Dollar auf Abwärtskurs
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 01. Juli 2003 18:00 Uhr
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Ich bin beeindruckt und bestürzt.
In den USA liegen die Ausgaben des Bundes im zweiten Jahr der Regierung des Konservativen George W. Bush um 20 % über dem Niveau, das sie unter dem liberalen Bill Clinton lagen, der kein Problem mit Geldausgeben hatte.
Dennoch gab der gerade erwähnte Mr. Bush letzten Monat den amerikanischen Steuerzahlern eine Atempause – eine Steuersenkung von 350 Mrd. Dollar, verteilt über die nächsten Jahre, wurde als Gesetz unterzeichnet.
"Indem man sicherstellt, dass die Amerikaner mehr zum Ausgeben, Sparen und Investieren haben", so Mr. Bush, "gibt diese Administration der wirtschaftlichen Erholung Treibstoff. Wir haben aggressive Schritte unternommen, um die Fundamente unserer Wirtschaft zu stärken, so dass jeder Amerikaner, der arbeiten will, auch fähig ist, einen Job zu finden."
In was für einer wunderbaren Welt wir leben! George W. Bush, ehemals Besitzer eines Baseball-Teams und jetzt Herrscher praktisch der gesamten Welt – vom Euphrat bis zum Mond – tut sich mit einem anderen fabulösen Magier, Alan Greenspan, zusammen – und sie wollen Geld "aus dem Nichts" schaffen. Denn wie sonst könnte die US-Regierung mehr ausgeben ... und gleichzeitig weniger nehmen? Woher soll das Geld denn kommen?
"Die Bestände der ausländischen Zentralbanken an US-Anleihen ( ...) liegen um 21,9 % über dem Wert des letzten Jahres", erklärt James Grant. "Während die Fed US-Anleihen kauft, um den Zinssatz zu steuern, kaufen die ausländischen Zentralbanken diese Anleihen, um den Wechselkurs des Dollar zu steuern." Und sie finanzieren die Differenz zwischen dem, was die US-Regierung ausgibt, und dem, was sie an Steuern einnimmt.
Und so bin ich noch mehr beeindruckt und bestürzt. Während die ausländischen Investoren nervös werden und ihre Dollarbestände verkaufen ... kaufen ausländische Zentralbanken (besonders die in Asien) US-Anleihen, um den Kursverfall des Dollar zu stoppen, so dass ihre exportorientierten Volkswirtschaft im Geschäft bleiben können.
Die ausländischen Zentralbanken halten derzeit 935 Milliarden Dollar, und diese Bestände nähern sich der Marke von 1 Billion Dollar. "Sie müssen den Dollar stützen", so US-Volkswirte. "Denn wohin sonst sollten sie ihre Güter exportieren? Diese amerikanischen Neo-Ökonomen sehen eine klare und glückliche Aufteilung der Arbeit in der Weltwirtschaft: Die Ausländer sparen das Geld, die Amerikaner geben es aus. Die Ausländer produzieren die Güter, die Amerikaner kaufen sie. Die Ausländer leihen; die Amerikaner verschulden sich. So ist es und so soll es für immer sein; zumindest können sie es sich nicht anders vorstellen.
Und so schleppt sich das monetäre System des Dollar-Standards in sein 32. Jahr. Wenn es ein Jahr länger überlebt, dann wird es länger als Jesus Christus gelebt haben. Aber es trägt bereits jetzt ein sehr schweres Kreuz – zusätzlich zu den fast 1 Billion Dollar, die die ausländischen Zentralbanken halten, kommen 8 Billionen Dollar in den Händen privater Ausländer. Diese privaten Dollar-Besitzer sind nicht so dumm wie ihre Zentralbanken. Sie werden ihre Dollar verkaufen, wenn sie denken, dass es dafür Zeit ist.
Und sie haben bereits eine Menge Dollar verkauft ... Sie werden noch mehr verkaufen. Und nichts kann sie aufhalten. Die USA können ihre eigene Währung nicht verteidigen. Denn steigende Zinsen – die den Dollar attraktiver machen könnten – würden die Spekulationsblase am US-Immobilienmarkt platzen lassen ... von der die US-Wirtschaftslage und die nächste Amtszeit von George W. Bush abhängen.
"Da die US-Politiker nichts tun werden, um den Dollar zu verteidigen, kann er seinen Fall nur weitersetzen", so Dr. Kurt Richebächer. "Ich kann nicht sagen, was den Verfall des Dollar stoppen wird."