Diskussion über Wein
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 07. März 2003 18:00 Uhr
ENL5454
*** "Ich weiß nicht, ob wir diesen Sommer nach Frankreich fahren werden", so ein Kollege aus Baltimore am Mittwoch zu mir. "Dort ist die Stimmung derzeit so anti-amerikanisch ..."
Als ich das letzte Mal in den USA war (wie Sie wissen, lebe und arbeite ich seit ein paar Jahren in Frankreich), war ich über die dortige anti-französische Haltung schockiert. Etwas Vergleichbares habe ich in Frankreich nicht gesehen. Die Franzosen mögen die Amerikaner zwar nicht besonders ... aber das war schon immer so. *** "Die Franzosen sind in der ganzen Welt am produktivsten", so meine Mitarbeiterin Lorraine Amiel. Toyota hat mitgeteilt, dass die eigenen französischen Arbeiter 20 % produktiver seien als die amerikanischen.
Das französische Verbrauchervertrauen fällt; es steht jetzt auf einem 6-Jahres-Tief. Die Tatsache, dass France Telecom den größten Verlust der französischen Geschichte vermeldete –20,7 Milliarden Dollar im letzten Jahr – hat da nicht geholfen. Auf dem Höhepunkt der "Informationszeitalter-Hysterie" hatte France Telecom europaweit 100 Milliarden Dollar für Mobilfunklizenzen bezahlt; aber diese Investition hat sich noch nicht wie erwartet gerechnet.
*** Ein Freund von mir schrieb mir folgende email: "Das passt doch ganz gut zu dem, was Du und Deine Kollegen im 'Investors's Daily' ständig schreiben. Das ist ein Artikel vom 27. Februar aus dem 'Far Eastern Economic Review'. Da gibt es einen Artikel mit dem Titel 'Nehmen Sie unsere Arbeiter, bitte', in dem es über chinesische Arbeiter geht. Ein gewisser Wu Chengbin stellt dort sein Haus vor, das er mit seinen Ersparnissen gebaut hat ... Wu arbeitet seit 1998 in einer Axtfabrik für 1.000 Renminbi pro Monat. Seine Frau arbeitet in der gleichen Fabrik und verdient etwas weniger. Beide arbeiten seit 5 Jahren dort, und in dieser Zeit haben sie genug gespart, um ein Haus zu bauen (Kosten: 30.000 Renminbi) und zusätzlich 20.000 Renminbi zu sparen."
"Lass uns mal annehmen, dass Wu und seine Frau durchschnittlich 24.000 Renminbi pro Jahr verdient haben, in den letzten 5 Jahren. Das bedeutet, dass die beiden 120.000 Renminbi verdient haben und davon 50.000 gespart haben. Das ist eine Sparrate von 42 % – und es geht hier um relativ arme chinesische Arbeiter!
*** "Das war KEIN guter Wein ..." So begann beim gestrigen Abendessen der Streit ... ups, die Diskussion.
Jeder will irgendwie besser sein als die anderen. Manche tun das, indem sie bessere Kleider tragen. Andere lernen mehr Geschichte. Wieder andere gehen in exklusive Clubs oder drücken sich mit gewählten Worten aus. Aber gestern Abend war es das Thema "Wein", das zu einer Diskussion in der Avenue Mozart führte.
Ich bin ein Experte, wenn es um Wein geht. Niemand weiß so viel wie ich über dieses Thema; ich habe eine "Weinschule" in St. Emilion besucht ... allerdings war ich so beeindruckt von den dortigen Weinproben, dass ich mich nicht an viel erinnern kann, was dort gesagt wurde. Aber ich bilde mir ein, dass mein Geschmackssinn sehr viel von dieser Weinschule mitgenommen hat. Ich weiß, welche Weine mir schmecken, und das ist die Hauptsache. Ich fühle mich nun anderen Leuten überlegen, wenn ich sie über das Thema "Wein" belehren kann.
"Es ist dumm, von 'guten' und 'schlechten' Weinen zu reden", so begann ich. "Es gibt keinen objektiven Standard. Bei diesen ganzen Wein-Snobs geht es nur zu 2 % um Geschmack und um 98 % um heiße Luft. Es gibt unterschiedliche Weine für unterschiedliche Anlässe. Sie sind wie Kleider oder Frauen. Ein Brautkleid zieht man eben nicht auf einer Safari an. Und mit manchen Frauen kann man Spaß haben ... mit anderen kann man gut zusammen arbeiten. Mit manchen Frauen kann man ein perfektes Wochenende verbringen ... aber man kann nicht mit ihnen auf Dauer zusammenleben. Sie sind zu komplex und zu schwierig."
"Mit Weinen ist es das Gleiche. Einige Weine, die angeblich die Besten sein sollen, sind gut. Aber sie sind oft zu teuer und zu kompliziert, um sie oft genießen zu können. Man muss einfach nur Weine finden, die man mag. Das sind die Guten."
Meine Zuhörer waren nicht überzeugt.