarktdaten in den USA nahe dem Top. Der Index steigt weiter und bildet ein neues Jahreshoch aus. Müssten an diesem Punkt nicht zahlreiche Leerverkäufer ihre Positionen glatt stellen und neue Käufer zusätzlich ordern? Rein logisch gesehen, ja. Doch nicht im Börsenkarussell Wall Street. Statt explodierender Kurse fällt der Index vom Tageshoch um über 2% und schließt nahe dem Tagestief. Es gab offensichtlich mehr Verkäufer als Käufer an diesem Tag - trotz Jahreshoch. Eines von vielen Warnzeichen. Weitere folgen..
Abb.: 15-min Chart des S&P 500 Index
Betrachten wir zu diesem Zweck die letzten 4 Handelstage des S&P 500 in der 15-Minuten-Skalierung.
Grün umrandet sehen Sie drei neue Jahreshöchststände, welche sofort wieder „abverkauft“ wurden. Neben den dahintersteckenden Geschwindigkeiten und der Dynamik dieser Minikursstürze (lassen Sie den Chart auf sich wirken und versuchen Sie, ihn wie ein Buch zu lesen) fallen auch sofort die hohen Verkaufsvolumina ins Auge. Euphorische Long-Privatanleger verhalten sich wohl etwas anders.
Shorten hier also größere Adressen in die jeweilige Marktstärke hinein?
Zum Schluss möchte ich mit Ihnen heute noch kurz zurück in die Vergangenheit reisen. Allzu weit kommen wir jedoch nicht, denn das Jahr 2008 ist unser Ziel. Sowohl damals (erster Chart) wie auch heute (zweiter Chart) zeigte die Advance/Decline Linie des Nasdaq Composite Index eine deutliche bärische Divergenz:

Abb.: Chart-Ausschnitt "Nasdaq Comp. Index" (aktuell)

Abb.: Chartausschnitt "Nasdaq Composite" (2008)
Auch damals ließen sich viele Anleger durch den Sirenengesang steigender Indizes anlocken - trotz fallender Marktinterna.
„Jetzt reich werden an der Börse und nie wieder arbeiten. Wer jetzt investiert erhält alles, was er für das gute Leben braucht." tönt die sinngemäße Botschaft zahlreicher Finanzmassenmedien schon wieder aus den Lautsprechern. "Endlich ist Licht am Ende des Tunnels!" und es geht wieder schön hoch.
Doch was, wenn dies wieder nur der Schnellzug mit der roten Tinte ist, welcher durch die Depots der Anleger rast, die blind auf den Aufschwung vertrauen, und damit eine neue Welle der Zerstörung hinterlässt? Wie beim von vielen Anlegern gefühlten "Crash des Jahrhunderts" im Jahre 2008?
Abb.: Nasdaq Composite im Jahr 2008
Natürlich muss es nicht soweit kommen, doch wer sich die aktuelle technische Marktlage genau ansieht, wird eine ganze Reihe von verdächtigen Indizien finden, die eher zur Vorsicht mahnen, als zum ungehemmten großen Einstieg.
Zusammenfassung:
Auch wenn es einige von Ihnen nicht mehr hören können. Ich warne aktuell weiterhin und bin weiterhin skeptisch. Die großen Spieler verlassen m.E. in vielen Bereichen die Party. Dies muss nicht zwangsläufig zu einem Crash führen; auch eine mehrmonatige Konsolidierung ist möglich. Doch ignorieren sollten Sie diese Warnzeichen keinesfalls. Seien Sie versichert: Sobald das Risiko im Markt abnimmt und wieder entsprechende Kapitalzuflüsse auf breiter Front in die Märkte zu verzeichnen sind, erfahren Sie es umgehend hier bei Investoren Wissen.
Eine "gefährliche" Börsenphase mit der Mehrheit des eigenen Spekulationskapitals von der Seitenlinie zu betrachten hat sicher noch niemandem nachhaltig geschadet und auch noch keinen Anleger arm gemacht. Es gibt keine verpassten Chancen an der Börse.
Aber wie auf jeder exzessiven Party wird es auch hier wieder die Gruppe von Teilnehmern (d.h. Anlegern) geben, welche sinngemäß gesprochen "Flatrate saufend" mit ihrem Hals derart tief in der Partybowle stecken werden, so dass sie gar nicht bemerken, wie direkt nebenan schon der Vorhand in Flammen steht. Sehen Sie daher besser zu, dass Sie nicht ungewollt zu dieser Gruppe gehören und sichern Sie Ihre Positionen und damit Ihr hart erarbeitetes Geld gut ab - so lange nicht klar ist, wie sich die aktuelle Lage hier weiter entwickeln wird.
Im Moment bleibt die Marktlage erst einmal weiterhin angeschlagen, so lange die Interna noch kein grünes Licht geben.
Beste Grüße
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