Droht China eine Inflationspirale?
Jochen Steffens in Investors Daily zum Thema Global Anlegen
vom 20. Februar 2008 18:00 Uhr
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Das sind natürlich die Lehren des Kapitalismus. Ein exorbitantes Wachstum hat immer auch Folgen. Wachstum führt zu Inflation, da immer mehr Menschen immer mehr Geld verdienen, dass diese natürlich auch ausgeben wollen. Also steigt die Nachfrage und steigende Nachfrage führt bei gleichbleibendem Angebot gerne mal zu weiter steigenden Preisen.
Inflation steigt auf 11-Jahreshoch
So stieg die Inflation in China im Januar auf 7,1 %. Das ist der höchste Wert seit mehr als 11 Jahren! Ein Faktor dieses starken Anstiegs sind allerdings Lebensmittel, die sich um 18,2 % verteuerten. Schweinefleisch verteuerte sich sogar über 50 %. Dabei steigen die Nahrungsmittel in China nicht nur aufgrund höherer Nachfrage, sondern hauptsächlich aufgrund eines sinkenden Angebots: Ein extremer Winter mit Schnee und Frost hatte zu erheblichen Ernteausfällen geführt.
Trotzdem, diese Inflationszahlen verursachten, dass der Yuan zum Dollar deutlich anstieg. Ich rechne damit, dass diese Aufwertung des Yuans mit steigender Dynamik weiter gehen wird. Aufgrund der sinkenden Zinsen in den USA und des damit verbundenen schwachen Dollars, wird ohne eine weitere Aufwertung des Yuan die Inflation in China wahrscheinlich explodieren.
Gefährliche Entwicklung
Ein kleiner Einschub: Durch die weltweiten Preissteigerungen bei Agrarrohstoffen entstehen verheerende Probleme. Es wird bald immer mehr Menschen geben, die sich einfachste Nahrungsmittel nicht mehr leisten können (Getreide). Wird diese Entwicklung nicht gestoppt, werden wir erneut einen starken Anstieg von Hunger und Armut in der Welt erleben.
Aufwertung des Yuan positiv für die USA
Eine Aufwertung des Yuan ist für die USA positiv, es verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Unternehmen gegenüber China. Auch das ist ein positiver Aspekt für die Börsen, den wenige aktuell analysieren. Generell führt der schwache Dollar dazu, dass Waren aus den USA im Moment preiswerter werden, was die Nachfrage nach diesen erhöht.
Inflationsdruck in den USA weiter vorhanden
Doch nicht nur in China steigt die Inflation an. Auch in den USA erleben wir immer noch weiter steigende Preise: So stiegen die Verbraucherpreise im Januar um 0,4 %. Analysten hatten nur mit einem Anstieg von 0,3 % gerechnet. Die Kernrate ist um 0,3 % angestiegen. Hier hatten Analysten 0,2 % prognostiziert.
Offenbar ist der Rückgang der Energiepreise noch nicht bei den Verbraucherpreisen angekommen. Wenn der Ölpreis weiter ansteigt, könnte das es also zu weiterem Inflationsdruck führen. Auf der anderen Seite wird ein sich abschwächendes Wirtschaftswachstum in den USA zu einem Nachlassen der Inflationsgefahren führen, besonders, wenn auch noch der Arbeitsmarkt schwächelt. Dann können die Unternehmen Preiserhöhungen nicht auf die Verbraucher umwälzen.
Das Sitzungsprotokoll der Fed
Trotzdem haben mich die heutigen Zahlen etwas überrascht. Ich hatte zumindest mit Werten gerechnet, die in den Erwartungen liegen. Jetzt wird es spannend, was der Markt aus diesen Daten macht.
Wahrscheinlich wichtiger für den Markt wird das Sitzungsprotokoll der Fed sein, das gleich um 20.00 Uhr veröffentlicht wird. Je nachdem, wie der Markt die Aussagen interpretiert, könnte es zu einem entscheidenden Ausbruch kommen.
Der Future-Dax ist allerdings missmutig erst einmal wieder zur Mitte seiner Seitwärtsbewegung gelaufen. Hier ist also noch nichts entschieden.
Viele Grüße
Jochen Steffens
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