Diese Firmen stellen die empfohlenen Wirkstoffe gegen H1N1 her
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily
vom 12. Juni 2009, 17:00 Uhr
ENL5462
"Bevor ich mich zum Arzt schleppe, also schnell noch ein Blick auf die Seite der WHO mit den Medikamentenempfehlungen. Nach dem Motto: "Kann ja nichts schaden, wenn ich schon mal weiß, was ich brauche".
Für Anleger Interessant: Der Virus ist resistent gegen eine wichtige Gruppe von antiviralen Mitteln. Die Wirksamkeit konnte bisher nur bei Medikamenten der Gruppe der Neuraminidase-Inhibitoren nachgewiesen werden.
Ein Monopol dominiert den Markt
Spätestens jetzt ist mein berufliches Interesse entzündet, denn es gibt nur sehr wenige Hersteller dieser Medikamente. Absoluter Marktführer ist Roche, der große Schweizer Pharmakonzern. Ein zweites Präparat gibt es von Glaxo Smithkline. Was Marktanteile angeht, ist dieses aber weit abgeschlagen, weil es umständlich inhaliert werden muss. Glaxo könnte allerdings als großer Impfstoffhersteller profitieren, wenn ein Serum entwickelt ist (vermutlich in wenigen Monaten). Beide Firmen gehören aber natürlich nicht hier in den Nebenwerte Daily.
Interessante Forschungen, aber schwierige Anwendung
Was mich als Nebenwerte-Fan jedoch aufhorchen ließ, ist der neue Wirkstoff, "Peramivir", der zur Zeit in der Entwicklung ist. In der gemeinschaftlichen Erforschung durch BioCryst Pharmaceuticals ( USA), Green Cross Pharmaceuticals (Südkorea) und Shionogi Pharma (Japan) kommt es aber immer wieder zu heftigen Rückschlägen. Erst Anfang Mai wurde bekannt, dass die intramuskuläre Applikation bei 405 Patienten keinen signifikanten Nutzen gegenüber Placebo brachte. Auch die jüngst veröffentlichten Quartalszahlen des einzigen Nebenwerts, BioCryst, machen nicht unbedingt Mut: Der Verlust lag bei 24 US-Cents je Aktie nach -0,34 USD im vergleichbaren Vorjahresquartal. Stolz berichtet die Firma, dass dies der Erfolg einer Reduzierung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung um die Hälfte ist. Ohje, ein weiteres Opfer der Finanzkrise! Der einzige kleine Hoffnungsfunken glimmt noch bei der Nachricht, dass 1.000 Dosen einer für intravenöse Applikation vorbereiteten Wirkstoffzubereitung an das Center for Disease Control and Prevention ausgeliefert werden sollen. Mit besonderer Genehmigung können Krankenhäuser dann im Fall einer Pandemie Tests durchführen. Aber selbst wenn die Wirksamkeit hierbei besser ist, kann das nie ein Blockbuster werden. Denn die nur intravenöse Darreichungsform schränkt die Anwendungsmöglichkeiten natürlich stark ein.
Vor Selbstmedikation bei Influenza-Viren wird dringend gewarnt
Sobald die höchste Pandemie-Warnstufe ausgerufen ist, wird natürlich wieder der Run auf all die schwarz verkauften Medikamente losgehen. Doch davor wird schon jetzt gewarnt. Denn oft sind sie von zweifelhafter Herkunft. Und nicht umsonst sind in Deutschland die beiden oben erwähnten Medikamente rezeptpflichtig. Denn bei falscher Anwendung können sie zu Resistenzen führen, die jede neue Grippewelle noch gefährlicher machen. Enttäuschendes zur Wirksamkeit habe ich zudem für nahezu alle Hausmittel in einer Studie der Uni Wien gefunden. Immer wieder der Satz "Die Wirksamkeit konnte in klinischen Studien nicht bestätigt werden". Irgendwelche asiatischen oder afrikanischen Heilpflanzen-Plantagen oder gar eine Zinkmine werden Ihnen also als Anleger bei der Grippe nicht weiterhelfen.
Hoffnungsvoll stimmte mich allerdings der letzte Satz der Studie: "...zur Einnahme von Hühnersuppe kann derzeit nur auf Basis kulinarischer Erfahrungswerte angeraten werden". Das ist es, was meine Großmutter schon immer verordnete: Hühnersuppe und heißen Holundersaft mit Honig und Zitrone! Die Inspektion des gut gefüllten Gefrierschranks bringt die Erlösung. Mit diesen Hausmitteln werde ich mich nun wieder ins Bett verziehen und meine (mit 99%iger Sicherheit nicht H1N1-) Infektion auskurieren.
Mit matten, aber herzlichen Grüßen, Ihre
Daniela Knauer"
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