Dubai
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 3. September 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
Mein Kollege Joel Bowman lebt in Dubai. Ich frage mich, ob diese Stadt wirklich eine solche Blase ist, wie ich gehört habe, also habe ich ihn gefragt. Seine Antwort:
Mein kurzer Aufenthalt hier in Dubai hat mich zu der Ansicht gebracht, dass Dubai und Co. ein weitestgehend nicht tragbares Unternehmen ist."
Der Lifestyle in Dubai lässt den durchschnittlichen Amerikaner wie einen sparsamen, Energie-bewussten, umweltfreundlichen Öko dastehen. Ich habe zuletzt gelesen, dass 60% des durchschnittlichen Gesamteinkommens der Emirate für Konsumentengüter ausgegeben wird - Gucci-Taschen , Designer-Schleier, und Nummernschilder im Wert einer Million."
Der große Unterschied, den ich hier erkennen kann, ist, dass ein Großteil des amerikanischen Wohlstandes, abgesehen von den letzten Jahren, im Laufe einer langen Zeit angesammelt wurde, in der die amerikanischen Bürger produktiv und ehrlich gearbeitet haben, in der sie die Metalle geschmiedet, Peitschen geknallt und Glühbirnen erfunden haben.
Dubais Wohlstand ist schnell und heftig aufgetreten... und er ist nicht wirklich das Ergebnis ehrlicher Arbeit. Wären da nicht die amerikanischen, britischen und französischen Unternehmen gewesen, die - neben anderen - den Leuten gesagt hat, was das schwarze Zeug unter dem Erdboden wert ist, und was der Rest der Welt bereit ist dafür zu bezahlen, dann wäre Dubai vermutlich auch heute noch ein Hafen der Perlentaucher mit einigen wenigen Tausend Saisonarbeitern."
Wenn die amerikanische Wirtschaft betrunken ist, aufgrund des eigenen Gebräus der irrationalen Übertreibungen", dann trinkt man in Dubai Tequila und versucht verzweifelt, hinterher zu kommen. Ich erlebe es hier jeden Tag, wie die Regierung den noch nicht verdienten Wohlstand für extravagante Wohlfahrtsprogramme und für Komitees und Ausschüsse für,den Erhalt der nationalen Identifikation verschwendet, die sich einerseits dem kulturellen Erbe" und anderseits der Überprüfung unmoralischen Verhaltens" widmen. Und dann gibt es da noch die überbordenden Kontrollen für die Wirtschaft - Preiskontrollen, Lohnmanipulation, Mietgrenzen... und die Liste ließe sich noch fortführen."
Ich habe mit Interesse zuletzt gelesen, dass Starbucks im nächsten Jahr 600 Läden schließen will, weil die Verbraucherausgaben sinken. Diese Geschichte ist für mich um so unterhaltsamer, als dass ich sie auf meinem Laptop gelesen habe... in einem Starbucks, der gerade in der Lobby meines Gebäudes eröffnet hatte. Und in fußläufiger Entfernung meiner Eingangstür finde ich sechs Starbucks-Filialen (und ich laufe nicht weit - am Montag war es über 50 Grad heiß.) Es gibt hier auch zahlreiche Filialen der amerikanischen Fastfood-Ketten Seattle's Best, Krispy Kreme's and all der anderen. Es ist wie in irgendeiner beliebigen Stadt in den Vereinigten Staaten - nur in super-super-groß. Und das bringt mich zum nächsten Punkt..."
Jumeirahh Beach Residence (oder JBR für die coolen Kids), ist ein Bauprojekt von 36 Gebäuden, das vor einem Jahr eröffnet wurde. Jedes Gebäude hat ungefähr 40 Stockwerke und es soll hier Wohnraum für 25.000 Menschen geben. Aber wo sind diese Leute, frage ich mich? So wenige der Wohnungen sind bewohnt, dass ich immer noch bemerke, wenn nachts in den umgebenden Gebäuden ein neues verdächtiges Licht angeht... und doch sind angeblich die meisten verkauft. Ich kann die Neuankömmlinge nicht sehen, die sich beeilen, mehr Schlüssel nachmachen zu lassen, nachdem die Mietpreise - es ist kaum zu glauben - seit ich im Dezember hier eingezogen bin um 50% angestiegen sind. Ich habe eine relativ komfortable Wohnung mit zwei Schlafzimmern und einer ganz anständigen Aussicht, aber wenn ich heute ankäme, dann würde ich für den gleichen Preis gerade noch ein Appartement im Erdgeschoss bekommen."
Die Geschichte ist auch an anderer Stelle in der Stadt die gleiche. Die Projekte werden ausgeführt, dann durch die gewaltigen Medien in Dubai und Co. gepumpt und schon ist die Anlage mit 50%, 60% oder 70% vergeben. 'Das ist eine neue Erfolgsgeschichte' tönen die Zeitungen. 'Dubais Genialität, die die Welt schlägt, hat wieder triumphiert!', rufen der König und seine fröhliche Band der Schmeichler. Aber soweit ich das sehe, sind die größten Projekte - darunter auch das JBR, welches als 'größtes auf einmal errichtetes Wohnprojekt der Welt' gepriesen wird - immer noch Geisterstädte."
Ein Freund von mir ist zuletzt da raus gegangen, um sich ein Haus anzusehen, das in einer dieser neuen Anlagen (in diesem Fall Arabian Ranches) zum Verkauf stand. Der Preis war am oberen Ende seines Budgets und er hat deswegen gestöhnt und geächzt, bis der Immobilienmakler einwarf, dass man bei dieser Anlage nur in 'Zehnerpacks' kaufen kann. D.h. diese Anlage wurde in Zehnerpacks an Mittelsmänner verkauft, die sie dann weiterverkaufen und damit die nächste 'die Welt übertrumpfende Anlage' bauen"
Wer kauft also all diese leerstehenden Häuser, Straßen und Inseln? Einige sagen - und es sind nicht nur die Verschwörungstheoretiker - dass Dubai ein gewaltiger Trichter für schmutziges russisches Geld ist. Andere - zu denen ich mich auch zähle - gehen davon aus, dass die Spekulanten während des Hypes kaufen... und hoffen, dass ein noch größerer Idiot ein Jahr später kaufen wird, und ihnen damit einen ansehnlichen Gewinn einbringt."
Das Problem ist, dass die Idioten früher oder später ausgehen werden. Selbst hier in Dublase" ist der Vorrat nicht unbegrenzt."