Doppelschlag (II)
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 22. Oktober 2007 07:30 Uhr
ENL5454
(Fortsetzung des 1. Abschnittes)
Das erinnert mich sehr an Ende Februar. Nur, dass diesmal ein abschmierender Dollar und ein haussierender Ölpreis zusammen mit greifbaren Gewinnproblemen bei vielen US-Unternehmen eine viel explosivere Mixtur darstellen. Es kommt darauf an, ob die Kavallerie heute an Wall Street doch noch einmal einen Rettungsversuch unternimmt, aber wenn nicht ... oder wenn er gar erneut daneben geht ... bedeutet das Gefahr!
Klar negative Signale in den US-Indizes!
Der Grund, weshalb es am Freitag so ohne nennenswerte Gegenwehr nach unten ging, lag einerseits im vorbeschriebenen Doppelschlag gegen den vorherigen verbissenen Optimismus der Akteure, zum anderen im Marktverhalten selbst. Denn was ich in den Tagen zuvor als Risikofaktor aufgezeigt hatte, ist nun passiert:
Die Kurse wurden immer wieder auf den letzten Drücker nach oben gezerrt, um Verkaufssignale zu verhindern ... aber anders als in den Wochen zuvor sind die Marktteilnehmer eben nicht auf den Zug aufgesprungen sondern fuhren damit fort, womit sie begonnen hatten: In fallende Kurse zu verkaufen.
Das bedingte dann, dass mit dem Bruch der entscheidenden Unterstützungen bei den US-Indizes die vorher bullish agierenden Handelsprogramme am Freitag ... immer pünktlich zu den halben und vollen Stunden, so scheinen sie eingestellt zu sein ... die Schleusen aufmachten und verkaufen. Das Resultat:
Nasdaq: seidener Faden
Der Nasdaq 100 hat seinen August-Aufwärtstrendkanal gebrochen und notiert nun genau an seinem 20 Tage-Durchschnitt. Allerdings schloss er auf Tagestief, letztlich hat nur das Handelsende verhindert, dass auch diese Linie fallen konnte. Die bearishen Warnzeichen in Form eines „bearish engulfing pattern“ und eines „hanging man“ haben sich damit ausgewirkt. Wenngleich die den Index dominierenden Hightech-Unternehmen weniger von der Wachstumsproblematik betroffen sind, sehen die Akteure hinter diesem Umstand offenbar nun ein „... bis jetzt“. Daher:
Es kann sein, dass der 20 Tage-GD noch einen seidenen Faden darstellt, der heute umkämpft wird. Es kann auch allemal sein, dass die Kurse wieder zum Closing zulegen. Aber darauf sollte man sich lieber nicht blind verlassen. Eines ist entscheidend, wenn es heute eine Gegenreaktion gibt: Was passiert, wenn die Kurse wieder in die obere Hälfte der Freitags-Kursrange laufen? Wenn dann wieder in diese Gegenbewegung Verkäufe einsetzten, ist auch mit einer brauchbaren kleinen Korrektur nicht viel drin. Und dann wäre die nächste Zielzone die 2.060. Zumal:
S&P 500 und Dow Jones: Erster Faden bereits gerissen
Dieser seidene Faden in Form des 20 Tage-Durchschnitt ist bei Dow Jones und S&P 500 bereits gerissen. Sie sehen im Chart des S&P 500, dass nach dem „false break“ über die alten Allzeithochs mehrere Tage versucht wurde, den 20 Tage-Durchschnitt zu verteidigen ... am Freitag fiel er. Nun ist der Index bereits in die Auffangzone 1.480 zu 1.505 abgerutscht. Überraschend schnell ... fast 80 Punkte in sieben Handelstagen. Das kann bedeuten, dass normale Anschlussverkäufe auch die 1.480 reißen und dann sofort die alten Korrekturtiefs unter 1.400 das nächste Kursziel wären!
Vergleichbares Bild im Dow: Der Aufwärtstrendkanal ist gebrochen ... der 20 Tage-Durchschnitt war hier ja bereits gefallen. Die großen Titel trifft es momentan hart ... und das bedingt charttechnisch noch mehr Risiko. Denn der Dow trifft nun auf eine Zone ziemlich mickriger, diffuser Unterstützungen zwischen 13.500 und 13.000, die alle nicht wirklich massiv sind.
Wie gesagt: Das alles heißt nicht, dass die Kurse nun zwangsläufig wie ein Strich weiter fallen. Doch auf der anderen Seite würde ein Plus heute auch keine Entwarnung bedeuten. Achten Sie weiterhin auf die 20 Tage-Durchschnitte. Solange diese unterschritten bleiben, sieht es nicht gut aus. Und gerade der Umstand, dass die Akteure so plötzlich aus ihren rosaroten Träumen gerissen werden, bedeutet ein erhöhtes Risiko nach unten!
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag – bis Montag!
Ronald Gehrt
The Daily Observer
PS: Die Konjunkturdaten- und Quartalsbilanzübersicht kommt morgen früh. Heute stehen an:
Quartalsbilanzen von Apple (nachbörslich, Prognose 0,85 Dollar/Aktie), Halliburton (Prognose 0,64 Dollar/Aktie), Texas Instruments (nachbörslich, Prognose 0,50 Dollar/Aktie).


