Drei Schlüsselereignisse
unserem Korrespondenten Addison Wiggin in Paris in Investors Daily
vom 29. August 2003 18:00 Uhr
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Die Rezession, die keine war, ist zu einer Erholung geworden, die keine ist. Und die lange, softe Depression des 21. Jahrhunderts bewegt einen Zeh ins Licht. Bald werden wir den ganzen Fuß sehen ... und vielleicht nächstes Jahr ein Bein.
Die Depression will natürlich – wie alle großen Bärenmärkte – ihre Zeit haben, um so viele Spieler wie möglich einzulullen. Der große Aufbau der Depression seit "Nixon's Sünde" (wie Bill Bonner es nennt) kam langsam und subtil genug, als dass er Aufmerksamkeit erregt hätte ... was dazu führte, dass die Leute dachten, dass die guten Zeiten permanent wären und dass eine Neue Ära angebrochen sei. Es wird eine lange, langsame Zerstörung von Reichtum notwendig sein, bevor die Leute aufhören, das zu glauben.
Seitdem die "Erholung" begann, haben in den USA mehr als eine Million Leute ihre Jobs verloren. Wenn man die letzten 18 Monate nimmt, dann waren es 3 Millionen. Insgesamt sind mittlerweile 9 Millionen Amerikaner arbeitslos ... und mehr als eine Million haben die Suche nach einem Job aufgegeben ... und rund 4 Millionen arbeiten Teilzeit, aber sie würden lieber Vollzeit arbeiten. Das sind insgesamt 14 Millionen Leute –9,9 % der amerikanischen Arbeitskräfte – die während der "Erholung" mehr oder weniger im Abseits stehen.
Das Problem ist das Fehlen von Unternehmensgewinnen, wie es ein Artikel im Atlanta Journal beschreibt. "Eine typische Rezession beginnt, wenn die Konsumenten weniger ausgeben", schreibt Michael Kanell. "Wenn sie dann wieder zurück in die Geschäfte fluten, dann setzen sie eine Erholung in Gang. Aber dieses Mal blieben die Konsumausgaben auch während der Rezession solide. Es gab keine aufgestaute Nachfrage, die befriedigt werden konnte ( ...) Was die Wirtschaft in erster Linie entgleisen ließ, war ein Kollaps der Unternehmensinvestitionen im Jahr 2000. Diese (Investitions-)Ausgaben steigen nur in Teilbereichen der Wirtschaft wieder, und nur moderat."
Die amerikanische Kapazitätsauslastung – also die Nutzung der vorhandenen Fabriken der Nation – hilft nicht; sie hängt immer noch bei rund 74 %. Volkswirte sagen uns, dass wirkliche Neu-Einstellungen von Arbeitern erst dann beginnen, wenn die Kapazitätsauslastung auf Werte über 80 % steigt.
Wenn man dazu noch historisch signifikante Ereignisse nimmt – das "Produktivitätswunder", Fertigung ohne Lagerhaltung, globales Outsourcen, steigende Handelshemmnisse ... nicht zu vergessen der Krieg gegen den Terror, der Krieg gegen die Drogen, der zunehmende Überwachungsstaat ... plus die Nachwirkungen der geplatzten Spekulationsblase, zusammen mit Bilanzfälschungsskandalen –, dann ist es kein Wunder, dass diese Erholung nicht das ist, was man generell von ihr erwartet hat.
Die "Rezession, die keine war" aus dem Jahr 2001 wurde durch die unmittelbaren Zinssenkungen der Fed und die Steuersenkungen und die Erhöhung der Staatsausgaben (für Sicherheit, Verteidigung und Fluglinien) gemildert. Statt die Regierungsausgaben zu kürzen, hat diese republikanische Administration das Geld anderer Leute so fleißig ausgegeben, wie ein Casino-Spieler, der gerade einen großen Gewinn gemacht hat. Es ist kein Geheimnis, selbst nicht für die dümmsten News-Konsumenten: Die Budgetabteilung des US-Kongresses hat einen Bericht veröffentlicht, der ein Defizit von 5 Billionen (!) Dollar für die kommende Dekade prognostiziert. Alleine die Besetzung des Irak wird das Defizit in 2004 auf den Rekordwert von 480 Mrd. Dollar explodieren lassen.
"Sie haben dafür gesorgt, dass die Rezession nicht so stark wurde", so der ehemalige Chefvolkswirt der Fed, Dean Croushore, in einem Interview, wobei er sich auf die Bundesausgaben und die künstlich niedrigen Zinssätze bezog, "so dass die Erholung auch nicht so stark ausfallen wird." Und deshalb gleitet die lange, softe Depression ein bisschen weiter ins Licht.
Die institutionellen Investoren und die ausländischen Zentralbanken haben in den letzten Tagen drei Schlüsselereignisse identifiziert:
* Vorgestern hat das US-Finanzministerium 2jährige Anleihen versteigert ... und nur 26 % des Angebots fand einen Käufer. Der größte Käufer dieser Schulden sind normalerweise ausländische Zentralbanken. "Es sieht so aus, als ob die ausländischen Zentralbanken widerwillig waren, sich bei diesem Verkauf zu zeigen", so Michael Cloherty, ein Banker bei Credit Suisse First Boston. Die USA haben sich in der Vergangenheit auf die Freundlichkeit der Ausländer verlassen, wenn es darum ging, das historisch hohe US-Handelsbilanzdefizit zu finanzieren ... aber jetzt sieht es so aus, als ob die Ausländer begonnen haben, etwas weniger freundlich zu sein.
* Im Gegensatz dazu haben laut Dan Denning große institutionelle Spekulanten ihre Long-Positionen beim Gold um 61 Tonnen vergrößert. Und die Short-Positionen (die auf fallende Goldkurse setzen) wurden um 12 Tonnen verringert. Insgesamt eine Veränderung von 73 Tonnen, hin zu den Long-Positionen, die auf steigende Goldkurse setzen.
* Und die Anträge auf neue Hypotheken sind in den USA letzte Woche auf ein 14-Monats-Tief gesunken ... gegenüber dem Topp (letzte Maiwoche 2003) beträgt der Rückgang 65 %.
Die Banker werden wegen ihrer US-Staatsanleihen, die sie halten, nervös ... und die institutionellen Investoren setzen verstärkt auf Gold ... und die Spekulationsblase am Immobilienmarkt ist kurz vor dem Platzen. Kaufen Sie Gold ... verkaufen Sie den Dollar.
Gold hat den Dollar übrigens seit 1972 um 81 % outperformed – so meine Freunde von Everbank World Currency Reserach – und zwar innerhalb von Monaten, seit Nixon das Band zwischen beiden gelöst hatte.