Dollar-Rutsch beeindruckt nur in Europa - und nun?
Ronald Gehrt in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 27. November 2006 07:30 Uhr
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Guten Morgen, sehr geehrte Leserinnen und Leser!
Diesmal ist es also gelungen – der Euro/US-Dollar Kurs ist am Freitag aus seiner monatelangen Seitwärtsspanne zwischen 1,25 und 1,2950 nach oben ausgebrochen und hat gleich einen relativ großen Satz bis knapp an die 1,31 gemacht.
Schwächeanfall des Dollar
Dass es ausgerechnet Freitag passierte, ist letztlich nicht auf externe, aufwühlende Ereignisse zurück zu führen, sondern einfach „Zufall“. Sicherlich unterstrichen die Daten des ifo-Index die Stärke der deutschen Wirtschaft, während es in den USA eher um die Vermeidung einer Rezession gehen muss. Sicherlich ist daraus eine Ausweitung der Zinsdifferenz zwischen Europa und den USA zugunsten des Euro-Raumes zu erwarten. Aber das ist ja nicht seit gestern bekannt.
Das sind die Argumente, mit denen im Nachhinein begründet wird, warum der Euro zum US-Dollar nach oben ausbrechen musste – aber sie begründen das Timing nicht. Dass es gerade am Freitag dazu kam, war im Vorfeld nicht absehbar – und gerade das macht die Börsen einerseits so spannend, andererseits aber auch unberechenbar.
Das Fehlen der Berechenbarkeit ist der Grund, weshalb auch überfällige Korrekturen an den Aktienmärkten nie im Vorfeld auf die Woche und das Kurslevel genau vorhersehbar sind. Und wenngleich es am Freitag als Reaktion auf den starken Euro in Europa zu markanten Kursabschlägen kam – ob damit nun die Korrektur beginnt, ist noch nicht raus.
Dax schwach – aber die Trendlinien haben noch gehalten
Dass die Märkte hierauf negativ reagieren würden, hatte ich am Donnerstag ja bereits avisiert. Aber am Freitag hatte ich, den Dax betreffend, auch geschrieben: Erst, wenn der aktuelle Aufwärtstrendkanal nach unten durchbrochen wird, ist mit wirklich deutlichem Abgabedruck zu rechnen, weil erst dann nach Gewinnmitnahmen auch die Baissiers mit Short-Engagements hinzustoßen werden und so den Druck auf die Kurse verdoppeln. Wie Sie im Chart sehen können, hat diese Zone aus kurzfristiger Aufwärtstrendlinie und 20 Tage-Durchschnitt genau gehalten.
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US-Börsen: Mir san mir!
Ob sich die Abwärtsbewegung in dieser Woche fortsetzt, wird von den US-Börsen abhängen. Und die machten keine Anstalten, vergleichbar negativ auf den Schwächeanfall ihres Dollars zu reagieren. Nicht, dass dies nicht für die USA ebenso negative Auswirkungen haben könnte. Doch an der nach wie vor wichtigsten und größten Börse der Welt herrscht eine „mir san mir“-Mentalität vor, die dergleichen, über die Grenzen reichende Einflüsse doch gerne als Problem anderer Leute (PaL) einstuft nach dem Motto: „Für uns bleibt ein Dollar ein Dollar – und die anderen gehen uns nichts an“.
Und so sahen wir am Freitag zwar zur Markteröffnung ein Minus. Doch dies entstand nur unter dem Eindruck der sehr schwachen europäischen Märkte und der im Globex-Handel mittags mit nach unten gedrückten US-Futures. Von Verkaufsdruck war in der wegen des Feiertags am Donnerstag um drei Stunden verkürzten Sitzung aber nichts zu spüren. Der Nasdaq 100 eröffnete mit einem Minus und legte sofort zu. Sie sehen an der weißen Kerze im Chart: Fast hätte der Index sogar in der Gewinnzone geschlossen und markierte im Sitzungsverlauf sogar ein Jahreshoch. Auch Dow Jones und S&P 500 hatten nur geringe Abschläge zu verzeichnen. So agieren keine nervösen Börsianer. Und so wäre es durchaus nicht verwunderlich, wenn wir zunächst in Europa wieder eine Gegenbewegung nach oben sehen ... so lange, bis auch in den USA die Ampeln auf rot schalten.
Noch ist nichts passiert – aber diese Woche wird knifflig
Und dies wird – ebenso wie im Dax – vom Bestand der kurzfristigen Aufwärtstrendkanäle abhängen. Dass diese nicht auf Dauer mit einer weißen Kerze nach der anderen fortgeführt werden und in den Himmel reichen können, ist jedem klar. Doch bevor diese Trends nicht gebrochen sind, ist nicht mit größeren Abwärtsbewegungen zu rechnen. Die entscheidenden Marken sind beim S&P 500 der Bereich 1.380 – 1.390, im Nasdaq 100 der Bereich 1.740 – 1.760. Das könnte heute passieren, morgen, in einer Woche ... oder in einem Monat. Es ist im Vorfeld nicht zu bestimmen. Allerdings:
So ganz ohne sind die in dieser Woche anstehenden Konjunkturdaten nicht (siehe folgender Abschnitt). Da kann durchaus einiges an Ernüchterung aufkommen – und diese Daten interessieren die US-Marktteilnehmer dann doch! Es kann also ohne weiteres sein, dass wir in den kommenden zwei, drei Tagen das letzte Aufgebot der Rallye sehen werden – aber man muss es abwarten.
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag – bis morgen!
Ronald Gehrt


