DIW Prognose
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 6. Januar 2012, 08:30 Uhr
ENL5454
die deutsche Wirtschaft soll nach der jüngsten Schätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zum Jahresbeginn 2012 leicht schrumpfen. Für das Gesamtjahr sehen die Ökonomen jedoch ein leichtes Wachstum von 0,6 Prozent. Vor nicht einmal acht Monaten hatten die Experten noch 1,4% ermittelt. Drei Monate nach dieser Prognose hieß es dann im April 2011 vom DIW, die Konjunktur werde zwar an Schwung verlieren, sie stehe aber auf einer soliden Grundlage. Die Aussichten für 2012 wurden sogar noch einmal um 0,1 Prozent nach oben revidiert - die Wirtschaft werde um 1,4 Prozent wachsen, hieß es damals.
Trotz dieser schlechten Prognosequalität blicken die Wirtschaftsforscher gerne noch weiter in die Zukunft: „Dank des ab dem Sommer diesen Jahres einsetzenden Aufholwachstums rechnen wir für 2013 aber wieder mit einem Wachstum von 2,2 Prozent", sagt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Eine wesentliche Einschränkung wird aber auch gleich mitgeliefert: „Das klappt aber nur, wenn die Politik die Krise im Euroraum in den nächsten Monaten überzeugend in den Griff bekommt", so Fichtner weiter. Falls nicht, könne es wirklich zu einer spürbaren Rezession in Deutschland kommen. „Dann droht wirklich eine Negativ-Spirale aus steigender Arbeitslosigkeit und fallender Nachfrage", warnt Fichtner.
Wenn also die Politik nicht so funktioniert wie sie soll (wann tut sie das je?), dann haben die Vorhersager schon den Sündenbock für das Nichteintreten auch dieser neuen Prognose gefunden. Fazit: Die Unsicherheit bleibt hoch. Aber es wäre doch ehrlicher zu sagen; man wisse auch nicht, wie es weitergeht, anstatt mit Zahlen herumzuwerfen, die bis auf die Nachkommastelle Genauigkeit vortäuschen, nur um ein paar Monate später wieder alle Prognosen über den Haufen zu werfen.
Die Aktienmärkte spiegeln übrigens seit Monaten diese Unsicherheit perfekt wieder (die Börsen wissen es also auch nicht besser, auch wenn viele Analysten gern das Gegenteil vortäuschen möchten). Es können sich größere Böden bilden. Ein Abbruch dieses Prozesses ist aber ebenso jederzeit möglich und dann sehen wir schnell neue Tiefs. Es wird noch ein paar Monate dauern, bis sich diese Unsicherheit auflöst, die charttechnisch und stimmungsmäßig sehr gut vergleichbar mit dem ersten Halbjahr 2008 ist.
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hartmut Fischer (06.01. 2012 09:38 Uhr):
Auguren und Hokuspokus ! Die Wirtschafts-"wissenschaftler" von heute haben die gleiche Funktion wie die Propheten, "Seher", Auguren, Druiden etc. früher: Genau genommen weiß man, dass man "nichts Genaues nicht" wissen k.ann, aber eine auch wackelige Prognose wirkt doch irgendwie beruhigend aufs Gemüt. Konsequenzen gibt es eh nicht, denn wie gesagt, man braucht die Auguren zur eigenen Beruhigung und der der Bevölkerung, auch wenn sie meistens zweckoptimistisch orakeln. Denn Ökonomie beruht ja weitgehend auf Psychologie, und Pessimisten oder auch nur Realisten kann man da nicht gebrauchen. Gilt genau so für die "Analysten", die ja in Wahrheit Propagandisten für die Interessen ihrer Arbeitgeber - der Finanzindustrie - sind. Oder hatte es z. B. irgendwelche Konsequenzen, asl Bernanke am Beginn der Finanzkrise von möglichen Verlusten von vielleicht 100 Mrd $ faselte ? Der Mann ist immer noch der Hüter des Dollars (und der Interessen der Finanzindustrie, die ja letztlich das Sagen im Reich der "Demokratie" hat.)
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