Donora, ein Kaff in Pennsylvania ...
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 06. November 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Ich bin derzeit in Donora, einem Kaff in Pennsylvania ...
Selbst in den 1960ern sah dieser Ort schon heruntergekommen aus. Die alten Häuser waren mit einem auf Asphalt basierenden Produkt verkleidet, das wie Ziegelsteine aussehen sollte – wenn man weit entfernt war.
Das war wahrscheinlich in den 1920ern oder 1930ern gemacht worden ... oder vielleicht in den 1940ern. Aber in den 1960ern war der Belag schon abgesprungen.
Als die Besitzer den Asphalt ersetzen wollten, nahmen sie stattdessen normalerweise Aluminium ... was fast gut aussah, für ein oder zwei Jahre ... bis es dann Dellen bekam und verblasste.
Wie in Argentinien, Russland und Baltimore ... hat Donora das getan, was fast unmöglich schien. Den größten Teil des 20. Jahrhunderts fielen die inflationsbereinigten Preise für Immobilien. Die Amerikaner können das kaum glauben; aber Immobilien können auch längere Zeiträume lang weniger wert werden.
Aus Los Angeles kommt die Nachricht, dass die Hauspreise dort in den letzten 34 Jahren um 8,3 % gestiegen sind. Aber diese Zahl ist durch den warmen Wind der letzten Jahre beeinflusst. So sind z.B. im Bezirk Los Angeles alleine in den letzten 12 Monaten die Hauspreise um 24 % gestiegen.
Die Hauspreise ... genauso wie die Aktienkurse ... steigen wegen der Billionen-Dollar-schweren Injektion von heißer Luft durch die Fed. Niedrigere Zinsen und höhere Staatsausgaben haben zur Illusion eines Booms geführt. Die Leute verschulden sich und geben Geld aus, als ob sie überhaupt keine Sorgen hätten. Im Hier und Jetzt des dritten Quartals soll das amerikanische BIP um mehr als 7 % gestiegen sein (aufs Jahr hochgerechnet). Und der Dollar ist zuletzt – gestiegen! Und die Aktienkurse steigen immer noch. Also was wäre, wenn ich mit meiner Einschätzung falsch liegen würde? Was wäre, wenn diese Erholung tatsächlich real wäre? Was wäre, wenn die Dinge nicht so funktionieren, wie ich es denke? Was wäre, wenn man wirklich für Nichts etwas erhalten könnte ... wenn man die Rechnung nie bezahlen müsste?
Ich lasse die Fragen unbeantwortet. Denn wenn es keine Moral an einer Geschichte gibt, dann bin ich nicht interessiert; sonst wird es nur ein Märchen, das ein Idiot erzählt, voll mit Tönen und Wut, aber ohne Bedeutung. Also weiter – so, als ob sich die Welt immer noch auf herkömmliche Weise um ihre Achse drehen würde ...
Die gesamten Schulden haben sich in den USA in den letzten 5 Jahren verdoppelt – von 16 Billionen Dollar auf 32 Billionen Dollar. Derzeit wachsen die Schulden mit 8 % pro Jahr – ungefähr genauso schnell wie die Immobilienpreise. Die Hypotheken wachsen fast doppelt so schnell. Und die US-Bundesregierung macht pro Jahr fast eine halbe Billion Dollar neue Schulden.
Staatsschulden werden oft nicht wirklich ernst genommen, mit den Worten: "Wir schulden uns das Geld doch selbst". Franklin Roosevelt nannte Staatsschulden "unsere nationale Anleihe", was so klang, als seien Schulden nicht nur respektabel, sondern patriotisch. Aber es ist eben nicht so, dass sich die US-Bundesregierung bei ihren eigenen Bürgern verschuldet. Im August wurden 81 % der neuen US-Staatsanleihen von Ausländern gekauft. Die "nationale Anleihe" gibt es nicht – die Ausländer halten die Schlüssel.
Dennoch scheint es den Leuten egal zu sein, dass auch ihre Hypotheken von Ausländern gehalten werden (die Hypothekenbanken geben in den USA Schuldverschreibungen heraus, die mit den Hypotheken gesichert sind). Und welchen Unterschied macht es auch schon? In den letzten 17 Jahren haben sich die USA darauf verlassen können, dass die Ausländer so freundlich sind, ihnen ihren Lebensstandard zu finanzieren. Was konnte da schon schief gehen?
Die Leute sind sich so sicher, dass die Hauspreise immer weiter steigen werden, dass sie bereit sind, ihre finanzielle Zukunft darauf zu wetten. Der Median der Hauspreise liegt in Los Angeles bei 374.000 Dollar. Wenn die Zinsen nicht so ungewöhnlich niedrig wären, dann würde es für die durchschnittliche Familie dort sehr schwer sein, überhaupt ein Haus kaufen zu können. Und sollten die Zinsen steigen – was sie sicher tun werden –, dann werden sich diejenigen, die sich eine Hypothek ohne Zinsbindung genommen haben, wünschen, dass sie lieber eine Zinsbindung genommen getan hätten.
Dennoch glauben die Leute, dass die Hauspreise nur steigen können. Ich empfehle denen eine Reise nach Argentinien ... oder nach Donora.