Diskontzinsanhebung
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 19. Februar 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
gestern früh schrieb ich Ihnen noch über die geldpolitische Exitstrategie in den USA. Am Abend platzte dann nachbörslich die Bombe: Die US-Notenbank hob ihren Diskontsatz von 0,5% auf 0,75% an. Der Schritt kam zwar nicht völlig überraschend, denn Fed-Chef Ben Bernanke hatte vor einigen Tagen diese Maßnahme angedeutet. Dennoch rauschten die Aktienkurse und Futures nachbörslich erst einmal in den Keller (und stehen heute früh immer noch auf diesem Stand).
Es handelt sich bei der Diskontsatzanhebung nicht um eine Zinserhöhung im klassischen Sinne. Der eigentliche Zins der Fed, der Geldmarktsatz, bleibt unverändert, also bei nahe Null. Der Diskontkredit dient lediglich als Nothilfe für Banken, die in Liquiditätsschwierigkeiten geraten sind. Die Fed begründete die Anhebung daher auch als Reaktion auf die verbesserte Situation an den Finanzmärkten.
Dennoch könnte die Maßnahme von vielen Anlegern auch als Startschuss für „echte" Zinserhöhungen verstanden werden, zumal es innerhalb der Fed selbst immer mehr Stimmen gibt, die genau dies fordern. In einer Situation, wo der Aktienmarkt an einem neuralgischen Punkt angelangt ist, könnten bereits solche bloßen Vermutungen zu Kursturbulenzen führen, auch wenn sie sich im Nachhinein als unbegründet herausstellen sollten. Börse besteht ja zu 90 Prozent aus Psychologie. Die Reaktion der Märkte auf diesen Schritt in den nächsten Tagen - insbesondere nach dem heutigen Terminverfallstag - dürfte also sehr aufschlussreich für die Börsenverfassung insgesamt sein.
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