Diversifikation – gewusst wie
Tom Firley in Investors Daily
vom 2. September 2008, 18:00 Uhr
ENL5454
immer wieder lese ich, dass sich Deutschlands Anleger bei der Aktienanlage zu sehr auf heimische Aktien und vor allem Dax-Werte konzentrieren.
Nun, dies mag faktisch richtig sein. Aber ist es wirklich so falsch, wenn wir uns auf deutsche Werte konzentrieren? Sagen wir mal so:
Wissen, was man kauft
Sicherlich ist eine Depot-Diversifizierung (Streuung auf verschiedene Aktien in verschiedenen Ländern) nicht verkehrt und kann auf jeden Fall zu guten Ergebnissen führen. Nur macht dies meines Erachtens nur dann Sinn, wenn sich der Anleger auch mit den jeweiligen Werten beschäftigt und ansatzweise „weiß", was er da kauft. Vielleicht noch wichtiger:
Angenommen ein Anleger erhält zum Beispiel eine spekulative Empfehlung von einem Redakteur für eine unaussprechliche Aktie aus dem asiatischen Raum. Damit weiß er „nicht genau" (durch eigene Recherche), was hinter dieser Aktie steckt. Was wäre dann genau das Falsche?
Einen hohen Depot-Anteil in diese spekulative Aktie zu stecken.
„Würde ich doch niemals machen" denken Sie jetzt vielleicht. Na gut, SIE machen das vielleicht richtig. Aber ich höre immer wieder, dass Kleinanleger 20 bis 30% (oder sogar 50%) ihres Geldes auf einen einzigen, ausländischen Wert setzen - anstatt auf den Redakteur zu hören, der höchstens einen Depotanteil von 3% (oder meinetwegen 5%) empfohlen hat. Die Wehklagen sind dann logischerweise groß, wenn der spekulative Wert um 33% (also ein Drittel) einbricht...
Wichtiger als die Empfehlung: Ihr Money Management
Bei einem Depotanteil von 3% hätten Sie dann also 1% Ihres Gesamtkapitals verloren. Nicht schön, aber verkraftbar. Bei einem Depotanteil von 30% hätten Sie dann aber schon - wohlgemerkt mit einer einzigen Aktie - 10% Ihres Gesamtdepots verloren! Und das ist eine ganze Menge, die es dann wieder aufzuholen gilt! Daher:
Ausländische Aktien zur Depot-Diversifizierung sind eine gute Sache. Allerdings nur dann, wenn Sie hierbei dasselbe Money Management (wie viel lege ich in einer Aktie) und dieselbe Risiko-Strategie (Stopps setzen) fahren, als bei Ihren anderen (ggf. deutschen) Werten.
Kontroverse Börsenpsychologie
Vielfach neigen Kleinanleger dazu, ausländischen Werten (die sie nicht kennen, wie zum Beispiel Nagacorp aus Kambodscha) mehr Spielraum zu lassen, als den Werten, die Sie täglich in der Zeitung oder im Internet finden (wie zum Beispiel Daimler, Deutsche Bank, Solarworld etc.). Meine Meinung:
Der Großteil eines Portfolios (also eines Depots) sollte aus Aktien und weiteren Assets (Vermögensgegenständen) bestehen, die Sie auch wirklich verstehen und Sie sich täglich ein Bild über die aktuelle Lage machen können.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
PS: Lesen Sie in diesem Zusammenhang bitte auch den nächsten Beitrag meines US-Kollegen Dan Ferris.