Diesen Schock für die Angebotsseite bei Rohstoffen hat niemand auf der
Daniel Wilhelmi in Profit Radar zum Thema Rohstoffe
vom 6. Juni 2011, 19:00 Uhr
ENL5454
Wir haben derzeit also keine Blase im Rohstoffsektor. Dafür ist die typische Euphorie nicht vorhanden - und auch nicht die fundamentalen Fakten. Die Emerging Markets werden in diesem Jahr langsamer wachsen, als man es noch Anfang 2011 erwarten konnte. Die Zinserhöhungen rund um den Globus lassen das kreditfinanzierte Wachstum austrocknen, was den Wirtschaften der Schwellenländer in den vergangenen Jahren den Turbo verlieh.
Zuletzt sorgte niemand Geringeres als die US-Investmentbank Goldman Sachs für Aufregung, als man die Erwartungen des Wirtschaftswachstums für China und damit natürlich auch für Asien für 2011 und 2012 senkte. Allerdings sind die Änderungen keineswegs so dramatisch, wie die Überschrift „Goldman Sachs reduziert Wachstumsprognosen" erst mal klingt.
Für das laufende Jahr rechnet Goldman Sachs nun mit einem Wirtschaftswachstum von 9,4 Prozent für China. Die alten Prognosen waren von 10,0 Prozent ausgegangen. Für 2012 senkte die US-Investmentbank ihre Erwartung von 9,5 Prozent auf 9,2 Prozent.
Für den asiatischen Raum (exklusive Japan) erwartet Goldman Sachs jetzt nur noch ein Wachstum von 7,8 Prozent nach bisher 8,2 Prozent. Die Absenkungen sind also wirklich dramatisch (0,6 Prozent für 2011 und 0,3 Prozent für 2012 in China und 0,4 Prozent für 2011 in Asien).
Aber es bestätigt die Wachstumsverlangsamung, die wir nun nach den massiven Zinserhöhungen in den Emerging Markets in immer mehr Schwellenländern sehen. Das ist kein Umfeld für eine Blasenbildung. Und damit haben wir derzeit noch nicht das Ende der Rohstoffhausse erreicht.
Die einzige Ausnahme wäre, dass wir einen zweiten „Black Swan" erleben. Dies ist ja das Szenario der Bären. Hiernach würden wir in eine neue Finanz- und Wirtschaftskrise rutschen, die das globale Wachstum erneut einbrechen lässt. Dann wird es die Rohstoffe direkt doppelt hart treffen - genau wie 2008.
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Jürgen Drgala (06.06. 2011 20:04 Uhr):
Die Volkswirtschaften der BRIC-Staaten -außer vielleicht der von Rußland -bewegen sich doch schon seit einem längeren Zeitraum seitwärts und es fällt mir insoweit sehr schwer vorzustellen, woher das immer noch immense Wachstum im Vergleich zu den standardisierten Wirtschaftsräumen kommen soll. Insoweit kann ich momentan eine generelle Blasenbildung absolut nicht erkennen. Zu Verwerfungen kann es vielleicht auf dem chinesischen Immobiliensektor kommen, wobei allerdings die chinesische Regierung alles unternimmt , um eine Überhitzung zu vermeiden. Politische Verwerfungen sehe ich allerdings für China und Indien durch das neokoloniale Ausbeuten afrikanischer Böden. Dies wird nicht lange gut gehen und wird auf die Volkswirtschaften dieser Staaten dann massive Auswirkungen haben. Dies könnte jedoch eher zu einer Verknappung und damit Verteuerung der Rohstoffe in globaler Hinsicht führen. Im übrigen scheint es so zu sein, dass immer klarer die Abnabelung der BRIC-Staaten von den stanaddisierten Märkten erkennbar wird, so dass insoweit auch ein globaler crash immer unwahrscheinlicher wird.
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