Dollar-Index am seidenen Faden!
Axel Retz in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 26. Juli 2007 08:30 Uhr
ENL5454
Die verbalen Kittungsversuche der Risse in der Fassade des US-Immobilienmarktes hat die Federal Reserve nun endlich aufgegeben. Betrachtet man sich das Dilemma von Beginn an, wird klar, dass die FED immer nur soviel zugab, wie unter dem Druck der Datenlage einfach nicht länger abgestritten werden konnte:
Keine Krise, eine kleine Krise ohne Auswirkung auf die Konjunktur, eine größer als erwartete Krise. Neueste Lesart: Im Zusammenhang mit den „Subprime"-Hypotheken erwartet Ben Bernanke nun einen Schaden in Höhe von 100 Mrd. US-Dollar.
Allein die runde „100" lässt vermuten, dass hier nicht lange gerechnet (wie auch?), sondern einfach einmal eine Zahl in den Raum gestellt wurde. Und gemessen am bisherigen Umgang der Notenbank mit den Problemen des Häusermarktes, zu denen wir in dieser Woche noch wichtige Daten bekommen werden, gehe ich eher davon aus, dass die 100 getrost durch eine weitere Null ergänzt werden kann.
Der Druck auf die FED, die Zinsen zu senken, wächst damit. Tendenziell nimmt dadurch natürlich auch die Gefahr eines unkontrollierten Absturzes des US-Dollars zu, der jetzt charttechnisch wirklich am „seidenen Faden" hängt, wie der nachstehende Chart des Dollar-Index belegt:
Das letzte Allzeittief markierte der Dollar-Index am 18. April 1995 bei 80,27. Und dieses Tief wurde nun um haaresbreite unterschritten. Jetzt fehlt nur noch der aus der Chaosforschung berühmt gewordene Flügelschlag eines Schmetterlings, um den Greenback in eine Abwärtsbeschleunigung eintreten zu lassen.
In der letzten Woche hatte ich dargelegt, dass ich einen solchen Absturz aus sentimenttechnischen Gründen (noch!) nicht erwarte. Auszuschließen ist er natürlich nicht, momentan gibt es aber schlichtweg zu viele Dollar-Pessimisten. Und es gibt chart- und markttechnische Gründe, die für eine kurzfristige Erholung sprechen. Dazu im kommenden Absatz mehr!
