Dollar-Diplomatie und Dollar-Hegemonie – vierter Teil
Traders Daily
vom 11. Juni 2007 12:00 Uhr
ENL5454
Steigende Goldpreise wurden in der Geschichte als ein Anzeichen von Misstrauen in die Papierwährung aufgefasst. Diese letzte Anstrengung unterscheidet sich nicht so sehr von den Versuchen des amerikanischen Finanzministeriums in den 1960ern Gold für 35 Dollar pro Unze zu verkaufen, um so, die Welt zu überzeugen, dass der Dollar noch immer so fest und sicher ist wie Gold.
Selbst während der Weltwirtschaftskrise war es eine der ersten Handlungen Roosevelts, die Goldpreise des freien Marktes als Anzeichen für ein fehlerhaftes Geldsystem auszuschalten, indem er den amerikanischen Bürgern per Gesetz verbat, Gold zu besitzen. Wirtschaftliche Gesetze haben diese Bemühungen schließlich eingeschränkt, wie z.B. in den frühen Siebzigern, als unser Finanzministerium und der Internationale Währungsfonds versuchten, den Goldpreis in Ordnung zu bringen, indem sie Tonnen davon auf den Markt warfen, um den Enthusiasmus derer zu senken, die Gold nach seiner Wieder-Legalisierung als sicheren Hafen gegen einen fallenden Dollar sahen.
Das nächste Mal erwiesen sich die Bemühungen, den Markt über den wahren Wert des Dollar zu täuschen, zwischen 1980 und 2000 als erfolglos. In den vergangenen fünf Jahren hat der Dollar gemessen an Gold mehr als 50% seines Wertes verloren. Man kann die Leute nicht ständig täuschen, selbst dann nicht, wenn man die Macht der mächtigen Druckerpresse und der Gelderzeugung durch die Zentralbank hinter sich hat.
Selbst bei all diesen Unzulänglichkeiten eines allein auf Vertrauen basierenden Geldsystem, ist der Einfluss des Dollars gediehen. Das Ergebnis schien uns wohlwollend, aber die gewaltigen Verzerrungen, die dem System innewohnen, bleiben bestehen. Und ganz ihrem eigenen Charakter entsprechend, sind die Politiker in Washington allzu eifrig bemüht, aufkommende Probleme mit Augenwischerei zu lösen, während es ihnen gleichzeitig nicht gelingt die zugrundliegend verfälschende Politik zu verstehen oder anzugehen. Protektionismus, Korrekturen bei Wechselkursen, Strafzölle, politisch motivierte Sanktionen, Subventionen, internationale Handelsabkommen, Preiskontrollen, die Zinssätze und Lohnkontrollen, Gewaltandrohungen und sogar Krieg nimmt man in Kauf, um die Probleme zu lösen, die durch zugrundeliegend verfälschtes Geld- und Wirtschaftssystem hervorgerufen werden.
Kurzfristig können die Herausgeber einer auf Vertrauen basierenden Reservewährung großen wirtschaftlichen Nutzen daraus ziehen. Langfristig stellt es eine Bedrohung für dieses Land dar. In diesem Falle handelt es sich um die USA. Solange das Ausland die Dollar als Gegenleistung für Güter annimmt, haben wir die Nase vorn. Es ist ein Vorteil, den viele im Kongress nicht erkennen, wenn sie China beschimpfen, weil das Land immer noch eine positive Handelsbilanz mit uns hat. Aber es führt zu einem Verlust von produktiven Arbeitsplätzen an die Märkte im Ausland, während wir immer abhängiger von anderen und immer weniger autark werden. Das Ausland häuft aufgrund der hohen Sparraten unsere Dollar an und verleiht sie großzügig zu geringen Zinssätzen an uns zurück, damit wir so unseren übermäßigen Konsum finanzieren können.
Es klingt so, als sei es für alle ein großartiges Geschäft, doch wird eine Zeit kommen, in der unsere Dollar – aufgrund ihrer Entwertung – im Ausland weniger freudig angenommen oder sogar abgelehnt werden. Das könnte eine ganz neue Geschichte werden und uns zwingen, den Preis dafür zu zahlen, dass wir über unsere Verhältnisse und unsere Produktion leben. Der Stimmungswandel den Dollar betreffend hat schon angefangen, aber das schlimmste liegt noch vor uns.
Das Abkommen mit der OPEC in den Siebzigern, Öl in Dollar auszuzeichnen, hat dem Dollar zu außerordentlicher künstlicher Stärke als vorherrschende Reservewährung verholfen. Das hat eine universelle Nachfrage nach dem Dollar erzeugt und die gewaltige Menge an Dollars aufgesaugt, die jedes Jahr neu in Umlauf gebracht werden. Allein im vergangenen Jahr ist die Geldmenge M3 um 700 Milliarden Dollar gestiegen.
Die künstliche Nachfrage nach unseren Dollar, zusammen mit der militärischen Macht, stellt uns in die einzigartige Position, die Welt zu “beherrschen” ohne produktive Leistungen oder Ersparnisse, und ohne ein Limit für die Verbraucherausgaben und Defizite. Das Problem ist, dass das nicht andauern kann.