Drei Themen, die das Börsenparkett beherrschten - und eine Warnung!
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 3. Oktober 2011, 13:00 Uhr
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Zum einen fieberten die Anleger der Entscheidung des deutschen Bundestages zur Ausweitung des Euro-Rettungsschirms entgegen.
Bundestag billigt die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms
Der Bundestag billigt die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms. Insgesamt votierten 523 Abgeordnete für die Ausweitung der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), 85 Parlamentarier waren dagegen, drei enthielten sich.
Die Ausleihekapazität der EFSF liegt derzeit bei rund 250 Mrd. Euro und soll auf 440 Mrd. Euro erhöht werden. Dazu müssen die Euro-Länder ihre Garantien von 440 auf 780 Mrd. Euro erhöhen. Der deutsche Anteil hieran könnte mit der jüngsten Entscheidung von 123 auf 211 Mrd. Euro steigen. Und dazu war besagte Abstimmung im Bundestages erforderlich. Doch die tatsächliche Umsetzung hängt auch von den übrigen Euro-Staaten ab.
Was ist EFSF?
Die EFSF ist eine von den Euro-Staaten gegründete Zweckgesellschaft mit Sitz in Luxemburg. Sie finanziert sich durch die Emission von Anleihen an den Kapitalmärkten. Die so beschafften Mittel werden mit einem Zinsaufschlag an hoch verschuldete Länder weitergereicht. Für die Rückzahlung der Anleihen garantieren die 17 Euro-Länder.
Warum sind Garantien von 780 Mrd. bei einer Ausleihekapazität von 440 Mrd. nötig?
Um die Summe von 440 Mrd. Euro im Extremfall aufbringen zu können, sind zugesagte Garantien in Höhe von 780 Mrd. Euro nötig. Der Grund für diese sogenannte Überdeckung ist folgender:
Um niedrige Refinanzierungskosten zu sichern, benötigt die EFSF eine exzellente Bewertung durch die Ratingagenturen. Die erforderliche Höchstnote "AAA" für die Bonität der Anleihen bekommt der Rettungsfonds nur, wenn deren Summe komplett durch Bürgschaften von "AAA"-Staaten abgesichert ist.
Bei einer vereinbarten Garantiesumme in Höhe von 780 Mrd. Euro beträgt der Anteil der sechs Euro-Länder mit dem Rating "AAA" (Deutschland, Österreich, Finnland, Frankreich, Luxemburg und die Niederlande ) 440 Mrd. Euro. Deshalb kann sich die EFSF nur bis zu dieser Grenze günstig Mittel beschaffen. Durch die Beteiligung der übrigen Länder an der gesamten Garantiesumme von 780 Mrd. haften diese mit.
Windowdressing verantwortlich für Kurssprung?
Das zweite wichtige Thema, welches sich jedoch weitestgehend im Hintergrund abgespielt hat, ist das sogenannte "Windowdressing". Einige große Adressen mussten nach den Kursverlusten sicherlich noch ein wenig Ihre Quartalsbilanz aufbessern, was zum Teil vermutlich für den Kursanstieg in der vergangenen Woche verantwortlich gemacht werden kann.
Auch der Kursverlauf am Freitag deutet hierauf hin, denn der DAX bewegte sich zum Handelsende hin in immer engeren Bahnen. Der Kursrückgang erfolgte bis zur Mittagszeit. Ab da bewegte sich der DAX weite Teile des übrigen Tages in einer engen Spanne von 60 Punkten.
(Quelle: CFX-Broker) DAX, Candlestick-Chart, 1-Minuten Kerzen, Verlauf vom 30. September
Das im Vergleich zum Wochenbeginn hohe Niveau sollte wohl bis zum Wochen- bzw. Quartalsende gehalten werden.
Angriff auf den Abwärtstrend
Mit dem Kursverlauf des DAX sind wir auch beim dritten Aspekt angelangt, der in dieser Woche insbesondere unter technischen Analysten zum Thema wurde - der Bruch des seit Mitte August andauernden Abwärtstrends.
Am Dienstag erfolgte der Ausbruch mit einem Aufwärts-Gap. Doch der waagerechte Widerstand aus dem letzten Hoch vom 16. September (waagerechte rote Linie) stellte sich als unüberwindbare Hürde heraus und verhinderte zunächst weitere Kursgewinne.
(Quelle: CFX-Broker) DAX, Candlestick-Chart, 1-Stunden-Kerzen
Der grüne Pfeil markiert den idealtypischen Verlauf, der zu dem Szenario des "fallenden diagonalen Dreiecks" passen würde.
Durch den Kursrückgang am frühen Freitag konsolidierte der DAX den gesamten restlichen Tag an der (blauen) Trendlinie in einer engen Bandbreite. Zwar konnte der Index den Trendbruch bis zum Xetra-Handelsschluss am Freitag verteidigen, doch in den letzten Minuten des Späthandels tauchte der Kurs wieder leicht unter die enorm wichtige Linie ab.
Angriff auf den Abwärtstrend erneut gescheitert
Die heutige Eröffnung beantwortete die spannende Frage, ob der Ausbruch durch weitere Kursgewinne bestätigt wird oder der DAX in den Trend zurückfällt. Er entschied sich für letzteres, was das zuletzt wieder so positive Bild zunichte macht.
Auch die US-Indizes sehen wieder deutlich bärischer aus. Meine zuletzt so bullische Erwartung und Stimmung ist inzwischen auch extrem angekratzt. Ich sehe gerade in den US-Indizes und damit auch im DAX wieder die Gefahr für deutlich tiefere Kurse.
Ausbruch oder Bullenfalle - US-Arbeitsmarktdaten könnten die Entscheidung bringen
Einen großen Anteil an der Entscheidung für oder gegen einen erneuten Ausbruch dürften die neuesten Daten zum US-Arbeitsmarkt im Monat September haben. Der ADP-Arbeitsmarktbericht wird am kommenden Mittwoch wie immer einen ersten Vorgeschmack geben auf die dann am Freitag folgende Zahl der US-amerikanischen Beschäftigten ohne Landwirtschaft (Nonfarm Payrolls).
Deutscher Arbeitsmarkt als Vorbild
Wie es richtig geht, zeigten unterdessen in dieser Woche bereits die Arbeitsmarktdaten des statistischen Bundesamtes (Destatis) und der Bundesagentur für Arbeit (BA).
Das Statistische Bundesamt teilte mit, dass die Zahl der Erwerbstätigen mit einem Wohnort in Deutschland mit rund 41,08 Millionen Personen im August einen neuen Höchststand erreichte. Im Vergleich zum Vorjahresmonat August waren 521.000 Personen oder 1,3 % und gegenüber dem Vormonat Juli 58.000 Personen oder 0,1 % mehr erwerbstätig.
Die Zahl der Erwerbslosen betrug im August 2,50 Millionen Personen. Das waren rund 270.000 weniger als im Vorjahr und -20.000 gegenüber dem Vormonat.
Und laut der BA rutschte die Zahl der Arbeitslosen mit unbereinigt 2,796 Millionen im September erstmals seit fast 20 Jahren unter die Marke von 2,8 Millionen. Es waren 149.000 Menschen weniger ohne Job als im Vormonat und 231.000 weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote ging um 0,4 Punkte auf 6,6 % zurück. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 7,2 % gelegen.
Europäischer Arbeitsmarkt kann sich sehen lassen
Und auch der europäische Arbeitsmarkt kann sich sehen lassen. Im Euroraum (ER17) lag die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im August 2011 unverändert gegenüber Juli bei 10,0%. Im Vorjahresmonat hatte sie 10,2% betragen. In der EU27 lag die Arbeitslosenquote im August 2011 im Vergleich zum Vormonat unverändert bei 9,5%. Im August 2010 hatte sie 9,6% betragen.
(Quelle: Eurostat) Entwicklung der Arbeitslosenquote im Euroraum und in der EU
(Quelle: Eurostat) Arbeitslosenquoten der einzelnen Länder im August 2011
Warnung: Wenn die Indizes nicht schnell liefern, stehen neue Tiefs auf der Agenda !!!
Hoffen wir, dass sich der US-Arbeitsmarkt hiervon eine Scheibe abschneidet. Die Indizes müssen nun schnell liefern und der DAX wieder über den Trendkanal steigen, ansonsten stehen neue Tiefs auf der Agenda !!!
Der dynamische Kursverlauf, wie es der grüne Pfeil im obigen Chart darstellt, ist kaum noch wahrscheinlich.