Dow Jones trotz Finanzkrise, Handelsdefizit und Arbeitsmarkt
Tom Firley in Investors Daily
vom 11. September 2008, 18:00 Uhr
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Liebe Leser,
Um 17.30 steht der Dow Jones bei 11.194 Punkten - ein Minus von 0,66 Prozent bzw. 74 Punkten. Und damit hält sich der US-Index meines Erachtens noch recht wacker, denn heute Morgen im frühen US-Handel gab es erst einmal drei „Watschen" (wie man in Bayern sagt, hochdeutsch: Ohrfeigen...). Hier sind sie:
Finanzkrise
1.) Lehman Brothers, viertgrößte Investment Bank der USA, hatte gestern einen Rekordverlust gemeldet und brechen heute um über 40% ein. Im folgenden Chart sehen Sie den Stand der Dinge per heute, 16.15 Uhr
Wer also am Montag noch dachte, dass mit der Verstaatlichung von Fannie Mae und Freddie Mac ein Ende der Finanzkrise in Sicht sei, wurde bitter enttäuscht. Ich hatte Sie bereits ebenfalls am Montag gewarnt und leider habe ich auch Recht behalten.
US-Handelsdefizit
2.) Die US-Handelsbilanz weist für Juli ein Defizit von 62,2 Milliarden aus - der tiefste Stand seit 16 Monaten. Erwartet wurde ein Minus von nur etwa 58 Milliarden. Schuld an diesem Defizit ist laut Angaben wieder einmal der Ölpreis (da der Preis für in die USA importiertes Öl gestiegen ist). Schon irre, für was der Ölpreis alles herhalten muss. Kleiner Exkurs:
Ja, der Ölpreis. Wir hören ja immer wieder, die Indizes „wurden gedämpft, da Öl steigt". Oder „dass die Indizes von einem fallenden Ölpreis profitieren konnten". Aktuell wird sogar umgekehrt interpretiert, dass der fallende Ölpreis „Rezessionsängste" auslösen könne und somit die Börsen fallen. Gucken wir uns einfach mal den folgenden Chart an:
Na so was. Oben sehen wir den Dow Jones in seiner Seitwärtsrange. Der blaue Verlauf kennzeichnet den Ölpreis-Sturz. Wenn es jetzt einen Zusammenhang zwischen Ölpreis und Dow Jones gäbe, dann müsste doch der Index schon längst aus seiner Range nach oben ausgebrochen sein. Der Ölpreis hat seit Mitte Juli immerhin über 30% nachgegeben... der Dow Jones war unterm Strich regungslos (siehe auch: Ölpreis-Vergleich).
US-Arbeitsmarkt
3.) Zu guter Letzt: Die Zahl der US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe liegt bei 445.000, erwartet wurden 440.000. Also auch vom Arbeitsmarkt gibt es keine Entwarnung...
So langsam schaut es also recht brenzlig aus. Noch halten sich die Indizes, aber die Stimmung ist schon extrem nervös. Immer mehr Analysten gehen von einem weiteren Kursrutsch aus. Warten wir es ab. Im Dow muss die 11.000 halten, im Dax die 6.000.
Defensives Verhalten zahlte sich aus
Ich denke, meine Empfehlung den letzten Wochen, sich defensiv zu verhalten und / oder Wenn-Dann-Szenarien zu entwerfen, hat sich bislang ausgezahlt.
In der letzten Woche habe ich Ihnen geschrieben, bei der Deutschen-Börse-Aktie den 50-Tage-GD als Entscheidungs-Kriterium zu Rate zu ziehen (wurde noch nicht überboten). Daneben habe ich Ihnen am 10. Juli und 14. August mein Wenn-Dann-Szenario für Harley Davidson vorgestellt (seither 10% im Plus).
Heute Morgen im Investors Daily update habe ich für die Deutsche-Bank-Aktie ein weiteres Wenn-Dann-Szenario skizziert
Falls noch nicht geschehen, können Sie sich unter folgendem Link übrigens für diesen kostenlosen Zusatzservice (erscheint täglich gegen 10.30 Uhr) eintragen: Investors Daily Update
Mehr kann ich Ihnen momentan nicht „raten", breite Investments in den Welt-Indizes sähen mir aktuell doch etwas sehr nach Harakiri aus...
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley

