Die Wirtschaft im Bann des Bebens: Lanxess und BMW reagieren
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Dax 30
vom 16. März 2011, 14:30 Uhr
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Das Erdbeben in Japan ist längst auch zum Wirtschaftsbeben für die Welt geworden. Nicht nur, dass Japan für unbestimmte Zeit als bedeutender Wirtschaftspartner in vielen wichtigen Bereichen ausfallen wird. Viele deutsche Unternehmen haben Produktionsbetriebe und Vertriebsstandorte in Japan. Doch statt an die finanziellen Ausfälle zu denken, handeln die deutschen Konzernmanager ethisch korrekt. Für sie zählt allein, die deutschen Mitarbeiter aus dem Katastrophengebiet zu holen bzw. ihre japanischen Beschäftigten in Sicherheit zu wissen.
Lanxess macht Tokio-Büros dicht
Lanxess beispielsweise ist gleicht mit drei Standorten in Japan vertreten: ein Büro befindet sich in Tokio, ein Produktionsstandort südwestlich der Landeshauptstadt sowie eine Servicegesellschaft rund 500 Kilometer südwestlich von Tokio. Der Spezialchemiekonzern stellt in Japan Kautschukchemikalien her. Keiner der rund 100 Lanxess-Mitarbeiter sei bei der Katastrophe verletzt worden. Es dürften aber aktuell auch keine deutschen Mitarbeiter nach Japan reisen.
Angesichts der Lage habe man das Büro in Tokio vorübergehend geschlossen. Die Führungskräfte werden nach Angaben des Unternehmens vorerst vom Standort Toyohashi aus arbeiten, an dem die Produktion weiterläuft. Lanxess-Arbeitsdirektor und Vorstandsmitglied Rainier van Roessel erklärte: "Wir haben einen Krisenstab gegründet, der die Lage vor Ort und weitere Entwicklungen zusammen mit dem Landesleiter fortlaufend analysiert."
BMW: Bilanzpressekonferenz im Schatten der Katastrophe
BMW beschäftigt 800 Mitarbeiter in Japan. Der Münchener Autobauer hatte gestern zur Bilanzpressekonferenz geladen. Doch Konzernchef Norbert Reithofer konnte nicht anders, als mit Worten zum Unglück in Japan zu beginnen: "Es fällt außerordentlich schwer, in diesen Tagen zum Alltagsgeschäft überzugehen", sagte er vor Beginn der Pressekonferenz.
Das Unternehmen habe einen Krisenstab eingerichtet. "Niemand weiß, wie sich die Lage weiter entwickelt", sagte Reithofer. Die 50 deutschen Mitarbeiter hätten das Land bereits verlassen. Den heimischen Mitarbeitern werde angeboten, in den Süden des Landes zu reisen, um sich in Sicherheit zu bringen. Der Konzern werde zudem Geld spenden. Japan ist für die Münchener eher ein kleiner Markt. Der Absatz lag hier in 2010 bei 44.000. Das sind rund 3% des weltweiten Absatzes. Angesichts dieser geringen Bedeutung des japanischen Marktes für BMW hält die japanische Nomura die Abstrafung des BMW-Aktienkurses in Folge des Bebens in Japan auch für übertrieben. Diese Rabatte dürften viele kaufwillige Anleger nun zum Einstieg nutzen, so die Einschätzung des Nomura-Analysten.
Abseits dieser traurigen Entwicklungen in Japan konnte der Automobilbauer eine Rekordbilanz präsentieren: BMW hat im Vorjahr erstmals mehr als 60 Mrd. Euro umgesetzt und mit einer auf 8% gestiegenen Rendite auch beim Vorsteuergewinn (4,83 Mrd. Euro) und einem Konzernüberschuss von 3,23 Mrd. Euro einen Unternehmensrekord aufgestellt. Auch die Aktionäre profitieren davon: Pro Stammaktie sollen für 2010 1,30 Euro ausgeschüttet werden - nach 30 Cent für 2009. Norbert Reithofer hob daraufhin die Prognose für 2011 an: Man wolle "deutlich mehr" als 1,5 Mio. Autos weltweit verkaufen.
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