Dow Jones: Indexzusammensetzung wird neu diskutiert
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 7. April 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
die Zusammensetzung des DAX hat sich in den vergangenen fünf Jahren häufiger verändert als in dem gesamten Jahrzehnt davor. Ursachen für die Erhöhung der Rotation sind die starken Schwankungen vieler Aktien und das veränderte globale Wettbewerbsumfeld. Aufstieg und Niedergang von Unternehmen und Branchen haben sich stark beschleunigt, immer öfters fallen Index-Mitglieder durch die hohen Qualitätsanforderungen. Weniger Wechselprozeduren waren die Index-Mitglieder des Dow Jones ausgesetzt. Nicht das die Kriterien für einen Austausch von Titeln weniger anspruchsvoll wären als beim DAX, aber die Entscheidung über eine Veränderung der Zusammensetzung obliegt nicht wie in Frankfurt einem „Arbeitskreis", der sich aus verschiedenen Gruppen der Finanzindustrie zusammen setzt, sondern einem Gremium der Herausgeber des „Wall Street Journals". Das Blatt gehört dem bis zum vergangenen Jahr unabhängigen Verlag Dow Jones, dessen Gründer auch der Namensgeber des US-Index war. Die drastischen Kursverluste einiger langjähriger Mitglieder und die Insolvenzgefahr beim Autobauer General Motors könnte aber für das als konservativ geltende Gremium den Handelsdruck erhöhen. Nicht zuletzt die starke Gewichtung zugunsten von Finanzaktien hat die hohen Kursverluste beim Dow in den vergangenen zwölf Monaten befördert.
Preisgewichtete Komponente dominiert
Im Gegensatz zum DAX wird der Dow Jones preisgewichtet ermittelt. Demnach werden die Kurse aller 30 Dow-Werte addiert und dann durch 30 dreißig geteilt. Damit kommt selbst so einem Papier wie GM noch eine relativ hohe Bedeutung zu. Die überwiegende Mehrheit der internationalen Aktienindices, auch der DAX, wird hingegen nach Börsenwert bzw. Streubesitz gewichtet und entsprechend berechnet. Ein Wechsel erzwungen wird durch den dauerhaften Fall einer Aktie unter die ein US-Dollar-Marke. Hier greift dann die sogenannte „Penny-Stock-Regel", die das Gremium zur Benennung eines neuen Titels zwingt. In diesem Rahmen werden dann aber umfangreichere Wechsel von zwei oder drei Werten vorgenommen, um den wichtigen Eindruck der Kontinuität zu waren. Die Damen und Herren des „Wall Street Journals" sehen es nämlich nicht als opportun an, alle halbe Jahre an der Zusammensetzung ihres Produkts herumzudoktern. Der Verlust der Glaubwürdigkeit wird da höher gewichtet als eine moderne Indexzusammensetzung. Noch nie in seiner 125jährigen Geschichte standen aber so viele Blue Chips so stark unter Druck wie in den vergangenen zwölf Monaten. Ob sich vor diesem Hintergrund die einmal jährliche durchgeführte Überprüfung der Zusammensetzung halten lässt, ist fraglich. Viele Marktteilnehmer fordern inzwischen schon eine gründliche Überarbeitung der intransparenten Auswahlkriterien. Unternehmen wie Bank of America oder General Motors wären dann wohl schon längst aus dem Index verschwunden.
Vier Titel im einstelligen Bereich
Von den 30 Index-Mitgliedern weisen mit Bank of America, Citigroup, GM und Alcoa bereits vier Unternehmen einen Aktienkurs von unter 10-US Dollar auf. Ihr Gewicht macht zusammengenommen gerade einmal zwei Prozent aller Aktien im Dow aus. Zum Vergleich: Das Indexgewicht von IBM, dem stärksten Dow-Wert, liegt bei über 10 Prozent. Zwar sind die Austauschkriterien beim Dow im Vorfeld einer Entscheidung kaum nachzuvollziehen, angesichts der starken Übergewichtung des Finanzsektors könnten die Verantwortlichen des „Wall Street Journals" aber zu der Entscheidung gelangen, den Anteil dieser Branche stärker zugunsten der Technologiebranche zu reduzieren. Mit Google steht ein Aspirant bereit, dessen Marktmacht nur mit jener von Microsoft gleichzusetzen ist. Die Internet-Suchmaschine hätte wohl ein ähnliches hohes Gewicht wie IBM. Unternehmen aus der Logistikbranche wie Fedex oder UPS könnten den von Insolvenz bedrohten Autobauer GM ersetzen. Ob die gefährdete Bank of America wieder von einem Finanztitel ersetzt wird, bleibt das Geheimnis des Auswahl-Gremiums, dass in dieser Hinsicht bisher immer Kontinuität gewahrt hat.
Rückschlagswahrscheinlichkeit hat sich erhöht
Auch ohne Austausch von Index-Mitgliedern konnte der Dow Jones in den vergangenen vier Wochen mehr als 20 Prozent zulegen. Eine grundlegende Änderung des abwärts gerichteten Trends ist damit allerdings nicht einher gegangen. Der sei Mai 2008 bestehende, beschleunigte Abwärtstrendkanal ist immer noch intakt und würde erst dann seine Gültigkeit verlieren, wenn der Dow den Bereich um 9.000 Punkte deutlich überschreiten würde. Das dies auf kurze Sicht geschieht, ist jedoch weniger wahrscheinlich. Denn zufällig verläuft in dieser Widerstandszone auch die fallende 200-Tage-Durchschnittslinie, die sich als zusätzliche Hürde in den Weg stellt. Zudem beginnt sich die kurzfristige Aufwärtsdynamik etwas abzuflachen, denn obwohl der Markt nur leicht überkauft ist und der MACD-Trendfolgeindikator noch moderat steigt, schafft es der Index nicht mehr, deutliche Zugewinne zu produzieren. Die starke Erholung der vergangenen vier Wochen könnte aber immerhin den Beginn einer ausgedehnten Bodenbildungsphase bedeuten, in deren Rahmen der Dow zwar nochmals den Rückwärtsgang einlegt, dass März-Tief aber nicht mehr erreicht, sondern spätestens in der Unterstützungszone um 7.270 Punkte wieder dreht. Steigt der Dow hingegen sofort weiter bis 8.270 bzw. 8480 Punkte, erhöht dass natürlich auch die Gefahr eines noch kräftigeren Rückschlags, denn aus übergeordneter Sicht haben die Bären noch alles im Griff.
