Diese Absurdität wird zu einem Ende kommen
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 10. Dezember 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Sie verdienen an den Märkten kein Geld, wenn die Dinge so sind, wie sie sein wollen. Man macht Geld, wenn die Dinge so sind, wie sie nicht sein sollten. So sind vernünftig bewertete Aktien nicht anziehender als eine sehr tugendhafte Frau. Es sind die falsch bewerteten Aktien und die unsicheren Frauen, die Hoffnung und eine gute Zeit bieten.
Wie langfristige Investor's Daily-Leidende wissen, bin ich ein Verehrer von Verrücktheiten und ein Gourmet von Absurditäten. Wenn Aktien absurd bewertet sind, dann ist es eine vernünftige Wette, dass sie in der Zukunft weniger absurd bewertet sein werden. Und wenn die Welt verrückt wird ... dann ist es fast sicher, dass sie früher oder später wieder zur Besinnung kommen wird.
Das Problem ist – die Kurse können noch absurder werden ... und die Welt kann noch verrückter werden ... und dass länger bleiben ... als man sich vorstellen kann.
Sicher ist es verrückt von den Amerikanern, zu denken, dass sie durch Geld ausgeben reich werden können. Aber das ist es, was die meisten glauben, und diese Illusion wird von der US-Zentralbank noch gefördert.
Und sicher ist es verrückt von den Chinesen, zu denken, dass sie ihre Wirtschaft aufbauen können, indem sie Waren an Leute verkaufen, die dafür nicht bezahlen können. Aber genau das ist es, was die Chinesen zu denken scheinen.
Und die amerikanischen Volkswirte glauben, dass die Chinesen keine Wahl haben, sondern den Amerikanern weiter Geld leihen müssen – denn das ist der einzige Weg, wie die Chinesen ihre Wirtschaft am Wachsen halten können. Schließlich bauen sie Fabriken ... sie lernen den Handel ... und sie produzieren Dinge – misst man nicht genau so Reichtum?
Sowohl die Chinesen als auch die Amerikaner glauben immer noch ... sie glauben noch an die Zukunft. Die Dinge werden immer besser, oder?
"Der Nasdaq-Crash von vor drei Jahren hat die Investoren niemals wirklich bearish werden lassen", erklärt mir Stefan Pütz in einem Brief. "Vor dem Crash glaubten die Investoren, dass die Aktien langfristig immer steigen. Und als die Internet- und Technologie-Aktien kollabierten, und die Nicht-Technologie-Aktien einen milderen Bärenmarkt erlitten, da sahen die Investoren den Selloff einfach als Kaufgelegenheit."
"Während des Bärenmarktes hielten sich viele Investoren einfach zurück und warteten darauf, dass das Signal für das Erreichen des Bodens gegeben würde. Also als der Aktienmarkt letzten Frühling wieder zu steigen begann, da sprangen viele Investoren, die abgewartet hatten, auf den anrollenden Zug auf. Und als der Markt sich immer weiter nach oben bewegte, da wurden immer mehr Leute angezogen, die noch abseits gestanden hatten. In den letzten paar Monaten ist dann praktisch jede noch verbliebene Skepsis verschwunden, und es wurde als Konsens gefunden, dass ein neuer Bullenmarkt begonnen hat, und dass sich die US-Wirtschaft auf dem Weg zu einer zyklischen Erholung befindet ..."
"Bei dem Versuch, eine Rezession abzuwenden, hat die Fed in den letzten zwei Jahren eine Politik des superleichten Geldes gefahren. Als Zeichen ihrer Entschlossenheit hat die Fed die kurzfristigen Zinssätze in den Bereich von 1 % gedrückt. Das sind die niedrigsten kurzfristigen Zinsen seit über 50 Jahren. In der Vergangenheit hat man einen Zinssatz von 1 % nur in den Tiefen einer Depression gesehen."
Diese Absurdität wird zu einem Ende kommen, versichert uns Herr Pütz.
Wann? Wenn die Chinesen und andere Gläubiger zur Besinnung kommen und mit dem Geldverleihen aufhören. Das passiert bereits. Jeden Tag müssen sich die USA 1,5 Mrd. Dollar leihen, um ihr derzeitiges Ausgabenniveau halten zu können ... oder der Dollar wird fallen.
Nun, der Dollar fällt. Gestern ist er gegenüber dem Euro wieder auf ein Allzeit-Tief gefallen ... und auf ein 11-Jahres-Tief gegenüber dem britischen Pfund. Die Europäer haben in den ersten 8 Monaten des Jahres netto ungefähr 28 Milliarden Dollar in den USA investiert. Aber im September wurde diese Zahl negativ ... es waren –400 Millionen Dollar. Das Ende muss kommen ...