Dollarkrise unwahrscheinlich – wirklich?
unserem Korrespondenten Eric Fry in Manhattan in Investors Daily
vom 07. Januar 2004 18:00 Uhr
ENL5454
"Keine Krise!" sagt der Fed-Gouverneur Ben Bernanke ... und Millionen von amerikanischen Investoren scheinen zuzustimmen. Bernanke sagt, dass der Kollaps des Dollars überhaupt kein Problem sei ... und ganz bestimmt keine "Krise". Während einer Diskussion (beim jährlichen Treffen der "American Economics Association" am letzten Wochenende) sagte er: "Die Tiefe der internationalen Märkte und die Integration der globalen Finanzmärkte bedeutet, dass das Risiko einer Dollarkrise ziemlich niedrig ist – nicht Null –, aber ziemlich niedrig."
Die internationalen Finanzmärkte sind in der Tat tief ... tief genug für den Dollar, dass er darin ertrinken kann. Wenn der 40 %ige Rückgang des Dollar in den letzten beiden Jahren nicht krisenmäßig ist, was denn sonst? Ein Rückgang um 60 %? Oder um 80 %? 99 %? ... Vielleicht wird Bernanke seinen armen, missbrauchten Dollar irgendwann auf dem monetären Ozeanboden finden – hoffnungslos erdrückt unter einem Ozean von Schulden, Handelsbilanzdefiziten und fiskalischem Missmanagement.
Aber dieses unglückliche Schicksal ist nicht unser heutiges Problem – ich bin glücklich, das berichten zu können. Heute gibt es keine Dollarkrise, wie uns Bernanke versichert. Von 18 Handelstagen ist der Dollar an 15 gefallen (Stand bis letzten Montag, danach ging es ja weiter abwärts). Auch gegenüber dem britischen Pfund fällt der Dollar, auf ein neues 11-Jahres-Tief.
Der Dollar von Bernanke fällt heutzutage gegenüber fast allen Rohstoffen. Der Silberpreis steht fast auf 5-Jahreshoch und auch Kupfer steht auf einem 6-Jahreshoch.
Und auch die Preise für Energie-Futures steigen, dank den Wettervorhersagen, die dem Nordosten der USA arktische Kälte voraussagen. Die Preise der Futures für Erdöl und Erdgas zogen umgehend an.
Erdgas kostet ungefähr 40 % mehr als vor einem Jahr. Das ist vielleicht keine Krise ... aber es ist auch nicht ganz schmerzlos. Einige New Yorker Freunde von mir haben mir erzählt, dass ihre monatliche Energierechnung größer geworden ist als die monatlichen Kreditkartenrechnungen ihrer Ehefrauen.
Aber Ben Bernanke und die Fed stehen bereit, um den Dollar weiter fallen zu lassen – wenn es sein muss –, um die wirtschaftliche Aktivität anzukurbeln.
Übersetzung: Der Bullenmarkt beim Gold ist noch nicht vorüber!