Double Diagonal Spreads: die Griechen weisen den Weg

in Rohstoff Daily zum Thema Derivate
vom


 

Nachdem wir uns nun bereits seit Januar intensiv mit den Double Diagonal Spreads beschäftigt haben, sind nun mit der letzten Ausgabe von vergangener Woche zunächst alle wichtigen Fakten zu den Grundlagen dieser Spread-Strategie abgeschlossen. Wir haben uns die Griechen zu dieser Strategie angesehen und wir haben gesehen, wie der Spread auf verschiedene Aktienkursbewegungen und Vola-Veränderungen reagiert. Ab heute möchte ich diese Erkenntnisse noch einmal zusammenfassen, bevor wir uns dann weiterführenden Aspekten dieser Strategie zuwenden.


 

Die Griechen weisen den Weg

 

Wenn wir uns noch einmal die Griechen zu dieser Strategie ansehen:

 

 

Delta

-0,26

Gamma

-2,23

Theta

+0,28

Vega

+0,19

 

(hier die Griechen unserer Beispielposition)

 

...dann erkennen wir schon auf den ersten Blick, was unser Beispiel-Trader mit dieser Strategie bezwecken will.

 

Vergleichen Sie beispielsweise mit den Griechen für einen einfachen Diagonal Spread (ich hoffe Sie erinnern sich noch, wir hatten den Diagonal Spread zuvor ausführlich, damals noch im Devisen-Monitor besprochen...hier die Griechen für unsere damals genutzte Beispielposition):

 

 

Delta

+ 6,57

Gamma

- 0,095

Theta

+ 0,09

Vega

+ 0,416

 

Beide Spreads haben etwas gemeinsam:

 

Ein positives Theta! Doch wenn wir nun genauer hinsehen, erkennen wir, dass das positive Theta des Double Diagonal Spreads wesentlich höher ist, als das des einfachen Diagonal Spreads. Während der einfache Diagonal Spread zwar vom Theta profitiert, aber mit seinem höheren Delta (für unser damaliges Beispiel hatte ich zum besseren Verständnis der späteren Darstellung der Delta-Neutralität einen Spread mit sehr hohem Delta gewählt) deutlich von einem Aktienkursanstieg auf den Strikepreis der verkauften Option profitiert, wohingegen ein Aktienkursrückgang die Position sehr schnell in den Verlust bringt, ist der Double Diagonal Spread fast ein reiner "Theta kassieren"-Spread.

 

Auch der Double Diagonal Spread entfaltet sein höchstes Potenzial, wenn der Aktienkurs bei Verfall der kurzen Optionen beim Strike-Preis notiert. Der Vorteil gegenüber dem einfachen Diagonal-Spread liegt aber darin, dass der Double Diagonal gleich über 2 Strike-Preise verfügt und somit eine komplette mögliche Gewinnspanne vorgibt. Soll heißen, der Double Diagonal profitiert wenn der Aktienkurs sich zwischen den beiden Strike-Preise der kurzen Optionen bewegt und vor allem, wenn der Kurs bei Verfall der kurzen Optionen auf einem der beiden Strike-Preise der kurzen Optionen notiert.

 

Und ein positives Vega! Beide Spreads (sowohl der einfache wie auch Double Diagonal) profitieren (wie wir in den letzten Ausgaben gesehen haben) zudem von einem Anstieg der impliziten Volatilität, während ein Rückgang der impliziten Volatilität sich negativ auf die jeweilige Gesamtposition auswirkt. Obwohl das Vega aber bei beiden Spreads trotzdem nicht im Vordergrund steht (es bestehen noch weitaus gewitztere Vola-Strategien), ist es für einen Trader, bevor er eine dieser Spread-Strategien eingeht, immanent wichtig eine umfassende Vola-Analyse vorzunehmen. Wichtig ist es vor allem darauf zu achten, dass sich die impliziten Volatilitäten auf historisch fairen Niveaus bewegen, also dass zumindest kein Rückgang der Volas zu erwarten ist. Steigt die Vola dann doch, ist das ein zusätzliches Bonbon.

 

Obwohl beide Spreads auch unterschiedlich sind

 

Kommen wir noch einmal zu Delta und Gamma! Der einfache Diagonal Spread könnte mit seinem hohen Delta für einen reinen Delta-Play gehalten werden, doch dem ist nicht so. Obwohl ein Aktienkursanstieg der Position zugute kommt, sind die Gewinne nach oben limitiert, also wenn der Aktienkurs über den Strike-Preis der kurzen Option hinausläuft verringert sich der Gewinn (das negative Gamma, das nach oben größer wird, zeigt dies bereits auf). Aber das positive Delta sagt auch: ein Aktienkursrückgang, und mag er auch klein sein, ist für die Position Gift. Dagegen der Double Diagonal Spread: mit seinem hohen negativen Gamma macht er bereits deutlich, dass er extrem starke Aktienkursveränderungen und zwar sowohl nach oben, als auch nach unten, nicht leiden mag. Das zwar negative, aber dennoch geringe Delta dagegen, in Verbindung mit dem wesentlich höheren positiven Theta sagt uns: geringe Aktienkursveränderungen (und noch deutlicher: im Rahmen der beiden Strike-Preise der kurzen Optionen) sind genau das was es braucht. Alles was über die beiden Strike-Preise hinaus geht, endet allerdings im Verlust. Zudem sagen uns das negative Delta und Gamma, dass ein Aktienkurs auf dem tieferen der beiden Strike-Preise der kurzen Optionen, bei Verfall der kurzen Optionen den Maximalgewinn beschert.

 

So long liebe Leser...so viel fürs Erste dazu, den so viel können wir auf den ersten Blick von den Options-Griechen lernen....behalten Sie die Griechen für jede Ihrer Options-Positionen immer im Auge, denn die Griechen weisen für jede Strategie den Weg...nächste Woche geht es weiter an dieser Stelle, dann werden wir uns noch einmal mit der Erwartungshaltung und schließlich mit der ersten Ausstiegsmöglichkeit aus dem Double Diagonal Spread beschäftigen...liebe Grüße und bis morgen...

 

Ihre Miriam Kraus  

 

Zum ersten Teil von: Wesentliche Merkmale von Optionen XI
von
Miriam Kraus
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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