Doppelschlag (I)
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 22. Oktober 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Guten Morgen, verehrte Leserinnen und Leser!
Der Freitag war das Ergebnis der kritischen Phase der Tage zuvor. Verkäufe in steigende Kurse bei anziehenden Umsätzen traten gegen diejenigen an, die versuchten, die zu befürchtende Konsequenz daraus zu verhindern: Verkaufssignale, das Aufflackern der Nervosität ... fallende Kurse.
Die zweite Gruppe hat zunächst verloren ... und das ziemlich deutlich. Der heutige Newsletter fällt daher etwas kürzer aus in den vergangenen Tagen als ich versuchte, anhand der Indizien zu erkennen, wie sich die Chancen stellen. Denn einige dieser Indizien haben sich zu Fakten gewandelt und offene Fragen beantwortet.
Die Bullen-Kavallerie hat diese Runde verloren
Zum Beispiel die Frage, ob die schon „verbissen“ bullishe Stimmung nur Fassade war, die das Wissen um die klaffende Schere zwischen Aktienkursen und Rahmenbedingungen und die damit verbundene Angst vor der irgendwann unweigerlich folgenden Konsequenz übertünchen sollte. Der Freitag an Wall Street hat ziemlich deutlich klar gemacht, dass dem so war.
Dieser Freitag hat auch gezeigt, dass es in den USA in der Tat ein Problem gibt: Rezessionsgefahr. Ich war monatelang mit meinen Befürchtungen darüber in der Minderheit, dass die USA in eine waschechte Rezession hineinsteuern würde. Nun zeichnet sich ab, dass es vielleicht sogar bereits passiert sein könnte ... und den Anlegern wird jetzt völlig unerwartet die rosa Brille von der Nase gerissen.
Quartalsbilanzen: ein Doppelschlag in die Magengrube
Das lag an den Quartalsbilanzen der vergangenen Tage. Und diese bewirkten letztlich für die Optimisten einen Doppelschlag in die Magengrube. Denn sie zeigten nicht nur die schwache Situation in den USA für den Augenblick ... nein, sie torpedierten auch die (unbelegte, aber wohlklingende) Hoffnung, dass das 3. Quartal zwar schwach gewesen sei, das 4. Quartal aber wieder die alten zweistelligen Wachstumsraten bringen würde. Jetzt, nachdem grob die Hälfte der Unternehmen aus dem Dow Jones Index ihre Zahlen präsentiert haben, zeichnet sich ab, dass diese Hoffnung eben nicht mehr als das war.
Kurz zu den Quartalsbilanzen, die das Erschrecken auslösten:
Honeywell: Gewinn 0,81 Dollar/Aktie (Prognose 0,82 Dollar). Umsatz 8,7 Milliarden Dollar (Prognose 8,58 Milliarden). Kurs am Freitag –3,9%.
Wachovia: Gewinn 0,90 Dollar/Aktie (Prognose 1,04 Dollar). Kurs am Freitag –3,6%.
McDonalds: Gewinn 0,83 Dollar/Aktie (Prognose 0,83 Dollar). Umsatz 5,90 Milliarden (Prognose 6,0 Milliarden). Kurs am Freitag: -0,65%.
3M (Minnesota Mining & Manufacturing): Gewinn 1,32 Dollar/Aktie (Prognose 1,30 Dollar). Umsatz 6,18 Milliarden (Prognose 6,29 Milliarden). Kurs am Freitag: -8,5%.
Caterpillar: Gewinn 1,40 Dollar/Aktie (Prognose 1,43 Dollar). Umsatz 11,44 Milliarden (Prognose 11,2 Milliarden). Kurs am Freitag –5,3%.
Das Problem lag darin, dass viele Unternehmen, gerade Riesen wie Caterpillar und 3M, ihre Gewinne vor allem außerhalb der USA gemacht haben, während es im Heimatland nach unten ging. Und die Prognosen waren verhalten und wiesen auf ein schwieriger werdendes Umfeld hin ... auch weltweit.
Brisante Konstellation
Dieser Freitag, ironischerweise auch noch das 20jährige Jubiläum des 1987er-Crash, war für sich genommen keine Katastrophe. Aber die gesamte abgelaufene Woche, deren Endpunkt er darstellte, könnte sehr wohl der Ursprung einer sehr unangenehmen Phase werden ... zumindest für die, die nicht damit gerechnet haben, dass es auch mal wieder nach unten gehen kann. Und wenn ich mir die Sentimentdaten ansehe, mir die Medien der vergangenen ein, zwei Wochen ansehe, stelle ich fest:
Es kommt nicht oft vor, dass wochenlang eine derart bullishe Stimmung gegen eine negative Faktenlage vorherrscht, die Aktienindizes dann aber mit einem Schlag Verkaufssignale generieren. Das heißt, dass die Akteure sich nicht auf diese geänderte Situation einstellen konnten ... und das kann für die kommenden Tage ein heißes Pflaster bedeuten.
(bitte lesen Sie weiter im 2. Abschnitt)
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