Dieser Mann will Schokolade
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 30. Juli 2010, 12:00 Uhr
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Das ist mal wieder eine spannende Geschichte.
Als Rohstoff-Trader schaue ich mir auch Basiswerte wie Kakao an. (Trinke eine „heiße Schokolade" übrigens als einziger Trader in meinem Bekanntenkreis lieber als Kaffee).
Und was da gerade los ist! Dazu schauen wir - nach Kennerweise - zunächst mal nach dem Preise:
Preis in Dollar je Tonne, seit März 2010
Der eher kurzfristige Chart zeigt wenig Beeindruckendes. Schauen wir uns mal einen etwas längerfristigen Chart an:
Preis in Dollar je Tonne, seit Frühjahr 2009
Und da können Sie sehen, dass der Kakaopreis seit Sommer 2009 durchaus deutlich angezogen ist.
Dieser Anstieg ist an mir vorbei gegangen. Hatte das nicht voraus gesehen...denn bei Kakao gab es eigentlich keine besonders bullishen fundamentalen Nachrichten. Für 2010 war eine gute Ernte prognostiziert, mit mindestens 4% Plus. Gleichzeitig sollte die Nachfrage weiter steigen, ebenfalls in etwa in diesem Bereich. Also eher „neutral" in Bezug auf den Preis.
Nun veröffentlichte die BBC Interessantes über die möglichen Hintergründe des Preisanstiegs:
Ein Sterblicher namens Anthony Ward hat einen Hedgefonds. (Der eine hat ein Haus, der andere eine schöne Frau, der Dritte eben einen Hedgefonds.) Dieser hat offensichtlich das nötige Kleingeld, denn er kaufte für fast eine Milliarde Dollar Kakaobohnen. Dafür gibt es so an die 240.000 Tonnen Kakaobohnen.
Um das mal einzuordnen: Daraus ließen sich an die 5 Milliarden Schokoladentafeln herstellen. Wären an die 641 Tafeln für jede(n) Einwohner(in) der Schweiz. Diese Menge an Kakaobohnen wäre laut BBC genug, um „5 Titanics" zu füllen.
WAS WILL DER MANN MIT SOVIEL KAKAOBOHNEN?
Ist ja eine durchaus nahe liegende Frage.
Es gibt mehrere Möglichkeiten. Mr. Ward könnte zum Beispiel versuchen, „Shorties" gegen die Wand zu drücken. Das sind Marktteilnehmer, welche bei Kakao Futures short gegangen sind, in der Annahme, dass der Kakaopreis fällt. Um nicht physisch liefern zu müssen, müssen sie vor Laufzeitende ihre Positionen durch den Kauf einer Gegenposition glattstellen.
Wenn es nun aber keine Gegenpositionen mehr gibt, weil ein Großteil des Angebots unter der Kontrolle von Mr. Ward ist, dann kann er sehr viel höhere Preise diktieren.
Die „Shorties" müssten sich eindecken, und würden auch die höheren Preise bezahlen. Das wäre dann im Traderjargon ein „short squeeze".
Wie auch immer:
Eine spannende Sache.
Und gleichzeitig auch eine, die mich nachdenklich macht. Wenn eine einzelne Person (über ihren Hedgefonds) soviel Marktmacht bei einer Rohware aufbauen kann, finde ich das „bedenklich". Und als Rohstoff-Trader komme ich mir etwas blöd vor. Denn was nützt die Analyse von Angebot und Nachfrage, wenn dann trotzdem eine Person alles über den Haufen werfen kann? Sozuagen ein sehr hoher „Glücks/Zufalls-Faktor"!
Und was wäre, wenn es so etwas das nächste Mal bei Grundnahrungsmitteln geben würde? Bei Waren also, welche für Millionen von Menschen zum Überleben notwendig sind? Könnte es da eine moderne Version des „Mäuseturms von Bingen" geben? Grundnahrungsmittel auch in Zeiten des Hungers horten, um den Preis weiter hoch zu treiben?
Na, so weit ist es nicht und zum Glück sind die Märkte für Weizen, Mais & Co. auch viel größer als der für das nicht lebensnotwendige (machen wir uns nichts vor) Gut Kakao.
Dennoch, so unterhaltsam ich die derzeitige Vorstellung beim Kakaopreis finde - wohl ist mir bei der Sache nicht.
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt
Chefredakteur Trader´s Daily
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Andreas Schürholz (30.07. 2010 14:42 Uhr):
Lieber Herr Vaupel, würde mich sehr interessieren, wo Herr Anthony Ward 240.000 Tonnen Kakaobohnen eingelagert hat. Haben Sie diesbezüglich irgendwelche Kenntnisse? Freundliche Grüße Andreas Schürholz
Antworten - Kommentar von Dr Eckehard A Hilf (31.07. 2010 08:48 Uhr):
Mir auch nicht. Es darf noch angemerkt werden, dass die Kakaobauern - die meisten leben in Elfenbeiküste - von diesem Preisanstieg "verschont" blieben, mit anderen Worten leer auszugehen scheinen. Ihre Plantagen bräuchten aber dringend Investitionen - Bericht im Deutschlandfunk) - Das setzt, wie bei den anderen lebenswichtigen Gütern bei mir eine Zornwoge in Gang, doch wir sollten in Gelassenheit die Dinge betrachten und auf Abhilfe sinnen: Ob es nun die rüde ausgefischten Meere oder sauberes Trinkwasser oder sonst was ist - wären "unsere" Politiker wirklich Staatsmänner und Vertreter ihres Volkes und der Völkergemeinschaft, von der ständig posaunt wird, dann würden sie die Ressourcen schützen, vor allem gegen das überflüssige Spekulantentum und die barbarischen Gewohnheiten, die wirklich die Erde ruinieren. (Das Verbieten von Stierkämpfen - auch so ein Feigenblatt der Politpropaganda: diese urtümlichen Rinder wird es dann bald auch nicht mehr geben, nur noch die Bastarde ohne Hörner und mit riesigen Eutern mit Milch ohne Wert)
Antworten - Kommentar von Wiesmath Walter (01.08. 2010 11:51 Uhr):
Ein sehr interessanter Artikel. Er trifft genau das, was die sogenannte Finanzkrise ausgelöst hat. Und es scheint nach wie vor statthaft und üblich, dass Menschen, die über genügend Geld oder "Risikobereitschaft" verfügen Geschäfte machen können, die nichts mit der realen Wirtschaft zu tun haben. Es werden virtuelle Güter hin und her verschoben und den Unerfahrenen (Kleinanlegern) so wie auch in Ihren Werbebeiträgen, hohe Renditen versprochen, um sie in diese Fallen zu locken. Es ist einfach unsittlich ohne eigenes Kapital oder Ware (Leerverkäufe) Geschäfte zu tätigen, in der Erwartung, dass mit entsprechend gestreuten Nachrichten, genügend Dumme gefunden werden um dieses "Nichts" zu kaufen. Es ist einfach Betrug am sogenannten Kleinanleger und später am Steuerzahler, wenn Verluste aus solchen Geschäften nicht von denen zu tragen sind, die sie eingefädelt haben. (Bankenrettung) Mit freundlichen Grüßen Walter Wiesmath
Antworten- Antwort von Peter Harting (04.08. 2010 00:38 Uhr):
Leerverkäufe an sich sind ein uraltes Instrument. Wer als Karawanenführer Kamele brauchte, bestellte sie bei einem Händler, der sie noch auftreiben musste, aber schon mal den Preis bezahlt bekam, den aktuell diese Tiere kosteten. Stieg der Preis, was selten vorkam, dann hatte der Händler Pech und musste dem glücklicheren Karawanenführer ohne Abzug die geforderte Menge liefern. Fiel stattdessen der Kamelspreis niedriger aus, als der Karawanführer bezahlt hatte, kam der Händler zu seinem Gewinn. Das galt und gilt noch immer als ehrenhaft, in Landschaften wo man Geschäfte mit Handschlag abwickelt. Anscheinend haben Politiker es nicht nötig, solche Verhältnisse zu studieren, wo auch Leerverkäufe weiterhin notwendig sind.
- Antwort von Peter Harting (04.08. 2010 00:38 Uhr):
- Kommentar von Helmut Höhenberger (02.08. 2010 09:28 Uhr):
...und das ganze funktioniert auch bei Devisen...George Soros oder die Schweizer Nationalbank haben es uns gezeigt......
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