Diese Probleme können sich aus dem Short Selling ergeben
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 24. November 2009, 20:00 Uhr
ENL5454
Im gestrigen Daily haben wir uns mit der Frage auseinander gesetzt, ob Short Selling grundsätzlich einen manipulativen Charakter aufweist und dementsprechend Restriktionen oder gar ein Verbot angebracht wäre.
Bei der Evaluation dieser Frage haben wir uns mit der grundsätzlichen Frage nach der Kausalität von Short Selling und späteren Kursrückgängen befasst. Dabei haben wir herausgefunden, dass selbst die Wissenschaft sich in der Beantwortung dieser Frage nicht einig ist und sowohl Belege für den einen, wie auch den anderen kausalen Zusammenhang bestehen.
Mein Fazit aus den unterschiedlichen Forschungsberichten der Wissenschaft habe ich folgendermaßen zusammengefasst:
-
Manipulationen kann es überall und in jedem Markt geben. Da hilft nur die größtmögliche Transparenz, um solche Manipulationen zu erkennen oder sie gar nicht erst aufkommen zu lassen! Und auch wenn Short Selling sich, ebenso wie andere Aktivitäten bei mangelnder Transparenz, missbräuchlich nutzen lässt, ist Short Selling an sich doch kein Instrument des Marktmissbrauchs!
Daraus folgt in meinen Augen, dass das Short Selling an sich ein Instrument des Finanzmarktes ist, dessen Berechtigung als solches nicht zur Debatte steht. Und selbst die schärfsten Kritiker, welche auf penible Restriktionen und/oder das Verbot des Naked Short Selling pochen, räumen meist ein, dass Leerverkaufsaktivitäten grundsätzlich ein legitimes Instrument der Finanzmärkte sind (lassen wir die Notfallmaßnahmen an dieser Stelle einmal außer Acht, da die meisten dieser Maßnahmen auch während der Finanzkrise Ende 2008 nur temporär eingesetzt wurden). Hiervon ausgehend möchte ich morgen noch einmal genauer auf die positiven Argumente, welche die Wichtigkeit des Short Selling für die Finanzmärkte verdeutlichen, näher eingehen.
Doch obgleich das Short Selling grundsätzlich ein legitimes und auch bedeutsames Instrument der Finanzmärkte ist, können sich doch bestimmte Probleme ergeben, die allerdings nicht zwangsläufig als Folge eines Marktmissbrauchs betrachtet werden müssen. Hierauf möchte ich in der heutigen Ausgabe eingehen.
Diese Probleme können sich aus dem Short Selling ergeben
Das Risiko des Verleihers
Zunächst möchte ich auf einen interessanten Aspekt eingehen, der das Risiko für den Verleiher bei einem gedeckten Leerverkauf betrachtet. Denn der Verleiher trägt tatsächlich ein deutliches Ausfallrisiko - nämlich dann, wenn der Prime Broker, der für die Abwicklung des Wertpapierleihgeschäfts zuständig ist, pleite geht. So geschehen im Falle der Investmentbank Lehman Brothers.
Nach dem Zusammenbruch der Lehman Brothers berichtet die Investmentgesellschaft Olivant, dass man nicht mehr in der Lage sei, den 2,8%- Anteil, welchen Olivant an der Schweizer Bank UBS hielt, zu lokalisieren. Das Problem war folgendes: Lehman Brothers fungierte nicht nur als Olivants Prime Broker, sondern auch als Wertpapierverwahrstelle für Olivants UBS-Anteile. Diese UBS-Aktien wurden allerdings zur Wertpapierleihe genutzt. Als Lehman Brothers dann zusammenbrach, konnten diese verliehenen Aktien nicht mehr lokalisiert werden.
Daraus ergibt sich, dass der Verleiher in einem gedeckten Leerverkaufsgeschäft das Ausfallrisiko trägt, bei einer Insolvenz des Brokers, der das Geschäft abwickelt.
ähnliche Beiträge:
- Short Seller tragen zu einer effizienten Preisbildung im Markt bei
- Unterschiede zwischen Short Selling und Synthetic Short Selling
- Short Selling: Restriktionen in den USA
- Die Gefahren beim Naked Short Selling
- Leerverkäufe als Termingeschäft
- So funktioniert Short Selling!
- Effekt von Short Selling-Verbot auf den Markt! Die Ergebnisse der FSA
- Short Selling trägt dazu bei, die Liquidität in einem Markt zu erhöhen