Die Wirtschaft ist in der Entzugsklinik
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 11. November 2008, 07:30 Uhr
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Ende der Woche folgte eine Erholung nach dem Sieg Obamas.
Der Weltmarkt hat sich gegenüber den Niederlagen von Oktober erholt. Der Morgan Stanley Index, der die Leistungen des Kapitalmarktes überall auf der Welt bemisst, ist gegenüber dem Tiefstwert von vor zwei Monaten um 20% gestiegen. Aber am Donnerstag mussten die Aktien schon wieder eine Niederlage einstecken.
... mit einem großen Einbruch des Dow... Minus 486 Punkte.
Und die schlechten Nachrichten kommen auch weiterhin.
Die Autoverkäufe von GM sind im Oktober um 45% gefallen - selbst der Preis von Benzin ist in den Vereinigten Staaten auf drei Dollar zurückgefallen.
Von Mastercard heißt es, dass die Verbraucher mit ihrem Geld strenger werden.
Luxuskäufe sind scharf eingebrochen", fügt das Wall Street Journal hinzu.
Zwangsvollstreckungen sind in Miami, New York und Seattle gestiegen.
Und 157.000 Leute wurden in den Vereinigten Staaten im vergangenen Monat entlassen - das ist fast der höchste Wert in sechs Jahren.
Aus England berichtet die Financial Times:
Besonders beachtlich war an den Ereignissen der letzten Tage, wie plötzlich die Unternehmen in Schwierigkeiten gerieten."
Der Boden ist gerade erst herausgefallen", zitiert die Zeitung einen Experten für die Beschäftigungszahlen.
Selbst der Papst schränkt sich ein. Das Folgende stammt von Bloomberg:
Zum ersten Mal in fast einem halben Jahrhundert, wird das Verwaltungspersonal im Vatikan die Uhr stechen, als Teil eines rigorosen Vorgehens gegen Faulenzer. Das ist ein Zeichen, dass sich diese weltweite Finanzkrise nun auch auf den kleinsten Staat der Welt ausgedehnt hat.
"Das Uhrstechen wurde 1960 unter Papst Johannes XXIII verworfen. Beginnend mit dem 1. Januar, wird dieses Verfahren zurückkehren. All die Angestellten des Heiligen Stuhls werden magnetische Karten bekommen und gezwungen, die Uhr zu stechen, wenn sie zur Arbeit kommen und wieder gehen, um so ihre Bewegungen zu verfolgen und sicher zu stellen, dass sie den gesamten Tag arbeiten, sagte ein Sprecher des Vatikan, der nicht beim Namen genannt werden will.
Wir können uns keine Verschwendung mehr leisten, erzählte Bischof Renato Boccardo, Sekretär der Governatorats des vatikanischen Stadtstaats der Zeitung. Es gibt sehr viel Arbeit, die erledigt werden muss und die finanzielle Situation erlaubt es uns nicht, noch mehr Personal einzustellen."
Was ist hier los?
Wir wollen es so ausdrücken:
Die Wirtschaft ist in der Entzugsklinik
Yeah, yeah, yeah...
Und hier greife ich die Erklärung von gestern noch einmal auf...
Doch vorher möchte ich den Augenblick noch nutzen, um an Marcus Aurelius zu denken. Obama hat bislang meine Hilfs-Hotline" noch nicht angerufen, um sich beratschlagen zu lassen. Aber wenn er es tut, dann werde ich ihm vorschlagen, dass er Marcus Aurelius Betrachtungen liest.
Obama hat versprochen, etwas zu ändern. Dieser Teil wird leicht sein, es ändert sich alles schnell. Das Problem ist nur, dass es sich nicht so ändert, wie er gerne hätte.
Als Marcus Aurelius Kaiser war, erlebte Rom auch einige große Veränderungen. Es gab eine Phase der Hungersnöte, des Krieges und der Plagen. Am stärksten verstörte, dass die Barbaren vor den Toren standen. Markus Aurelius verbrachte einen Großteil seiner Karriere damit, sie draußen zu halten.
Aber man kann nicht immer gewinnen. Verluste lassen sich nicht vermeiden. Und Verluste sind nicht unbedingt eine schlechte Sache:
"Ein Verlust ist nichts anderes, als ein Wandel, und am Wandel erfreut sich die Natur", schrieb er.
Wenn Sie sich jetzt fragen, was das damit zu tun hat, dass die Wirtschaft in der Entzugsklinik ist... dann kann ich nur sagen: dasselbe frage ich mich auch!... aber, ach ja... jetzt erinnere ich mich wieder...
In den vergangenen Wochen, habe ich versucht, zu erkennen, was gerade vor sich geht. Ich habe erklärt, dass Korrekturen nicht nur unvermeidlich sind... sie sind auch entscheidend und hilfreich. Wie den Tod, mag sie niemand... aber wie der Tod, lassen die Korrekturen alte Fehler und das morsche Holz verschwinden... und sie geben Raum für neues Leben und neue Fehler.
Am Wandel erfreut sich die Natur", hat Marcus Aurelius geschrieben.
(Der Versuch, Wandel zu unterbinden, entsetzt die Natur hingegen... es ist fast ein Affront gegen Gott selbst. Aber ich will über dieses Thema ein andermal reden...)
Wenn die Leute zu viel Geld leihen, dann kommt irgendwann der Tag, an dem sich alles ändert und sie das Geld werden zurückzahlen müssen.
Und wenn die Party allzu lange allzu wild wird, dann verändern sich die Dinge unvermeidlich und irgendwer landet in der Entzugsklinik. Jetzt folgt auf die wildeste Party in der Geschichte, dass die Weltwirtschaft in die Entziehungskur muss... und sie wird vermutlich lange nicht wieder herauskommen.