Die Woche im Rückblick
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Börse
vom 12. August 2011, 20:30 Uhr
ENL5454
Nach den massiven Abverkäufen der vergangenen Woche verzeichneten die Aktienmärkte auch in dieser Woche weitere Verluste, trotz leichter Erholung zum Ende der Woche. Der DAX verlor rund 3,8% gegenüber dem Schlusskurs der Vorwoche. Der Nikkei büßte 3,6% ein im Wochenvergleich. Der Shanghai Composite gab rund 1,3% nach im Vergleich zur Vorwoche. Und der Dow Jones notiert aktuell mit 1,1% im Minus im Wochenvergleich.
Konjunkturdaten
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ist der Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland im Juni um 6,2% gegenüber dem Vorjahresmonat bereinigt gestiegen, nach einem Plus von 6% im Vormonat. Der Inlandsumsatz stieg um 5,6% und der Umsatz mit dem Ausland um 6,8%. Gegenüber dem Vormonat ergibt sich ein Plus von 0,1%, nach einem Minus von 0,9% im Vormonat. Wie das Statistische Bundesamt überdies bekannt gab, ist der deutsche Außenhandelsüberschuss im Juni von 14,3 Milliarden EUR im Vorjahresmonat auf 12,7 Milliarden EUR gesunken. Nach vorläufigen Angaben der Bundesbank ist der Leistungsbilanzüberschuss in Deutschland im Juni von 3,4 Milliarden EUR im Vorjahresmonat auf 11,9 Milliarden EUR gesunken. Die Exporte steigen dabei um 3,1% und die Importe um 6%. Dabei stiegen die Exporte in die EU um 4,3% und die Importe um 11,4%, die Exporte in die Eurozone wuchsen um 4,7% und die Importe um 12,6%. Destatis gab überdies bekannt, dass die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im Mai um 6,7% gegenüber dem Vorjahresmonat auf 14.375 gestiegen ist. Hierbei sank die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 3%, die Zahl anderer Schuldner wuchs dagegen um 9,1%. Die Anzahl der Insolvenzanträge privater Verbraucher stieg um 9,7%. Die Summe der offenen Forderungen wurde auf 3,5 Milliarden EUR beziffert, das entspricht der Summe des Vorjahresmonats. In den ersten 5 Monaten des Jahres 2011 sank die Zahl der Insolvenzen um 3,8%. Destatis gab überdies bekannt, dass die Verbraucherpreise in Deutschland im Juli um 2,4% gestiegen sind gegenüber dem Vorjahr, nach einer Jahresteuerungsrate von 2,3% im Vormonat. Destatis teilte zudem mit, dass die deutschen Großhandelsverkaufspreise im Juli um 8,2% gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen sind, nach einer Jahresteuerungsrate von 8,5% im Vormonat.
Wie Eurostat bekannt gab, ist die Industrieproduktion in der Eurozone im Juni um 0,7% gesunken gegenüber dem Vormonat, nach einem Plus von 0,2% im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich ein Plus von 2,9%. Für die EU27 ergibt sich ein Rückgang um 1,2% gegenüber dem Vormonat, für Juni, nach einem Plus von 0,2% im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr stieg die EU27-Industrieproduktion um 1,7%.
Wie die Banque de France bekannt gab, hat sich das Geschäftsklima im französischen Industrie- und Service-Sektor im Juli verschlechtert. Der entsprechende Index sank von 99 Punkten im Vormonat auf 98 Punkte. Die Notenbanker gehen überdies für das 3.Quartal von einem Wirtschaftswachstum von 0,2% auf für Frankreich. Wie die nationale französische Statistikbehörde Insee bekannt gab, ist die französische Industrieproduktion im Juni um 1,6% gegenüber dem Vormonat gesunken, nach einem Plus von 1,9% im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich allerdings ein Plus von 2,1%. Die Banque de France gab überdies bekannt, dass das französische Leistungsbilanzdefizit im Juni von 5,5 Milliarden EUR im Vormonat auf 3,4 Milliarden EUR gesunken ist. Das Handelsbilanzdefizit sank von 7,5 Milliarden EUR auf 5,8 Milliarden EUR. Der Dienstleistungsbilanzüberschuss stieg von 800 Millionen EUR auf 1,5 Milliarden EUR. INSEE gab zudem bekannt, dass die französischen Verbraucherpreise im Juli um 1,9% gestiegen sind gegenüber dem Vorjahr, nach einer Jahresteuerungsrate von 2,1% im Vormonat. Überdies gab INSEE bekannt, dass die französische Wirtschaft im 2.Quartal um 0,9% gewachsen ist, nach einem BIP-Wachstum von 0,9% im 1.Quartal. INSEE teilte überdies mit, dass die Zahl der Beschäftigten in Frankreich im 2.Quartal um 68.300 auf gegenüber dem Vorquartal und um 210.600 gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen ist. Im 1. Quartal hatte die Beschäftigung um 58.200 gegenüber dem Vorquartal zugenommen.
Wie die italienische Statistikbehörde Istat bekannt gab, ist das italienische Außenhandelsdefizit im Juni von 3,2 Milliarden EUR im Vorjahresmonat auf 1,8 Milliarden EUR gesunken. Hierbei stiegen die Exporte um 8,1% und die Importe um 3,2%. Istat teilte ferner mit, dass die italienischen Verbraucherpreise im Juli um 2,7% gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen sind, nach einer Jahresteuerungsrate von 2,7% im Vormonat.
Wie die nationale spanische Statistikbehörde INE bekannt gab, sind die spanischen Verbraucherpreise im Juli um 3,1% gegenüber dem Vorjahr gesunken, nach einer Jahresteuerungsrate von 3,2% im Vormonat.
Wie die nationale portugiesische Statistikbehörde bekannt gab, ist das portugiesische Handelsbilanzdefizit im 2.Quartal von 5,56 Milliarden EUR auf 4,25 Milliarden EUR gesunken. Die Exporte stiegen hierbei um 17,4% und die Importe um 1,9%.
Wie die nationale griechische Statistikbehörde bekannt gab, ist die griechische Industrieproduktion im Juni um 13,1% gegenüber dem Vorjahresmonat gesunken, nach einem Minus von 4,1% im Vormonat. Gegenüber dem Vormonat ergibt sich dagegen ein Plus von 2%. Wie die nationale griechische Statistikbehörde bekannt gab, ist die griechische Arbeitslosenquote im Mai von 15,8% im Vormonat auf 16,6% gestiegen. Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 36,6% gegenüber dem Vorjahresmonat auf 822.719. Die griechische Statistikbehörde gab überdies bekannt, dass das griechische BIP im 2.Quartal um 6,9% gegenüber dem Vorjahresquartal geschrumpft ist, nach einem Minus von 8,1% im 1.Quartal.
Wie das Royal Institute of Chartered Surveyors mittelte, hat sich der Immobilienmarkt in UK im Juli weiter abgekühlt. Der entsprechende RICS-Immobilienpreissaldo belief sich auf -22%, nach -26% im Vormonat. Wie National Statistics bekannt gab, ist die britische Industrieproduktion im Juni um 0,3% gesunken gegenüber dem Vorjahresmonat, nach einem Minus von 0,9% im Vormonat. Das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete eine Produktionssteigerung um 2,1% gegenüber dem Vorjahresmonat, nach +2,8% im Vormonat. National Statistics gab überdies bekannt, dass das britische Handelsbilanzdefizit im Juni von 8,5 Milliarden GBP im Vormonat auf 8,9 Milliarden GBP gestiegen ist. Hierbei sanken die Exporte um 4,8% und die Importe um 2,4%. Das Handels- und Dienstleistungsbilanz-Defizit stieg von 4 Milliarden GBP im Vormonat auf 4,5 Milliarden GBP.
Wie die nationale tschechische Statistikbehörde CSU bekannt gab, ist die tschechische Industrieproduktion im Juni um 7,4% gewachsen gegenüber dem Vorjahresmonat, nach einem Plus von 15,2% im Vormonat. Gegenüber dem Vormonat ergibt sich so ein Minus von 1,9%. CSU gab darüber hinaus bekannt, dass der tschechische Handelsbilanzüberschuss im Juni von 8,1 Milliarden CZK im Vorjahresmonat auf 17,6 Milliarden CZK gestiegen ist. Hierbei stiegen die Exporte um 9,6% und die Importe um 5,5%. Wie das tschechische Arbeitsministerium bekannt gab, ist die Zahl der Arbeitslosen in Tschechien im Juli um 6.809 gegenüber dem Vormonat auf 485.584 gestiegen. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 8,2%. Nach Angaben von CSU sind die tschechischen Verbraucherpreise im Juli um 1,7% gestiegen gegenüber dem Vorjahr, nach einer Jahresteuerungsrate von 1,8% im Vormonat.
Wie die nationale ungarische Statistikbehörde KSH mitteilte, ist der ungarische Handelsbilanzüberschuss im Juni von 569,1 Millionen Euro auf 615 Millionen Euro gestiegen. Die Exporte stiegen dabei um 3,2%, die Importe um 2,6%. Wie das nationale ungarische Statistikamt mitteilte, ist die ungarische Industrieproduktion im Juni 1,4% gegenüber dem Vorjahr gesunken, nach einem Plus von 7,3% im Vormonat.
Wie das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) bekannt gab, ist die Zahl der Arbeitslosen in der Schweiz im Juli um 1.178 gegenüber dem Vormonat auf 109.200 gesunken. Das entspricht einem Rückgang von 31.130 gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 2,8%. SECO gab überdies bekannt, dass sich das Schweizer Konsumklima zwischen April und Juli weiter abgeschwächt hat. Der entsprechende Index sank von -1 im April auf -17. Hierbei verschlechterten sich die Erwartungen der Konsumenten hinsichtlich der Entwicklung der Wirtschaftslage, der Entwicklung der Arbeitslosenzahlen und der persönlichen finanziellen Lage. Lediglich die Erwartungen der künftigen Sparmöglichkeiten wurden positiver beurteilt.
Wie die russische Statistikbehörde Rosstat bekannt gab, ist das russische BIP im 2.Quartal um 3,4% gewachsen gegenüber dem Vorjahresquartal, nach einem Plus von 4,1% im 1.Quartal.
Der OECD-Frühindikator für die 30 Mitgliedsländer ist im Juni von 102,5 Punkten im Vormonat auf 102,2 Punkte gesunken. Der Indikator für die USA sank um 0,2 Punkte auf 103,1, jener für die Eurozone um 0,6 Punkte auf 101,5 und der für Deutschland um 0,6 Punkte auf 102,9 Punkte.
Die Ratingagentur S&P hat das Kreditrating der USA von AAA auf AA+ abgestuft. Der Ausblick bleibt negativ. Wie das US-Arbeitsministerium mitteilte, ist die US-Produktivität im 2.Quartal um 0,3% gegenüber dem Vorquartal gesunken, nach einem Minus von 0,6% im 1.Quartal. Die Lohnstückkosten stiegen gegenüber dem Vorquartal um 2,2%, nach einem Plus von revidiert 4,8% im Vorquartal. Wie die Mortgage Bankers Association of America (MBA) mitteilte, ist in der Woche zum 05. August die Zahl der Hypothekenanträge in den USA gestiegen. Der entsprechende Index stieg um 21,7%, nach einem Plus von 7,1% in der Vorwoche. Der durchschnittliche Zinssatz für 30-jährige Hypotheken sank auf 4,37%. Wie das US-Handelsministerium bekannt gab, sind die US-Lagerbestände im Großhandel im Juni um 0,6% gegenüber dem Vormonat gestiegen, nach einem Plus von 1,7% im Vormonat. Wie das US-Finanzministerium mitteilte, belief sich das Haushaltsdefizit des US-Bundeshaushalts im Juli auf 129,4 Milliarden USD - das entspricht dem 34. Defizit in Folge. Die Ausgaben lagen bei 288 Milliarden USD, die Einnahmen bei 159 Milliarden USD. In den ersten 10 Monaten des Fiskaljahres liegt das Haushaltsdefizit damit bei 1,1 Billionen USD. Für das Gesamtjahr erwartet das CBO ein Defizit von 1,48 Billionen USD, nach einem Defizit von 1,29 Billionen USD im Vorjahr. Wie das US-Handelsministerium mitteilte, ist das US-Handelsbilanzdefizit im Juni um 4,4% gegenüber dem Vormonat auf 53,1 Milliarden USD gestiegen. Hierbei handelt es sich um das größte Defizit seit Oktober 2008. Hierbei sanken die Exporte um 2,3% und die Importe um 0,86%. Wie das US-Arbeitsministerium bekannt gab, ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Woche bis zum 06. August um 7.000 auf 395.000 gesunken. Für die Vorwoche wurde der zunächst ermittelte Wert von 400.000 auf 402.000 nach oben korrigiert. Das US-Handelsministerium teilte überdies mit, dass die US-Einzelhandelsumsätze im Juli um 0,5% gegenüber dem Vormonat gestiegen sind, nach einem Plus von 0,3% im Vormonat. Nach Angaben der Universität Michigan hat sich die Stimmung der US-Verbraucher im August verschlechtert. Der entsprechende Index sank von 63,7 Punkten im Vormonat auf 54,9 Punkte. Das US-Handelsministerium gab zudem bekannt, dass die Lagerbestände in den US-amerikanischen Industrie- und Handelsunternehmen im Juni saisonbereinigt um 0,3% gegenüber dem Vormonat gestiegen sind, nach einem Plus von 0,9% im Vormonat.
Wie Statistics Canada bekannt gab, ist das kanadische Handelsbilanzdefizit im Juni von 2,03 Milliarden CAD im Vorjahresmonat auf 1,56 Milliarden CAD gesunken. Hierbei fielen die Exporte um 1,7% und die Importe um 0,2%.
Wie das nationale Statistikamt IBGE bekannt gab, sind die brasilianischen Einzelhandelsumsätze im Juni um 7,1% gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen, nach einem Plus von 6,3% im Vormonat. Gegenüber dem Vormonat ergibt sich ein Plus von 0,2%.
Wie die nationale chinesische Statistikbehörde bekannt gab, sind die chinesischen Verbraucherpreise im Juli um 6,5% gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen, nach einer Jahresteuerungsrate von 6,4% im Vormonat. Ferner gab die Statistikbehörde bekannt, dass die chinesischen Erzeugerpreise im Juli um 7,5% gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen sind, nach einer Jahresteuerungsrate von 7,1% im Vormonat. Die Statistikbehörde gab zudem bekannt, dass die chinesische Industrieproduktion im Juli um 14% gegenüber dem Vorjahresmonat gewachsen ist, nach einem Plus von 15,1% im Vormonat. Überdies teilte die Statistikbehörde mit, dass die chinesischen Einzelhandelsumsätze im Juli um 17,2% gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen sind, nach einem Plus von 17,7% im Vormonat. Wie die chinesische Regierung bekannt gab, ist der chinesische Handelsbilanzüberschuss im Juli von 22,27 Milliarden USD im Vormonat auf 31,48 Milliarden USD gestiegen. Die Exporte zogen um 20,4% an gegenüber dem Vorjahr, die Importe um 22,9%.
Wie das japanische Finanzministerium mitteilte, ist der japanische Leistungsbilanzüberschuss im Juni von 590,7 Milliarden JPY im Vormonat auf 526,9 Milliarden JPY gesunken. Das entspricht einem Rückgang von 50,2% gegenüber dem Vorjahresmonat. Wie das japanische Kabinettsbüro bekannt gab, hat sich das japanische Verbrauchervertrauen im Juli verbessert. Der entsprechende Index stieg von 35,3 Punkten im Vormonat auf 37 Punkte. Wie das japanische Wirtschaftsministerium mitteilte, hat sich die Stimmung im japanischen Dienstleistungssektor im Juni verbessert. Der entsprechende Dienstleistungsindex stieg um 1,9% gegenüber dem Vormonat, nach einem Plus von 0,9% im Vormonat. Wie die japanische Regierung mitteilte, sind die Auftragseingänge im japanischen Maschinenbau im Juni saisonbereinigt um 7,7% gegenüber dem Vormonat gestiegen, nach einem Anstieg um 3% im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergibt sich ein Anstieg um 17,9%. Wie das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) bekannt gab, ist die japanische Industrieproduktion im Juni um 1,7% gegenüber dem Vorjahresmonat gesunken, nach einem Minus von 5,5% im Vormonat. Gegenüber dem Vormonat ergibt sich ein Plus von 3,8%.
Wie das indische Handelsministerium mitteilte, ist das indische Handelsbilanzdefizit im Juli von 7,66 Milliarden USD auf 11,1 Milliarden USD gestiegen. Hierbei stiegen die Exporte um 82% gegenüber dem Vorjahresmonat und die Importe um 51,5%. Wie die nationale indische Statistikbehörde mitteilte, ist die indische Industrieproduktion im Juni um 8,8% gegenüber dem Vorjahr gestiegen, nach einem Plus von 7,4% im Vorjahresmonat.
Wie das taiwanesische Finanzministerium bekannt gab, ist der taiwanesische Handelsbilanzüberschuss im Juli von 1,38 Milliarden USD im Vormonat auf 3,3 Milliarden USD gestiegen. Die Exporte legten um 17,6% zu, die Importe um 14%.
Devisen
Lesen Sie folgenden Auszüge aus meinen Beiträgen im Devisen-Monitor vom 10.08 und 12.08.2011:
"Ben Bernanke hat den Märkten ein Trostpflaster hingeworfen. Ob es ausreichen wird? Man wird sehen. Aber die Hoffnungen auf weitere Pflaster sind gestiegen.
Bernankes Zins-Trostpflaster
Gestern hatte ich mir im Rohstoff Daily bereits Gedanken darüber gemacht, was der Markt von FED-Chef Bernanke erwarten könnte.
Nach über einer Woche an massiven Abverkäufen zeigten sich gestern bereits vor den öffentlichen Aussagen des FED-Chefs erste Gegenreaktionen. Die Hoffnungen des Marktes ruhten auf einem QE3 oder zumindest etwas, das in die Richtung sich weiter öffnender Liquiditätsschleusen zeigt.
Gestern vermutete ich im Rohstoff Daily:"...ich schätze der Gute muss heute noch nicht einmal schon QE3 ankündigen, es dürfte wohl ausreichen wenn er erst einmal nur ein paar Maßnahmen in Richtung lockere Geldpolitik ankündigt und eine Straffung der Geldpolitik in die ferne Zukunft verschiebt."
Und tatsächlich...nachdem die Märkte zunächst noch einmal kurz abgesackt waren, sickerte schließlich die Bedeutung der Worte des FED-Chefs zu den Marktteilnehmern durch und die Marktstimmung durfte sich etwas aufhellen.
Doch nun konkret: Was hat Bernanke gestern eigentlich gesagt?
Nun zunächst einmal gab es noch kein konkretes Bekenntnis zu einem QE3 (deshalb im ersten Moment Enttäuschung). Doch die Enttäuschung wehrte nicht lange, denn Bernankes Aussage zur Zinspolitik ist überaus bemerkenswert. (abgesehen davon, dass die FED an ihrem aktuellen Anleihen-Kaufprogramm, wobei sie die Einnahmen aus auslaufenden Wertpapieren reinvestiert, natürlich fortsetzen wird..)
Die FED belässt die Niedrigzinsen in einer Spanne zwischen 0 und 0,25% (so weit nicht ungewöhnlich) allerdings ganz konkret bis 2013. Das ist umso bemerkenswerter, da die FED noch niemals zuvor ein konkretes Datum für ihre Zinspolitik festgelegt hat.
Aber das ist noch nicht alles. Bernankes Aussagen zur US-Wirtschaft waren zudem extrem negativ. Das Wachstum schwächer als erwartet, die Entwicklung im Arbeitsmarkt unbefriedigend und der Immobilienmarkt weiterhin schwach. Derartige Offenheit ist durchaus angebracht, zumal allein der Börsencrash der letzten Woche eine zusätzliche Belastung für die Wirtschaft darstellen wird. Hohe Verluste und kein besonders hohes Vertrauen der Banken untereinander dürften die Kreditvergabe weiter erschweren und Investitionen zurückhalten.
Der springende Punkt allerdings ist: mit einer derart offen dargestellten negativen Perspektive für die US-Wirtschaft, wachsen im Umkehrschluss die Hoffnungen der Marktteilnehmer darauf, dass der FED am Ende doch nichts anderes mehr übrig bleiben wird, als das nächste QE3 zu implementieren. Die Chancen dafür sind allemal gestiegen."
"EUR/USD im Nebenschauplatz
Intraday mag es zwar hoch und runter gehen, aber übergeordnet fristet EUR/USD weiterhin sein Dasein im Nebenschauplatz. Ohne entscheidende Impulse für oder gegen die eine oder andere Währung, dürfte sich dieses Bild auch nicht so rasch ändern.
Französische Gerüchteküche
Nach den Gerüchten um einen Downgrade der französischen Bonität, wurden schließlich die französischen Banken genauer unter die Lupe genommen. Die Pleite-Gerüchte um französische Banken mögen überzogen gewesen sein, allerdings: in vielen Gerüchten steckt oft genug ein Körnchen Wahrheit.
Die Wahrheit ist: die Situation der Banken darf nicht ohne Sorgen interpretiert werden, für echte Panik mag es dennoch zu früh sein.
Nach den massiven Abverkäufen handeln viele europäische und US-amerikanische Banken-Titel deutlich unter Buchwert. Dies ist aber auch ein Hinweis darauf, dass die Investoren die Notwendigkeit der Institute ihr Kapital aufzustocken, deutlicher sehen, als die Banken selbst.
Tatsächlich fällt es den Banken (vor allem den europäischen) zunehmend schwerer sich gegenseitig Geld zu verschaffen. Immer mehr Geld wird vor allem in Europa bei der EZB geparkt. Der Tedspread erreichte diese Woche schon ein neues Hoch.
Obwohl die Lage längst nicht so extrem ist, wie während der Panik im Interbankenmarkt in 2008, ist sie angespannt.
Hierbei ist die Nervosität in Bezug auf französische Banken deutlich höher, da diese sich zu einem Großteil über vergleichsweise kurzfristige Kredite refinanzieren.
Sehr vorsichtige Banken haben schon damit begonnen, ihre Geschäfte mit anderen Banken einzuschränken.
Leerverkaufsverbot könnte nach hinten los gehen
Der Interbankenmarkt mag noch nicht ganz so panisch betrachtet werden dürfen, wie in 2008, aber die Lage sollte (und wird ganz offenbar auch) mit wachsender Besorgnis betrachtet.
Und wieder reagieren die Staaten, ganz ähnlich wie in 2008, mit Maßnahmen, welche ihre Hilflosigkeit deutlich machen.
Wie in 2008 haben nun schon die ersten 4 Staaten ein Leerverkaufsverbot eingeführt. Das Paradoxe: da solche Verbote immer nur in Krisenphasen eingeführt werden, ist das Bild, welches Frankreich, Spanien, Italien und Belgien hier zeichnen, nicht gerade das Beste.
Abgesehen davon sind Leerverkaufsverbote noch nie dazu angetan gewesen, nachhaltig unerwünschte Ereignisse aufzuhalten, denn Leerverkäufe gehören zu einem funktionierenden Markt dazu.
Was die Staatenlenker aber leider in keinster Weise verstanden haben, ist, dass die Mehrheit der Leerverkäufer von Finanztiteln nicht böse Spekulanten sind, sondern andere Banken, die sich so gegenüber ihrem Gegenpartei-Risiko absichern. Wer das aber nicht mehr kann, dürfte sich zweimal überlegen, ob er das Risiko mit der Gegenpartei überhaupt noch eingehen will.
Es bleibt also nur zu hoffen, dass der staatliche Schuss nicht auch diesmal wieder nach hinten los geht und die Lage im Interbankenmarkt nur noch verschlimmert.
Nun ja, zumindest EUR/USD interessiert das alles herzlich wenig.
Das Währungspaar handelt weiterhin völlig losgelöst von richtungsweisenden Impulsen und nur geschaukelt von allem was so die Stimmung beeinflusst. Die Range zwischen 1,4100 und 1,4400 dürfte daher wohl auch weiterhin vorerst Bestand haben.
EUR/CHF: warten auf die SNB!
Dagegen spielt sich die Action dieser Tage nach wie vor vornehmlich im Schweizer Franken ab. Der Schweizer Franken, Profiteur von allen Krisen, handelte am Mittwoch noch bei 1,0253 Franken gegenüber dem Euro, bevor Verbalinterventionen es endlich vermochten dem Währungspaar neuen Auftrieb zu verleihen.
SNB-Vize bringt Intervention ins Spiel
Die Schweizer Wirtschaft ächzt unter der dramatischen Aufwertung des Schweizer Frankens. Dessen sind sich alle bewusst. Doch die bisherigen Maßnahmen der SNB (Leitzinssenkung, Liquidität erhöhen durch steigende Sichtguthaben und Devisen-Swaps) konnten den Anstieg des Frankens nicht aufhalten.
Bis SNB-Vize-Präsident Thomas Jordan ins Spiel kam und zu bedenken gab, man könne ja durchaus damit beginnen den Wechselkurs zu beeinflussen. Dabei würde ein Wechselkursziel an den Euro angestrebt.
Alles wartet auf Hildebrand
Die Aussicht auf eine mögliche Kopplung des Frankens an den Euro hat die Marktteilnehmer beflügelt. EUR/CHF handelte heute wieder kurzzeitig über 1,10. Damit beweist der Markt Vertrauen in die Handlungsbereitschaft der SNB (und damit im Übrigen größeres Vertrauen, als in die FED oder EZB).
Diesen Vertrauensvorschuss allerdings muss sich die SNB jetzt auch verdienen. Der Markt wartet im Grunde explizit auf entsprechende Ankündigungen - gelegen kämen solche am besten am Sonntag.
Allerdings wird solch eine FX-Intervention nicht gerade günstig und die SNB ist auch nicht gerade die größte Notenbank der Welt. Am sinnvollsten wäre dementsprechend eine gemeinsame Aktion mit der EZB - gegen gleich zwei Notenbanken dürfte es der Markt dann nicht mehr so leicht aufnehmen wollen.
Wie auch immer - auf SNB-Chef Hildebrand kommt was zu am Wochenende. Sollte er die Märkte dabei enttäuschen, wird es der Franken wohl mit einer heftigen Aufwertung büßen müssen.
Ich schätze die SNB könnte vielleicht zunächst eine Untergrenze bei 1,15 bis 1,20 anstreben - aber man wird sehen. Sollte Hildebrand die Hoffnungen des Marktes enttäuschen, könnte das Level bei 1,04 EUR/CHF wieder neue Realität werden."
Aktuell notiert EUR/USD bei 1,4246 und EUR/CHF bei 1,1045.
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