Die zwei Wahlmöglichkeiten der US-Regierung
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 11. Mai 2011, 07:30 Uhr
ENL5454
Die US-Regierung ist über eine Hürde gekommen. Die Schulden-Obergrenze verhinderte nicht, dass die Regierung weiter arbeiten kann. Es gab eine entsprechende Vereinbarung, Sie haben es vielleicht mitbekommen.
Aber das ist nicht das Ende der Geschichte - sondern nur der Anfang. Die New York Times berichtet:
Die Republikaner im US-Kongress möchten Zusagen der Regierung, bevor sie der Erhöhung der Schulden-Obergrenze von 14,25 Billionen Dollar zustimmen - ein Schritt, der bereits nach fünf Wochen (nach Erhöhung der Grenze) notwendig geworden ist. Präsident Obama und die Demokraten im Senat werden stärkeren Ausgabenkürzungen für nächstes Jahr zustimmen müssen, als sie bereits mit den vereinbarten 38-Milliarden-Dollar-Kürzungen (...) beschlossen worden waren."
Die Republikaner haben auch signalisiert, dass sie wieder einmal fundamentale Änderungen der Gesundheitspolitik möchten, sowie in Bezug auf die Umwelt, die Abtreibungsrechte und weitere Dinge - als Preis für ihre Unterstützung bei der Erhöhung der Schulden-Obergrenze.
In einem Brief teilte der US-Finanzminister Timothy F. Geithner mit, dass die Regierung spätestens am 16. Mai die Schulden-Obergrenze erreichen wird. Er beschrieb außerordentliche Maßnahmen" - darunter das Bewegen von Mitteln innerhalb diverser Konten der Bundesregierung....welche Zeit bis zum 8. Juli kaufen könnte.
Sobald die Obergrenze einmal erreicht ist, dürfte das Finanzministerium noch nicht einmal mehr zur Ablösung alter Schulden neue Schulden aufnehmen. Letztlich würde das die US-Regierung in die Zahlungsunfähigkeit treiben.
Die Auswirkungen eines solchen Ereignisses würden sowohl wirtschaftlicher als auch politischer Natur sein, vom Anleihenmarkt würden sie sich in die Leben der normalen Bürger auswirken. In Form höherer Zinsen und finanzieller Ungewissheit, der Art, dass die Wirtschaft mehr als drei Jahre nach Beginn der Rezession immer noch in der Rezession ist.
Hier ist die Geschichte, zusammengefasst: Die Regierung gibt mehr aus, als sie an Steuern einnimmt. Fast 100% mehr. Das lässt nur zwei Möglichkeiten...die Ausgaben mit den Einnahmen in Einklang bringen. Durch Steuererhöhungen und/oder Ausgabenkürzungen....
Oder....sich verschulden.
Schulden machen ist erheblich einfacher als die Steuern zu erhöhen oder die Ausgaben zu senken. Deshalb werden die das machen. Vergessen Sie die Tribüne...vergessen Sie das Agit-Prop Theather...
...entweder verschulden...oder den Haushalt ins Gleichgewicht bringen.
Und den Haushalt werden sie nicht ins Gleichgewicht bringen. Weil zu viele Wähler erwarten, dass sie von der Regierung mehr erhalten, als sie an Steuern gezahlt haben. Das ist das ungesagte Versprechen der modernen Wohlfahrtsstaaten:
Lasst uns eure Leben kontrollieren. Wir werden euch mehr geben, als ihr zahlen müsst.
Wie kann man Leuten mehr geben, als sie bezahlt haben? Nur, indem man Geld von jemand anderem nimmt. Aber die Regierungen haben gelernt, dass das starke Besteuern der Reichen das BIP verringert und damit den Betrag an Geld, den man an die Wähler verteilen kann. Deshalb haben sie sich daran gemacht, die nächste Generation zu besteuern.
Die kann nämlich noch nicht wählen.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von David (11.05. 2011 07:58 Uhr):
"Lasst uns eure Leben kontrollieren. Wir werden euch mehr geben, als ihr zahlen müsst." Super kompakte Zusammenfassung des (per Fiat Money) zugrundegerichteten Wohlfahrtsprinzips.
Antworten - Kommentar von Sailor Jo (11.05. 2011 08:22 Uhr):
Die USA sind ein miserables Gebilde von Individualinteressen. Das ging gut, solange im Land produziert wurde. Seit dem beruechtigten out sourcing ist die Armut wieder eingekehrt. Das hat zu Sozialausgaben gefuehrt, die politisch motiviert sind. Es geht nicht um die Loesung von Problemen sondern um die Wiederwahl. Trotzdem sind die USA kein Wohlfahrtsstaat. Im Gegenteil. Die Buerger werden misshandelt und gleichzeitig patriotisch hypnotisiert. Ich lebe in den USA weil meine Frau aus familiaeren Gruenden bleiben moechte. Andernfalls waere ich schon lange weg. Ich bin 68 und kann keine Gesundheitsversicherung bekommen. Ein Versicherungsagent fand Lloyds of London als einzig moeglichen Versicherer fuer mich. Der Brutalkapitalismus steht im krassen Gegensatz zu den meist umgaenglichen Menschen. Da diese einer permanenten Gehirnwaesche unterzogen werden, merken sie nicht wie miserabel ihr Land ist und halten die USA fuer das "beste Land der Welt". Daher gibt es trotz aller Probleme keine Unruhen.
Antworten - Kommentar von Dr Heinemann (11.05. 2011 14:58 Uhr):
Liebe Leser, es ist wirklich egal, wieviel Schulden die USA machen. Sie sollen in die Insolvenz gehen. Darauf warte ich. Sehen wir es doch einmal so: Sie treten überall als Weltpolizist auf. Das kostet viel Geld. Sie schießen auf alles, was sich bewegt ohne Justizurteil. Menschen sind ihnen NICHTS Wert und wenn sie eben Geld brauchen, drucken sie es. Sie reden doch immer vom Geld machen, diese Gauner, die mit Papier die ganz Welt betrügen. Nur der ist ein bisschen eingeschränkt in der Wahrnehmung, der für dieses grüne Papiergeld etwas gibt. Das Dollarsystem wird sowieso zusammen brechen. Das habe ich hier schon oft. geschrieben. Bitte erinnern Sie sich. Ich frage mich aber auch, in welchem Bundeslumpenladen wir leben. Da gibt es so eine Apothekerpartei, die schiebt die Figuren, die sich Miniminister nennen so einfach hin und her. Jetzt installieren sie in allen Ämtern lauter Minderjährige. "Super", wie wir in Bayern sagen. Diese Apothekerpartei hat es jetzt geschafft, einen Arzt als Wirtschaftsminiminister zu benennen. Was wird dieser Arzt als erstes machen? Kaiserschnitt in der Wirtschaft? Was könnte das sein? Vielleicht stellt er die Krankenkassen auf Kernkraftwerksbetrieb um oder er verordnet auf Rezept für jeden Bundesbürger 100 Liter Benzin? Ja, hat denn Teflon-Merkel gar nichts mehr zu sagen. Ich war so naiv zu glauben, eine Bundeskanzlerin könne selbst festlegen, wer bei ihr am Kabinettstisch sitzt. Aber wir müssen uns klar machen, eine Teflon-Kanzlerin kann nicht alles bestimmen. Schließlich leben wir in einer Parteiendiktatur. Vergessen wir das nie und schaffen wir diese Diktatur endlich ab. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag. Ihr Dr. H.
Antworten - Kommentar von M Haggenmacher (11.05. 2011 16:13 Uhr):
Sehr geehrter Herr Bonner, ich verstehe nicht, warum eine höhere Besteuerung der Reichen das B IP verringern soll, die würden doch deshalb nicht weniger konsumieren etc. So, wie Sie es formulieren, wäre ein niedrigeres BIP auch der Grund für weniger Geld, das zu verteilen wäre. Für mich hängt die zu verteilende Summe vom Steuersatz und nicht vom BIP ab, Schulden machen natürlich einmal ausgeschlossen.
Antworten- Antwort von Peter Harting (11.05. 2011 19:12 Uhr):
Wahrscheinlich ist, dass ein Reicher, a) großkopfert konsumiert (Jachten kauft und ausstattet, Schlösser wie Ludwig II. errichten lässt und sie mit Gesellschaften und Catering füttert), und wenn er davon genug hat, sein Geld in land-, forst und fischwirtschaftliche Produktionsstätten investiert, wodurch das BIP ebenfalls wachsen würde. Es gibt andere Reiche, die lieber ins Casino oder an die Börse gehen. Aber diejenigen, die als Reiche überleben wollen, werden die Basis der Volkswirtschaften erweitern.
- Antwort von Franz Müller (12.05. 2011 23:15 Uhr):
In der Tat ist diese Aussage grober Unfug. Während die Einnahmen der Reichsten zu einem hohen Prozentsatz wiederveranlagt werden und in Finanzanlagen fliessen, wandern die Einnahmen der ärmsten Schichten praktisch zur Gänze in den Konsum und kurbeln die Nachfrage und damit die Wirtschaft an. Gewinnbringende Investitionen in neue Unternehmen machen die, die über viel Geld verfügen, ohnehin in dem Ausmass, in dem sie es handhaben können, der Rest sorgt nur für weitere Blasen am Finanzmarkt - wenn ihnen höhere Steuern ihren Gewinn etwas schmälern, wird sich das bei Investitionen nicht sehr auswirken, auf jeden Fall aber viel weniger, als wenn armen Menschen etwas weggenommen wird.
- Antwort von Peter Harting (11.05. 2011 19:12 Uhr):