Droht ein Kredit-Kollaps?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 19. November 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Als ich eine Schlagzeile der Wochenendausgabe des International Herald Tribune sah, zog ich die Augenbrauen hoch.
"Es droht ein Kredit-Kollaps", so die Überschrift des Kommentars. Das Geheimnis des Kommentar-Schreibens liegt darin, eine Meinung über etwas auszudrücken, mit dem man nichts zu tun hat und von dem man nichts versteht.
Besonders David Ignatius vom International Herald Tribune ist darin besonders gut ... seine Kommentare sind besonders lächerlich und – deshalb – unterhaltend.
Dank den letzten Wahlen, so Mr. Ignatius, "hat Bush jetzt die Kraft, wichtige Dinge zu richten, die falsch laufen – nicht nur im Irak, sondern auch in der Weltwirtschaft."
Tja, wenn er den Kongress hinter sich hat, dann könnte er wahrscheinlich auch ein paar Probleme in Frankreich (wo ich seit ein paar Jahren lebe und arbeite, wie Sie wissen) lösen – wie den Hundedreck auf den Bürgersteigen ... und die Kriminalität. Mehr dazu weiter unten.
Und vielleicht könnte er mit noch ein paar Stimmen mehr sogar etwas für besseres Wetter tun.
Ich zweifle nicht dran, ob der amerikanische Präsident die Wunder, die sich Ignatius vorstellt, vollbringen kann – sondern daran, warum Bush dann solange gewartet hat? Wer im Kongress wollte nicht, dass er die "Weltwirtschaft richtet"? Selbst ein Angehöriger der Democrats würde sich dem nicht verschließen.
Wie auch immer. Wer dem weltweiten Reichtum im Weg stand, ist jetzt aus dem Weg. Jetzt kann sich der größte amerikanische Präsident seit Bill Clinton ernsthaft um die Gefahr eines Kredit-Kollapses kümmern. Aber was kann er tun?
Ignatius macht nur lahme Vorschlage – so wie "einen finanziellen Experten finden". Und "Bush muss die Finanzmärkte real regulieren, um das Vertrauen in das Welt-Finanzsystem wiederherzustellen."
Wenn es damit getan wäre! Ignatius hat festgestellt, dass die Nichtzurückzahlung von Anleihen in den letzten 2 Jahren den Wert der vorherigen 20 Jahre übertroffen hat. Wird "reale Regulierung" plötzlich die schlechten Bonds wieder wertvoll machen?
"Um es zu vereinfachen", warnt Stephen Roach, "bei Aktien geht es um Heute, bei Schulden geht es um morgen." Im großen Bullenmarkt schienen sich die Leute nur um Aktien zu kümmern. Sie stiegen ... und man schien sich keine Sorgen um morgen machen zu brauchen. "Man konnte alles, was man wollte, versprechen ... sich soviel wie möglich leihen ... und Geld ausgeben, als ob es kein morgen geben würde."
Aber, ups, jetzt haben wir – morgen. Jetzt haben wir den post-Party Blues. Die Schulden basierten auf unrealistischen Wachstumserwartungen, so Roach. Pensionsfonds, Versicherungsgesellschaften, Aktionäre, Unternehmensanleihen-Besitzer – alle müssen darunter leiden.
Und nicht nur in Amerika.
In Japan soll es faule Kredite im Volumen von 47 Billionen Yen geben. Der Lebensstandard wird in den USA fallen, so Roach, während die US-Regierung versucht, eine Deflation abzuwenden.
Wenn Bush doch nur die Zeit auf gestern zurückdrehen könnte.