Dr. Copper: Die Comercials sind positiv gestimmt
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Kupfer als Geldanlage
vom 17. Januar 2012, 17:00 Uhr
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heute möchte ich wieder einmal nicht auf die aktuelle Nachrichtenlage eingehen, sondern den Blick mit einem weiteren Jahresausblick auf die großen Tendenzen werfen. Anlass dazu ist eine Anfrage von Leser Michael E., die ich gestern erhielt: "Frau Knauer, wie ist die Lage beim Kupfer. Ich habe mir was gekauft auf den fallenden Kupferpreis (XXX) für 17,05 und 24,00 €. Sollte man zum heutigen Tag noch etwas zukaufen, da der Chart für Kupfer eher steigend ist?"
Dass ich solche Anfragen per Mail generell nicht konkret beantworten darf, ist Ihnen allen ja sicher klar. Denn es würde sich um eine individuelle Anlageberatung handeln, die uns Redakteuren generell nicht erlaubt ist. Als Basis für einen Artikel hier im Nebenwerte Daily greife ich solche Fragen aber natürlich immer wieder gern auf. Eine konkrete Antwort für die Positionierung des Lesers kann ich zwar auch hier nicht geben, aber ich zeige Ihnen gern das große Bild, mit dem Sie sich selbst eine Meinung bilden können.
Sehen wir uns also erst einmal an, wie der Konjunkturindikator Dr. Kupfer sich charttechnisch bzw. auf Grundlage der COT-Daten darstellt:
Oben abgebildeter Chart von Wellenreiter-Invest zeigt uns, dass sich die Spekulation im Kupfer während der Korrektur im vergangenen Jahr deutlich zurückgebildet hat. Sowohl die großen Spekulanten als auch die kleinen (S. Specs.) haben ihre Longspekulation zurückgefahren und sind sogar auf die kurze Seite gewechselt. Sie spekulieren also auf weiter fallende Kupferpreise.
Die kommerziellen Marktteilnehmer (Coms.) hingegen haben den Einbruch der Kurse zu Glattstellungen ihrer Shortpositionen genutzt und setzen seit August sogar wieder auf steigende Preise. Dabei liegt ihre Positionierung mit zuletzt 6.835 Kontrakten auf einem Niveau, das in den vergangenen zehn Jahren nur drei Mal über einen längeren Zeitraum überstiegen wurde. Sie zeigen sich also relativ optimistisch dafür, dass der Kupferpreis nicht über längere Zeit auf diesem Niveau verharren wird oder sogar vom aktuellen Niveau deutlich einbrechen sollte.
Ich tendiere immer dazu, der Positionierung der Comercials eine hohe Gewichtung in meinen Überlegungen zu einem Marktsegment zu geben. Denn diese Marktteilnehmer sitzen an der Basis von Versorgung und Nachfrage. Sie haben dadurch normalerweise einen besseren Überblick über die weitere Entwicklung als die Spekulanten. Während die Spekulation üblicherweise den Entwicklungen an den Märkten eher hinterherläuft und trendkonform agiert, stellen sich die kommerziellen Marktteilnehmer eher antizyklisch auf. Sie kaufen, wenn sich der Preis ihrer Meinung nach günstigen Preisen annähert und verkaufen dann, wenn sie eine Übertreibung der Preise sehen.
Daher ist es immer wieder beachtenswert, wenn die Kommerziellen bei einem Rohstoff eine Netto-Long-Positionierung einnehmen, denn sie zeigen daher an, dass sie mit steigenden Preisen rechnen. Von dieser Sicht her gesehen, würde ich dem Leser also raten, vorsichtig mit einer Verbilligung seiner Shortposition zu sein. Ob die Positionierung der Marktteilnehmer aber schon auf einem Extrempunkt angekommen ist, also der Leser seine Position besser glattstellen sollte, lässt sich aufgrund dieser Daten noch nicht sicher beantworten. Anfang 2009 haben wir sogar eine riesige Longpositionierung der Kommerziellen von rund 30.000 Kontrakten gesehen. Bis dorthin wäre also noch deutlich Luft. Zudem eignen sich die COT-Daten auch nicht so gut für eine kurzfristige Spekulation, denn die kommerziellen Marktteilnehmer sind ihrer Zeit oft um einiges voraus, sie können hier einen recht langen Atem haben.
Angebot und Nachfrage bei Kupfer ausgeglichen erwartet
Sehen wir uns also noch an, wie sich die Angebots- und Nachfragesituation für 2012 darstellt. Die Daten dazu habe ich dem Jahresausblick von Tiberis Asset Management entnommen. Dieses Analysehaus ist spezialisiert auf das Management von Rohstoffen sowie entsprechenden Fonds und bietet immer wieder einen sehr guten Überblick.
Kurz zusammengefasst: Tiberius erwartet nach Jahren einer eher defizitären Marktstruktur 2012 eine relativ ausgeglichene Angebots- und Nachfragesituation. Dazu trägt eine geplante Ausweitung der Kupferförderung in verschiedenen Ländern bei, ebenso wie der Start großer neuer Produktionsanlagen. Bis letztere allerdings auf vollem Niveau arbeiten, kann es längere Zeit dauern. So wird für die riesige neue Mine Oyu Tolgoi in der Mongolei 2012 nur eine Produktion von 20.000 t erwartet. Langfristig sollen hier gigantische 750.000 t Kupfer im Jahr gefördert werden.
Eher negativ wirkten sich in den vergangenen Jahren politische Turbulenzen und Streiks in den wichtigsten Minenländern in Südamerika und Afrika aus. Auch die drittgrößte Mine der Welt, Grasberg in Indonesien, ist seit Oktober durch einen Streik lahmgelegt. Damit fallen immerhin monatlich rund 50.000 t Kupfer weg, die dem Markt fehlen. Selbst wenn sich die Lage wieder bessern sollte, rechnen Analysten nur mit einem Anstieg der Produktion von vier bis fünf Prozent weltweit in diesem Jahr.
Dem stehen auf der Nachfrageseite Sorgen um die Konjunkturentwicklung gegenüber. Obwohl sich die Weltwirtschaft wohl etwas schwächer entwickeln wird, sehe ich keinen deutlichen Einbruch bei der Kupfernachfrage. Dafür sprechen auch die in der vergangenen Nacht veröffentlichten Zahlen zum Wirtschaftswachstum in China: Es lag im vierten Quartal 2011 bei 8,9% - die meisten Länder wären froh, wenn sie solch einen Wert jemals erreichen würden, auch wenn es für China eine leichte Abschwächung bedeutet. Positiv überraschte ferner der ZEW-Index für Deutschland. Mit -21,6% leigt er zwar noch im negativen Bereich, zeigt aber eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vormonatsstand von -53,8%.
Angesichts der nach wie vor relativ hohen Preise für das Kupfer könnte natürlich auch die Substitution durch andere Metalle eine Rolle spielen, etwa durch Aluminium oder Nickel. Doch für viele Anwendungen ist das einfach nicht wirtschaftlich, weil deren Eigenschaften einfach nicht wirklich vergleichbar sind. Gerade für den weiteren Ausbau alternativer Energieerzeugung und dessen Verwertung etwa durch Elektrofahrzeuge ist Kupfer nahezu unersetzbar. Das zeigen auch die Lagerbestände für Kupfer in London, die schon wieder im Fallen begriffen sind. Das bedeutet, dass jeder günstigere Kurs genutzt wird, um die Lager der Firmen aufzufüllen. Diese hatten sich bei den hohen Preisen eher zurückgehalten und ihre Bestände verbraucht, doch seit einiger Zeit sind vor allem die Chinesen wieder sehr stark als Käufer unterwegs.
Insgesamt kann ich also nur zu dem Schluss kommen, dass die Aussichten für Kupfer zwar nicht überwältigend gut sind, ich aber derzeit auch keinen weiteren Absturz der Preise kommen sehe. Mit Spekulationen auf der Shortseite wäre ich also noch vorsichtiger als mit solchen auf längerfristig wieder steigende Kupferpreise. Aber dafür bevorzuge ich natürlich vor allem interessante junge Firmen, die Ihnen durch eine gute Entwicklung einen Zusatzgewinn bringen können.
Herzliche Grüße,
Ihre Daniela Knauer