Dow Jones: Computer-Crash?
Tom Firley in Investors Daily
vom 7. Mai 2010, 18:00 Uhr
ENL5462
was ist nur los in dieser Börsenwelt?
Sollen vielleicht alle Anleger so verschreckt werden, dass sie in „sichere" Anleihen - vornehmlich aus den USA anlegen? Solch eine Verschwörungs-Theorie wird gerade herumgereicht. Hört sich ja selbst für eine Verschwörung sehr verschwörerisch an... wäre aber eine nicht vollständig von der Hand zu weisende Erklärung für die gestrigen Vorkommnisse an der Wall Street.
Dow Jones Intraday-Chart (5 Minuten)
Sie haben es sicherlich mitbekommen. Innerhalb von etwa 30 Minuten crashte der Dow Jones gestern um 800 Punkte nach unten und stand kurzzeitig bei 9.872 Punkten - ein Minus von 9,2 Prozent. Das war neben dem Crash 1987 der größte Tagesverlust aller Zeiten.
Ebenso schnell (eigentlich noch schneller, nämlich innerhalb von etwa 15 Minuten) ging es wieder 600 Punkte bergauf. Zur Schlussglocke lag der Dow dann mit 3,2 Prozent im Minus bei 10.520 Punkten.
Das liest sich ja recht nüchtern. Nur die Folgen dieses Absturzes dürften verheerend sein. Unzählige CFD-Trader dürften satte Verluste verbuchen, die sie nie wieder zurück erhalten. Anleger, die in Einzel-Aktien investiert haben und einen weiten Verlust-Stopp gelegt haben, sind gnadenlos ausgestoppt worden. Procter & Gamble zum Beispiel verloren zwischenzeitlich über 30 Prozent....
Chart Procter & Gamble
Die Begründungen übrigens für diesen GAU (Größter anzunehmender Unfall) an der Wall-Street sind fast schon lächerlich.
Griechenland?
Heute Morgen las ich auf fast allen Nachrichten-Seiten, dass just kurz vor dem Crash in den USA „erschreckende" Griechenland-Berichte urplötzlich bekannt wurden. Dabei war es auch wirklich fast keinem zu blöd vom anderen abzuschreiben.
Aber meines Erachtens ist das völlig absurd. Und ich glaube kaum, dass sich die Trader-Amis gedacht haben: „Ach, wenn die Rettungspaket-verwöhnten Europäer schon keinen Griechenland-Crash auslösen wollen, dann machen das eben wir...". Nächste bekannt gewordene Begründung:
Tippfehler
ETWAS plausibler wäre da die Erklärung, dass sich ein Citigroup-Händler vertippt haben solle und eine Verkaufsorder für 16 Milliarden statt für geplant 16 Millionen eingegeben habe.
Schließlich unterscheidet sich die Eingabe von Milliarden und Millionen bei den Amerikanern nur durch einen Buchstaben: Million und Billion.
Aber Sie wissen:
Die Amis sind vor etwa 41 Jahren auf den Mond geflogen.
Die Amis sind fast schon sicherheits-fanatisch.
Die Amis mögen Kontroll-Mechanismen.
Und jetzt frage ich Sie:
Meinen Sie tatsächlich, dass die Verwechslung EINES EINZIGEN Buchstaben zu einer Verschiebung von Milliarden-Beträgen führen sollte? Dass ein M oder ein B für den zweitgrößten intraday-Kursverlust aller Zeiten sorgen kann?
Der Domino-Effekt
Schon jetzt bin ich gespannt auf die offizielle Erklärung dieses Kursrutsches. Aber es wird wohl bei folgender bleiben: Durch die Fehleingabe (16 B statt 16 M...) fielen die Kurse, computergesteuerte Stoppkurse wurden erreicht und sorgten damit für Verkauforders, die wiederum für weiter fallende Kurs sorgten, die wiederum andere Computer-Programme dazu veranlassten zu verkaufen etc. etc.
Das passiert jeden Tag. Gestern eben etwas heftiger. Basta. Klappe zu, das war die Erklärung. Ich hoffe, wir bekommen etwas mehr zu hören, vermute aber das Gegenteil.
Seltsam ist ja auch, dass der
Aber eine Frage hätte ich da noch an die Kommissare, die da der temporären Crash-Ursache tatsächlich auf den Grund gehen wollen: Es wäre sehr interessant zu wissen, wer (möglicherweise mit hohen Umsätzen und Abstauberkursen) zu den jeweiligen Tiefkursen bei den verschiedensten Aktien eingestiegen ist.
Das würde mich wirklich interessieren.
Vielleicht glaube ich dann auch die Sache mit dem M und dem B.
Korrektur geht weiter
Es sieht so aus, als ob die Sache noch nicht ganz ausgestanden sei. Auch als vermeintlicher Schnäppchenjäger habe ich bei diesem Umfeld noch keinerlei Kauf-Ambitionen. Die Bären müssen sich erst einmal austoben.
Passen Sie auf sich auf.
Ihr
Tom Firley
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hartmut Fischer (07.05. 2010 18:44 Uhr):
Weil solche Abstauber-Crashs auch im kleinen an der Tagesordnung sind, setze ich stop-loss-orders grundsätzlich allenfalls für ohnehin (fast) verkaufsreife Aktien. Den Geschädigten wünsche ich viel Vergnügen bei ihren Bemühungen um Schadenersatz ! Die Börse ist eben die Welt der Bankster.
Antworten - Kommentar von Andreas (07.05. 2010 20:10 Uhr):
Vor einiger Zeit kam mal die Nachricht von einem angeblich geklauten Programm von Goldman Sachs mit dem die Märkte beherrscht werden könnten und deshalb dürfe dieses Programm nicht in falsche Hände gelangen und man müsse den Dieb unbedingt finden. Und da die Goldmänner nach eigener Aussage ja nur "Gottes Werk" ausführen, war die "falsche Eingabe" ja vielleicht eine Anordnung von ganz oben? Da die großen Investmentbanken fast alle zur Familie gehören, wäre doch denkbar, dass man mal guckt, wo die hinterlegten Stoppmarken so liegen. Verschwören braucht man sich dazu ja nicht. Schließlich ist Geld machen das Geschäft. Wenn GS und etc. viel Geld verloren haben, dann nehme ich alles zurück.
Antworten - Kommentar von Klaus Schmidt (07.05. 2010 23:31 Uhr):
wer und wie es auch immer initiiert worden ist, auf jeden Fall denke ich, war es eine gezielte Manipulation scrupelloser Typen
Antworten - Kommentar von Rudolf (08.05. 2010 04:53 Uhr):
Automatisierung schafft Probleme fuer den Rest der Angleger. Der Computer kennt keine Ueberraschungen. Mein EA gibt da eine Short order ein und nimmt einen Teil des Profits mit. Ich weiss, mein Statement wird nun wieder alle Anti-Automatisierungsgegner auf den Plan rufen mit all ihren Argumenten (denen ich nicht widerspreche). Tatsache ist aber, dass der groesste Teil des Handels automatisiert ablaeuft und wenn sie da nicht mithalten koennen (oder wollen) dann gehen sie halt unter. Ich koennte mir auch nicht vorstellen dauernd vor dem Computer zu hocken und die Kurse zu beobachten. Mit ist das voellig egal ob Richtung Norden oder Sueden in Sekunden oder Stunden. Und wenn ein paar grosse Spieler die Kurse beinflussen kann mich (meinen Computer) das nicht ueberrraschen. Wie wollen sie sonst traden?
Antworten - Kommentar von Wolfgang Ludovic (08.05. 2010 10:41 Uhr):
Für irgendjemanden war diese Aktion sicher eine Geldbeschaffungsmaßnahme. Man wusste ja, dass zahlreiche SL-Order im Markt liegen und brauchte diese nur auszulösen, um eine Lawine in Gang zu setzen. Goldfinger hatte da bestimmt seine Hände im Spiel, aber nur im Hintergrund. Ein Bauernopfer wird man schon finden. Vielleicht hat aber auch ein Hacker oder eine sonstige der Wallstreet und Amerika nicht wohlgesonnene Vereinigung zugeschlagen. Ich befürchte: Wir werden es nie erfahren. Den Schaden haben Millionen von Anlegern, den Nutzen Wenige. Schadensersatz wird es wohl nicht geben. SL Orders haben bei den Derivaten nix genutzt, die sofort zu Hnadelsbeginn ausgestoppt wurden.
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ENL5462
- Kommentar von Michael (08.05. 2010 11:50 Uhr):
Meiner Meinung war der Kurssturz reine Absicht und von einigen gewollt. Irgendwie muss man ja die Anleger zum verkaufen bringen, damit es wieder gute Einstiegskurse gibt. Wie sollen sonst auch die Trendlinien zustande kommen. An der Börse ist doch eh alles manipuliert, genauso wie der Ölpreis. In diesem Sinne ein schönes Wochenende.
Antworten - Kommentar von Hien (08.05. 2010 12:39 Uhr):
Hallo, war der angefangene Halbsatz "Seltsam ist ja auch, dass der" Absicht oder fehlt etwas? Jedenfalls Danke für die Info Hildegard
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