Dow Jones versus Nikkei
unserem Korrespondenten Addison Wiggin in Investors Daily
vom 13. März 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Mein Kollege Eric Fry ist auf dem Weg zu einem Treffen des "Supper Clubs" auf den Bahamas, deshalb übernehme ich heute seinen Part. Doch zur Sache:
Der Dow Jones und der Nikkei sind derzeit in einem Wettbewerb: Wer fällt schneller? Der Nikkei hat derzeit eindeutig die Nase vorn. Aber man sollte den Dow Jones noch nicht völlig abschreiben. Denn schließlich fällt der Dollar weiter, die ausländischen Investitionen in den USA sind in den letzten 2 Jahren um 85 % zurückgegangen und die wiederholten "die USA können auch alleine gegen den Irak vorgehen"-Sprüche könnten sich auswirken ... und eine Panik würde dazu führen, dass der Dow Jones den Nikkei in seinem Abwärtstrend wieder überholt.
Aber das "Rennen zum Boden" der beiden Mammut-Indizes könnte auch ein langes, langweiliges Absacken werden ... der Dow Jones könnte z.B. im Jahr 2013 ein neues 23-Jahres-Tief von 2.365 Punkten erreichen. Gähn. Wenn die US-Wirtschaft und deren Börsen weiterhin den Weg gehen, den Japan bereits vor 13 Jahren vorgegeben hat, dann werden wir in den USA nicht nur noch tiefer fallende Kurse sehen, sondern in naher Zukunft auch eine Rezession. Die Volkswirte haben ihre Wachstumsprognosen reduziert ... aber vielleicht noch nicht genug: "Die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession ist hoch und weiter steigend", so Stephen Roach.
Roach weiter: "Ich kann mir nicht helfen, aber ich denke, dass der Wirtschaftsplan des US-Präsidenten in Schwierigkeiten steckt. Wenn die Arbeitslosigkeit jetzt steigt, während die Wirtschaftslage stockt, dann könnten Steuererleichterungen für die reicheren Amerikaner (z.B. der Wegfall der Besteuerung von Dividenden) im US-Kongress einfach nicht durchkommen. Diese Pläne werden dann zurückgenommen werden müssen – eine bittere Pille, die das Weiße Haus schlucken müsste."
Und man sollte nicht überrascht sein, wenn die Fed die Leitzinsen nochmals senken sollte. Die Fed folgt dem japanischen Weg – sie reduziert die Zinsen, um die Wirtschaft wiederzubeleben. In den USA sinken sowohl die Leitzinsen als auch die Zinsen am Markt. Die Renditen der langjährigen US-Anleihen sind zuletzt auf ein neues 45-Jahres-Tief gefallen.
Aber das scheint so zu sein, in den Zeiten nach dem Platzen einer Spekulationsblase. In früheren Zeiten kamen und gingen Spekulationsblasen – wie die von John Law "Mississippi" begründete – innerhalb von Monaten, aber die heutigen Massenmärkte verlängern die Phase der wirtschaftlichen Expansion ... und deshalb auch die Phase des wirtschaftlichen Abschwungs danach.