Draghi sorgt für Turbulenzen

Henrik Voigt, Chefredakteur Dax Profits in Investors Daily zum Thema Finanzkrise
vom


nachdem zwei Langfristtender, zwei Anleihenkaufprogramme und unzählige Zinssenkungen weder den Schuldenberg in Europa verkleinert noch die Rezessionen in immer mehr europäischen Ländern auch nur ansatzweise abgemildert haben, müssten die Märkte bei Statements von Politikern und Notenbanken eigentlich nur nochmüde mit den Achseln zucken.


Stattdessen fallen jedoch immer wieder Anleger darauf herein, wenn auf eine Neuauflage dieser im Endeffekt völlig sinnlosen Maßnahmen spekuliert wird. Oder wenn  ein EZB-Präsident Draghi wie in der vergangenen Woche lediglich sagt „Glauben Sie mir". Über diesen Wahnsinn an den Märkten werden wir sicher noch unseren Enkeln berichten.

Erhebliches Enttäuschungspotenzial

Am Mittwoch findet eine US-Notenbanksitzung statt, am Donnerstag eine EZB-Sitzung. Von beiden Ereignissen erhoffen sich die Anleger neue geldpolitische Lockerungen, die nach unzähligen vergeblichen Anläufen endlich eine Wende in der Krise bringen sollen. Diese Hoffnungen werden aber voraussichtlich herb enttäuscht werden. Die amerikanische Notenbank dürfte ihr Pulver noch mindestens bis zur nächsten Sitzung Mitte September trocken halten, nachdem sie erst auf ihrer letzten Sitzung eine Verlängerung des Anleihentauschprogrammes „Operation Twist" beschlossen hatte.

Die Europäische Zentralbank hat hingegen in der letzten Woche Erwartungen geschürt, dass heute  am Donnerstag weitere geldpolitische Lockerungen wie etwa Aufkäufe spanischer und italienischer Anleihen verkündet werden. Die Aktien- und Anleihenmärkte haben diese Käufe bereits eingepreist. Es stellte sich jedoch kürzlich heraus, dass es gar keine konkreten Planungen für solche Käufe gibt. Also wieder einmal nur leere Worte? Auch hier baut sich erhebliches Enttäuschungspotenzial auf. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass wir in den letzten Tagen lediglich die üblichen politischen Börsen gesehen haben, die leider immer sehr heftig, aber auch kurzlebig und nie verlässlich sind.

US-Fondsmanager bereits wieder zu dick investiert

Neben den rekordverdächtigen US-Insiderverkäufen, den sommerlich dünnen Umsätzen an den Börsen und der bevorstehenden negativen Saisonalität (August und September sind mit Abstand die schlechtesten Börsenmonate) haben die Aktienmärkte das Problem, dass die meisten Profis bereits wieder ähnlich dick investiert sind wie im Frühjahr am bisherigen Börsen-Topp.

Das ist üblicherweise nicht gut für die Kursentwicklung der nachfolgenden Wochen, da neue Nachfrage nach Aktien nicht mehr zu erwarten ist, wenn sich die Masse bereits wieder bis zur Halskrause mit Aktien eingedeckt hat. Der Stimmungsindikator zeigt Ihnen, dass hohe Investitionsquoten direkt mit markanten Topps an den Börsen verbunden sind. Aktuell sehen wir wieder Investitionsraten auf dem Niveau der Topps von 2011 und 2012. Die derzeitigen Anstiege werden also nicht nachhaltig sein. Dies ist kein Umfeld für Langfristinvestitionen. Erst recht nicht, solange sich die Märkte entgegen der Fundamentalentwicklung bewegen und somit anfällig für negative Überraschungen bleiben.

„Heißer Herbst" wahrscheinlich

Die Börsen haben nur solange Kursauftrieb, wie Politik und Notenbanken in die Märkte eingreifen, was aber kein Dauerzustand werden kann. Denn die Regierungen haben keinerlei finanziellen Spielraum mehr und stecken mit einem Bein in der endgültigen Pleite. Wie stabil diese Ausgangslage ist, können Sie sich sicher selbst leicht ausmalen. Ein Termin drückt hier besonders: Am 20. August muss Griechenland größere Schuldenbeträge zurückzahlen.

Das Land ist aber nach zwei „Rettungspaketen" im Mai 2010 und im März 2012 schon wieder zahlungsunfähig. Innerhalb der nächsten Wochen haben wir also den ersten Austrittskandidaten in der Eurozone und damit riesige Zahlungsausfälle auch für die Deutsche Bundesbank, der Griechenland inzwischen über 700 Mrd. Euro schuldet. Ich bin gespannt, wie die Verantwortlichen dieses Problem behandeln wollen. Denn unter den Teppich kehren oder auf die lange Bank schieben geht jetzt nicht mehr. Der EU steht ihre größte Zerreißprobe kurz bevor, die die Märkte nicht einfach ignorieren können.

Wir bevorzugen weiterhin defensive Anlagen. Der größte Teil unseres Portfolios steckt in Alphascheinen, die sich weitgehend unabhängig von steigenden oder fallenden Märkten entwickeln. Einen Teil Cash halten wir als Sicherheitspolster für besondere Gelegenheiten, einen kleinen Teil haben wir als Spekulationen auf fallende Kurse gesetzt. Dieser Teil wird momentan antizyklisch ausgebaut, da ich das größere Potenzial der Börsen in den nächsten Monaten aus den genannten Gründen auf der Unterseite erwarte.

 

Wie es an den Märkten weitergeht, das erfahren Sie im Dax Profits

 

Herzliche Grüße und viel Erfolg, Ihr

 

Henrik Voigt

 

Hinweis: Henrik Voigt liegt mit seiner erfolgreichen Anlagestrategie goldrichtig.

Mit dem Dax Profits traden Sie nicht verkrampft in jeder Marktsituation. Das machen nur Anfänger. Mit dem Börsenprofi Henrik Voigt sind Sie immer dann im Markt, wenn es etwas zu holen gibt. Und das sogar in Seitwärtsphasen.  

Den Börsendienst Dax Profits können Sie jetzt übrigens 30 Tage gratis testen. Klicken Sie hier.


Artikel bewerten
Durschnittliche Wertung:
0 Sterne
Wertungen:
0 insgesamt
Artikel weiterempfehlen
Kommentar abgeben

* = Pflichtfeld, bitte unbedingt ausfüllen

Kommentare Kommentar abgeben

Kommentar von Folker W

Hallo Hr. Voigt, sehr geehrte Redaktion, um welchen Stimmungsindikator geht es hier. Ich konnte hier keinen Stimmungsindikator sehen? FG

Antworten