Dubai ist Schuld
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 27. November 2009, 09:30 Uhr
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die meisten Marktbeobachter hatten gestern einen ruhigen und lustlosen Handel erwartet, da die US-Börsen feiertagsbedingt geschlossen waren. Ich hatte in den letzten Tagen immer wieder vor der zu optimistischen Stimmung gewarnt ebenso wie vor einer plötzlichen Kehrtwende beim Währungspaar Euro/Dollar. Dass das Ganze dann jedoch so schnell und heftig dreht, überrascht selbst mich.
Die Aktienmärkte brachen gestern weltweit ein und werden ihren Kursrutsch auch heute mit voller Wucht fortsetzen. Offiziell wurde folgender Grund dafür herumgereicht: Das hoch verschuldete Emirat Dubai ersuchte Gläubiger um eine Aufschiebung von Zahlungsverpflichtungen in Höhe von 6 Milliarden US-Dollar. Zu diesen Gläubigern zählen rund 50 Banken, darunter auch die Deutsche Bank, berichtete Reuters. Das löste möglicherweise eine Panik vor neuen Bankenpleiten oder gar eine Staatspleite Dubais aus.
Der eigentliche Grund für den Kursrutsch findet sich jedoch eher am Devisenmarkt. Der Dollar zeigte in der Nähe charttechnischer Unterstützungen gestern ungewöhnliche Stärke, die ich als Vorboten einer mittelfristigen Trendwende werte. Sollte sich diese Stärke in den nächsten Tagen fortsetzen, könnte ausgerechnet der geprügelte Dollar zu einer ein- bis zweijährigen Rallye ansetzen. Sie werden jetzt vielleicht fragen, was das mit dem Aktienmarkt zu tun hat.
Ganz einfach: Die Niedrigzinswährung Dollar liefert den Treibstoff für die aktuelle Aktienrallye. Der Dollar-Carry-Trade wird selbst vom Internationalen Währungsfond und den meisten Experten als eine der Haupttriebfedern für die aktuelle Aktienrallye angesehen. Sobald der Dollar allerdings zu steigen beginnt, würde der Carry-Trade zusammenbrechen, weil die Währungsverluste dann alle Aktiengewinne der Kreditspekulanten auffressen würden.
Wir sehen praktisch seit zwei Jahren eine umgekehrte Korrelation zwischen Dollar und Aktienmärkten. Fällt der Dollar, steigen Aktien und umgekehrt. Wird aus dem jüngsten Erstarken des Dollars eine echte Trendwende, dann haben Aktien ihre Höchstkurse für viele Jahre gesehen. Meine Leser habe ich übrigens schon vor zwei Wochen auf die Gefahr einer solchen dollarinduzierten Trendwende hingewiesen und die Situation ausführlich charttechnisch analysiert. Sie konnten sich in Ruhe auf die gefährliche Situation vorbereiten.