Dow wieder unter 8000 Punkte
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 28. Januar 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Die Anfang letzter Woche von mir als wichtige Unterstützung angegebene 8200 Punkte Marke im Dow ist gefallen. Direkt danach rutschte der Dow auch unter die 8000 Punkte Marke. Nun wartet noch eine letzte Unterstützung im Nasdaq100 bei 977 Punkten. Trotzdem kann es aktuell zu einer kleinen Erholung kommen. Nach 9 negativen Tagen könnte man so etwas zumindest erwarten. Doch die Börsen kommen nicht zur Ruhe: Heute redet Busch und erst am Freitag sollen nach Gesprächen zwischen dem amerikanischen Präsident und Tony Blair die angekündigten Beweise für Massenvernichtungswaffen im Irak vorgelegt werden.
Auch Blix konnte gestern nicht zur Klärung der Situation beitragen. Aber das war auch nicht erwartet worden. In seinem Bericht kam es zu keinen größeren Überraschungen. Die aufgeführten Tatsachen waren hinlänglich bekannt. Beide Seiten, die Kriegsgegner und die Kriegsbefürworter, sehen sich bestätigt. Ein Dilemma. Es bleibt weiter alles offen – die Entscheidungen sind vertagt.
Obwohl, einen ganz leichten Vorteil für die Kriegsbefürworter kann man finden: Blix hatte eindeutig eine sehr negative Einschätzung bezüglich des Kooperationswillens des Iraks abgegeben. So eindeutig und belastend war dieses Statement nicht erwartet worden. Natürlich beeilte sich der Irak heute, erneut seine völlige Kooperationsbereitschaft zu demonstrieren. Etwas unschön und Fehl am Platz war dabei die unverhohlene Drohung gegen Kuweit: Sollte es zu einem Krieg kommen, der vom Boden Kuweits ausgeht, dann müsse das Land mit massiven Vergeltungsmaßnahmen rechnen.
Was soll man als Trader in solchen Börsenwochen machen? Urlaub? Seit einem halben Jahr befindet sich die Börse bereits in diesem Ausnahmenzustand. Und im Moment habe ich das Gefühl, es wird täglich schlimmer. Gestern zeigte sich sogar der Euro Stoxx von seiner allerbesten Seite: Lauter Fehlsignale. (Ich handele hin und wieder gerne den Euro Stoxx Future)
Eins ist bekannt: Sobald die Markteilnehmer auf etwas warten, kommt es zu einer deutlichen Zunahme von Fehlsignalen in den Tagescharts. Gestern war es Blix, heute ist es Bush und am Freitag sollen die Beweise vorgelegt werden. Es ist zum verzweifeln.
Zumindest tut die Börse nun das, was sie vor einem Krieg tun sollte: Fallen. Die Chartbilder sehen zurzeit alle mehr als bearisch aus. Wie gesagt, sollte nun auch noch die 977 Punkte im Nasdaq100 nach unten gebrochen werden, dann kann es noch weit nach unten gehen. Der Dax hat dann ein theoretisches Kursziel von ca. 2300 Pkt.
Nein, es macht zurzeit keinen Spaß. Mir nicht und wahrscheinlich Ihnen auch nicht. Ich kann zwei Dinge kaum noch ertragen: 1. fallende Kurse und 2. das Thema Irakkrieg. Ich denke auch da geht es Ihnen ähnlich. Aber ich befürchte beides wird uns noch eine Weile begleiten.
Umso erfreulicher ist, dass Gold und der Euro steigen. Aber haben Sie gemerkt, kaum wich die Kriegsangst etwas aus den Gemütern, kam es dort zu deutlichen Einbrüchen. Ein weiteres Zeichen dafür, dass die (vorläufigen) Hochs spätestens mit Beginn des Krieges erreicht sein werden. Also passen Sie gut auf. Ein wieder entgangener Gewinn ist schmerzhafter als ein Gewinn, den man zu früh realisiert hat.
Das einzige Positive an der aktuelle Börsenlage ist, dass ich etwas mehr Zeit habe. Die brauche ich auch. Ich befinde mich seit Jahren mal wieder auf Wohnungssuche in Köln. Ein sehr lästiges Unterfangen. Anrufe, Besichtigungen und ungläubiges Entsetzen darüber, wie viel Geld manche Vermieter für ihre (schlechten) Wohnungen haben wollen. Wobei – viel schlimmer ist der Gedanke, dass sie es anscheinend auch kriegen.
Und eines noch zum Schluss: Reisen sie gerne? Denken Sie gerne antizyklisch? Dann empfehle ich heute ganz besonders den Artikel: "Antizyklisches Reisen" von Peter McKillop, den Sie am Ende dieses Newsletters finden.