Drei kleine Tatsachen und das Ende der Welt
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 20. Juni 2008, 07:00 Uhr
ENL5454
Nach dem letzten Newsletter ließ ich Sie, durch die Tore der Hölle blickend zurück. Heute kehre ich zurück und lache den Teufel aus.
Wir wollen uns einmal die erste Tatsache ansehen - das Bevölkerungswachstum unter den Menschen. Während die Wachstumsrate seit den Sechzigern sinkt, steigt die Zahl der Menschen immer schneller an. Die Weltbevölkerung lag im Jahr 1970 bei nur drei Milliarden Menschen. Heute kommen alle 30 Jahre ebenso viele neue Gesichter dazu.
Wenn es in diesem Tempo weitergeht - und das sagen die Demographen - dann werden uns bald die Nahrung, das Wasser und die Parkplätze ausgehen.
Aber jede Generation besteht die Feuerprobe mindestens ein oder zweimal, ehe sie gebraten wird. Die Apokalypse kommt und geht. Kaum hatte sich Christus den Staub von den Sandalen geschüttelt, als Sankt Clement schon seine zweite Wiederkunft verkündete: Die Welt könne jeden Augenblick zu Ende gehen, sagte er.
Und im frühen 19. Jahrhundert glaubten die Milleriten dass die Welt genau am 22. Oktober 1843 enden würde. Sie verschenkten all ihr Hab und Gut und versammelten sich auf den Hügeln um das Ende zu erwarten. Mindestens einer ist mit einem außergewöhnlichen Vertrauen in seine Taschenuhr vom Dach der Scheune gesprungen, darauf hoffend, dass er im Moment der Glückseligkeit in den Himmel auffahren würde. Wie ein Investor, bekam auch er was er verdient hat, und nicht notwendigerweise das, was er erwartete. Diese Nacht wurde als die Große Enttäuschung" bekannt.
Gegen Ende des ersten Jahrtausends, interpretierte der Deutsche Kaiser Otto III eine Sonnenfinsternis als ein Endzeit-Omen. Am Ende des zweiten Jahrtausends war es ein Computerfehler, der den Leuten das Ende wies. Wenn die Computer versagen, sagten die Untergangsprediger, dann werden die Kontrollsysteme von Zügen und LKW nicht mehr funktionieren und die Banken werden nicht mehr in der Lage sein, Schecks einzulösen oder Geld auszuzahlen. Kein Geld, keine Lebensmittel. Millionen müssten hungern.
Die Geschichte der Finanzmärkte ist auch voller Enttäuschungen. In Großbritanniens gewerblichen Immobilienmarkt dachten die Bauunternehmer noch vor zwei Jahren, sie wären im Himmel. Der Aktienpreis von Hammerson hat sich in den drei Jahren zwischen 2003 und 2006 verdreifacht, weil die City bereit schien, jeden weiteren Quadratmeter zu nehmen - zu besten Preisen. Höhere Preise führten zu weiterer Bautätigkeit, was zu noch mehr Geschäftsräumen führte, und das führte zu einem Übermaß und das schließlich in die Krise.
Strutt &Parker sagen, dass die Preise für Geschäftsgebäude im Südosten in den vergangenen sechs Monaten um 25% gefallen sind. Die Umsätze am Gewerbeimmobilienmarkt sind gegenüber dem Niveau von 2007 um 75% gefallen. Und Hammerson musste erleben, wie die eigenen Aktien halbiert wurden.
Der gleiche Prozess der Übertreibungen führte zur aktuellen Korrektur am amerikanischen Wohnimmobilienmarkt... und er wird vermutlich auch den Markt der gewerblichen Immobilien bald erreicht haben.
Und damit haben Sie schon die gute und die schlechte Nachricht. Täuschung setzt sich selbst die Grenzen. Erfolg korrigiert sich selbst. Und der Wohlstand bringt seine eigene Strafe mit sich.
Heute dehnt sich die Mutter aller Blasen massiv aus, die Tore der Hölle sind weiter als je zuvor. Die Menschen vermehren sich wie die Plastiktüten. Sie wehen über die Straßen und sammeln sich in den schlechten Wohngegenden. Viele erwarten eine malthusianische Katastrophe, sie sehen eine mathematische Sicherheit, dass Lebensmittel und Wasser nicht mehr hinterherkommen werden.
Aus Sicht der Natur zerstört die Menschheit den Planeten - indem sie ihn überfischt, indem sie überkonsumiert, überproduziert und ganz allgemein alles übertreibt. Schlechte Nachrichten für die Gletscher und die Meeresschildkröten. Aus Sicht des Menschen ist es der Planet selbst, der ihn im Stich lässt. Er geht seinen Geschäften nach - nimmt sich, was er kriegen kann - und dann stellt er fest, dass sein Auto kein Benzin mehr hat. Noch eine Tatasche:
Der Öloutput soll jährlich, beginnend im Jahr 2010, um 2% fallen, während die Weltbevölkerung jährlich um ein Prozent zunimmt.
Von den 65 weltweit führenden Ölfeldern, sind 54 heute auf dem Rückzug. Und die Geschwindigkeit, mit der neue Lager entdeckt werden, die mit konventionellen Mitteln erreicht werden können, ist eingebrochen. In den frühen Sechzigern fanden die Ölbohrer immer noch Depots mit 60 Milliarden Barrel Öl in jedem Jahr. In den frühen Jahren des 21. Jahrhunderts ist die Rate auf unter 10 Milliarden im Jahr gefallen.
Und zu guter Letzt noch eine weitere Tatsache. In den nächsten beiden Jahrzehnten wird der durchschnittliche Wasservorrat pro Person weltweit auf ein Drittel fallen.
Werden wir auf diese Weise dem Teufel begegnen? Mit einer trockenen Kehle und einem leeren Magen und einer leeren Dose in unseren Händen. Vielleicht, vielleicht auch nicht.
Aber auf die eine oder andere Weise werden sich Angebot und Nachfrage wieder ausgleichen - vielleicht auf katastrophale Weise.