Die Zwickmühle der US-Politik
Daniel Wihelmi in Profit Radar
vom 3. August 2011, 19:00 Uhr
ENL5454
Der Börsenmonat August beginnt, wie die beiden vorherigen Monate endeten: Mit einem ultra-volatilen, kaum zu berechnenden Markt. Denn an den Börsen setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass die USA auf Jahre hinaus kein überdurchschnittliches Wachstum mehr produzieren werden.
Das ist für Sie nichts Neues. Taipan-Chefredakteur Volkmar Michler und meine Wenigkeit erklären schon seit Jahren, dass wir derzeit eine grundlegende Neuausrichtung der Weltwirtschaft erleben. Die USA waren der Wachstumsmotor des 20. Jahrhunderts. Doch das ist Vergangenheit. Das Zentrum des Weltwirtschaftswachstums verlagert sich nach Osten - nach Asien.
Wobei Asien hier auch nur stellvertretend für die Emerging Markets steht (Asien ist nur das Zentrum). Die USA werden nicht untergehen. Hören Sie nicht auf die ewig gestrigen Bären. Das sind die gleichen Bären, die 2000/01 den Untergang ausriefen - und dann die komplette Rallye 2003 bis 2007 verpassten. Oder die Rallye 2009 bis 2010. Und ich könnte hier noch zahllose andere Beispiele anführen.
Aber wir müssen die Situation in den USA in einem realistischen Licht sehen. Und damit sind wir schon bei einem echten Kernproblem: Die meisten Amis sind nicht in der Lage, die Situation objektiv und neutral einzuschätzen. Hier zeigt sich der große Nachteil, der amerikanischen Mentalität wie „Das Glas ist immer halb voll" oder „Amerika ist das tollste Land der Welt".
Die Republikaner verhalten sich geradezu lächerlich, mit ihrer absoluten Ablehnung von Steuererhöhungen. Das ist okay, wenn dafür die Ausgaben gekürzt werden. Aber Washington ist nicht in der Lage, die Ausgaben zu reduzieren. Warum? Weil 51% aller Amerikaner inzwischen von den jährlichen Ausgaben der Regierung abhängig sind