Düstere OECD Prognose
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 4. November 2011, 08:30 Uhr
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während sich der Markt zur Zeit mit sehr kurzfristigen Dingen wie gelanten oder verschobenen Referenden in Griechenland beschäftigt, gerät eine der wichtigsten Baustellen reichlich weit aus dem Blickfeld: die Konjunktur, an der die Aktienkurse zumindest theoretisch hängen sollten. Reichlich düster sieht da die aktuelle Wachstumsprognose der OECD vor allem für Europa aus. Danach soll die Wirtschaft der Euro-Zone nur noch um 0,3 Prozent wachsen. Im Mai war man noch von 2 Prozent ausgegangen. Auch die US-Konjunktur bewerten die Experten pessimistischer. Für die dortige Wirtschaft werden nur noch 1,8 Prozent Wachstum erwartet (Mai-Prognose: 3,1 Prozent). Für die weltweit führenden Volkswirtschaften (G20) insgesamt liegt die Prognose für 2012 nun bei 3,8 Prozent.
Als Hauptgrund für die drastische Prognosesenkung wird vor allem die Staatsschuldenkrise und damit verbunden der Vertrauensverlust und die Sparmaßnahmen angegeben. Gelingt hier keine Eindämmung der Folgen der Schuldenkrise, geht die OECD sogar vor Rezessionen in einigen größeren OECD-Ländern aus, deren Wirtschaftsleistung bis zur ersten Jahreshälfte 2013 um bis zu fünf Prozent sinken könnte, hieß es in Paris. Die Unsicherheiten hätten in den letzten Monaten dramatisch zugenommen - insbesondere wegen der Lage Griechenlands am Rande der Staatspleite, die Europas Banken und andere hochverschuldete Euro-Länder mit nach unten reißen könnte. Optimistischer gibt sich die Organisation aber für den Fall, dass die Beschlüsse vom EU-Gipfel vorige Woche effektiv umgesetzt würden.
Die Prognoseunsicherheit ist derzeit tatsächlich sehr groß, was auch positive Überraschungen bringen kann. Die letzten Daten der Einkaufsmanager, die häufig eine gute Vorlauffunktion für die Wirtschaftsentwicklung besitzen, boten allerdings nur negative Überraschungen. Der Europäische Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe sank im Oktober auf 47,1 Punkte von 48,5 Punkten im Vormonat und sackt damit tiefer in die Schrumpfungszone unter 50 Punkten. Der deutsche Teilindex schaffte es mit 49,1 Punkten von 50,3 Punkten im Vormonat auch nicht mehr, sich im Wachstumsbereich zu halten, wie am Mittwoch gemeldet wurde. Nur in den USA sehen wir noch schwaches Wachstum. Der am Dienstag gemeldete, vielbeachtete ISM Einkaufsmanagerindex notierte im Oktober bei 50,8 Punkten. Erwartet wurde allerdings ein Wert von 52,3 Punkten nach 51,6 Punkten zuvor. Auch hier nähern wir uns wieder gefährlich der Schrumpfungszone. Vor dem Hintergrund dieser schwachen Daten dürfte der Börsenoptimismus der letzten Wochen etwas verfrüht gewesen sein. Aber zum Thema Optimismus in einer der nächsten Ausgaben mehr.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Werner Bläser (04.11. 2011 10:13 Uhr):
Deutscher Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen steigt im Oktober, Frankreich und Eurozone schlecht (Meldung ca. 10 Uhr). OECD-Wachstumsprognose 2012 für die G20 bei 3,8%(!!), die USA arbeiten sich zwar langsam und schwach, aber deutlich erkennbar, aus den Tiefs (da die Zyklen verschoben sind, werden wir folgen). Athen ist kein Thema mehr, die Banken reduzieren ihr Risiko (Spaghetti-Bonds) weiter. Italien ist mit einer Kontrolle der Reformen durch den IWF und Europa einverstanden. Das ist insgesamt nicht der Stoff, aus dem lange Bärenmärkte gemacht werden.
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