Dinge passieren
Bill Bonner in Traders Daily
vom 24. Juni 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
Dinge passieren, lieber Leser, Dinge passieren. Ich erinnere mich, einmal eine Schätzung zitiert zu haben, wonach sich die Gesamtkosten des Irak-Krieges für die USA auf eine Billion Dollar belaufen könnten. Die Zahl war so groß, ich konnte es einfach nicht glauben.
Der Krieg im Vietnam hat - auf den heutigen Geldwert umgerechnet - 500 Milliarden Dollar gekostet. Aber Krieg ist teuer...und wenn das mit dem Krieg im Irak im gleichen Maße weitergeht...dann werden die Ausgaben bald bei über einer Billion Dollar liegen.
Aber wer will schon das Geld oder die Leichen zählen, wenn es darum geht, eine Demokratie aufzubauen.
Ich war immer skeptisch und zynisch, wenn es um den Krieg im Irak ging. Nicht dass ich eine Ahnung gehabt hätte, wie der Krieg ausgehen würde. Ich habe einfach gedacht, dass es nicht richtig war. Die Iraker in Demokraten zu verwandeln erschien mir einfach nicht Grund genug, um dafür Leute umzubringen - selbst wenn sich der Krieg als Erfolg herausstellen sollte. Immer dann, wenn man das Falsche tut - egal ob in der Außenpolitik oder beim Investieren - passieren Dinge...aber dann ist es wenigstens nicht meine Schuld.
In Vietnam wusste Ho Chi Minh, dass er die Vereinigten Staaten in einer offenen Schlacht nicht würde schlagen können. Also bediente er sich der Taktiken des Guerilla Kriegs...was ihm erlaubte, seine Verluste unter Kontrolle zu halten. Die Nordvietnamesen und der Vietcong kämpften auf eigene Faust - und ermöglichten so den Amerikanern, die immer eine riesige, moderne Armee auf dem Schlachtfeld hatten, sich zu verausgaben. Während dieser ganzen Zeit berichten die großen Herren des Personals über die riesigen Fortschritte, die man machte. Sie schienen überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, bis der Widerstand zusammenbrechen würde. Sie bräuchten dafür nur mehr Feuerkraft...mehr Geld... und mehr Truppen.
Wenn eine Armee einmal engagiert wird, dann will sie auch gewinnen.
Dieser Instinkt ist so stark, dass es nur wenigen Menschen gelingt, noch zu ermessen, ob es überhaupt möglich ist, zu gewinnen...und ob es überhaupt noch darum geht. Stattdessen bringen sie Gründe, warum der Krieg eine gute Idee ist...und warum sie sicher sind zu gewinnen, wenn sie nur am Ball bleiben. Im Ersten Weltkrieg hätten die Truppen 1915 nach Hause gehen können - nach der Schlacht von Marne gab es auf keiner der beiden Seiten mehr Hoffnung, dass sich der Krieg zu einem „vernünftigen" Preis gewinnen ließe. Aber da konnte keiner den Krieg noch stoppen. Sie hatten in diesem Krieg schon ziemlich schlecht gekämpft (viele der Angriffe waren der reine Selbstmord), aber noch schlechter waren sie, als es darum ging, den Krieg zu beenden.
Die Generäle sagten, sie bräuchten dafür nur „mehr Feuerkraft...mehr Geld... und mehr Truppen" und so kämpften sie noch drei Jahre weiter. Am Ende waren alle Hauptkriegsteilnehmer, abgesehen von den Vereinigten Staaten, vollständig erschöpft. Weder Europa noch Amerika waren danach jemals wieder die Alten.
Im Vietnamkrieg bemerkte der damalige Verteidigungsminister Robert MacNamara schon 1967, dass der Krieg aussichtslos war. Zu dieser Zeit hatten die Vereinigten Staaten 485.000 Truppen in Südvietnam...und waren 170.000 Bombardierungseinsätze gegen den Norden geflogen. Nichts schien wirklich eine Wirkung zu zeigen - weder ließ sich Ho Chi Minh zu einer Einigung bewegen...noch hielt es den Vietcong davon ab, im Süden zu operieren.
Noch mehr Feuerkraft...mehr Geld... und mehr Truppen wurden aufgeboten. Von dem Zeitpunkt, zu dem der Verteidigungsminister aussteigen wollte, bis zu dem Zeitpunkt zu dem der Krieg endgültig sein (schlechtes) Ende nahm, wurden noch 43.000 Amerikaner getötet. „Wir lagen schrecklich, schrecklich falsch", sagte MacNamara 30 Jahre später mit Tränen in den Augen.