Die Wirtschaft an Wahltagen
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 08. Mai 2008 07:30 Uhr
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Die Zeitungen sind so voll Unsinn und Geschwätz… ich weiß schon nicht mehr, worüber ich zuerst lachen soll.
Da ist zum einen der Vorschlag von Hillary Clinton „während der Hauptreisezeit mit der Benzinsteuer auszusetzen“. Die Initiative ist so absurd, dass sie sogar von studierten Wirtschaftswissenschaftlern durchschaut wird.
Alice Rivlin, die einstige Haushaltschefin von Bill Clinton, sagte, sie sei „entsetzt“ über das, was so wirkt wie „Zuhälterei.“ Einhundert Wirtschaftler haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie den Vorschlag kritisieren – und auf die offensichtliche Tatsache hinweisen, dass das dazu führen würde, dass die Leute mehr Auto fahren und dass Geld von der amerikanischen Regierung an die Regierungen der arabischen Exporteure umgeleitet würde.
Obama hat einen Vorteil, Paul Volcker berät ihn. Also können wir von ihm etwas Besseres erwarten. Aber das, was wir von ihm bekommen, ist nur wenig besser. Obama schlägt vor, die Lohnsteuer zu senken (die auch die Social Security finanziert) – um bis zu 1.000 Dollar – um so den Familien zu helfen, nicht nur „für die Kosten von Benzin, sondern auch für die Kosten von Lebensmitteln aufzukommen.“
Wie ich schon oft gesagt habe, gibt es keinen Steuernachlass, der mir nicht gefallen würde. Doch ich frage mich, was auf der anderen Seite des Hebels steht. Wenn die Social Security weniger Geld hat, wie will sie dann für die Pensionen der Baby-Boomer aufkommen?
Die Presse am Wochenende sagte mir, dass die Leute anfangen, sich Sorgen zu machen, ob sie noch in der Lage sein werden, überhaupt in den Ruhestand zu gehen. Die Mittelschicht hat sich auf steigende Immobilienpreise verlassen. Aber jetzt fallen die Hauspreise.
Und was werden sie jetzt tun? Sie werden anfangen zu sparen, lautet die Antwort.
„Die Verbraucher sind außer Gefecht gesetzt“, heißt es in einer Schlagzeile des Wall Street Journals. „Die Amerikaner müssen am Muttertag kürzer treten“, heißt es in einer Schlagzeile der Los Angeles Times. Sie werden sich sicher noch erinnern können, warum es hieß, dass die Aktien mit Sicherheit in den Himmel schießen.
Man war sich über einen Dow von 36.000 Punkten sicher – weil die Baby Boomer ihr Geld in die Aktien stecken mussten, damit sie sich zur Ruhe setzen können. Als dieses Wunder verschwand, wandten sie sich den Wohnimmobilien zu. Die Leute überlegten sich, dass sie ein zusätzliches Haus am Strand kaufen sollten. Das wäre am Wochenende und in den Ferien eine Freude… und wenn es dann an der Zeit ist, in den Ruhestand zu gehen… würde man den Hauptwohnsitz verkaufen und von dem Gewinn leben.
Diese Strategie war auch in Ordnung – solange die Preise weiter gestiegen sind. Und jetzt stellen die Boomer fest, dass es keine einfache Möglichkeit mehr gibt, die goldenen Jahre zu finanzieren. (Sie hätten Gold kaufen sollen, als ich zum ersten Mal den Vorschlag gemacht habe!)
Aber was können sie jetzt noch tun? Sie müssen zu der guten alten, bewährten und wahren Methode zurückkehren – Sparsamkeit und Ersparnisse.
Und an dieser Stelle will ich es ausformulieren. Man nimmt das Gesamteinkommen nach Abzug der Steuern. Dann zieht man davon die Summe ab, die man ausgibt. Wenn das Ergebnis positiv ist, dann geht es zumindest in die richtige Richtung.
Wenn es eine Zahl mit einem negativen Vorzeichen ist, dann schlage ich vor, Sie bewerben sich um eine Stelle bei der Regierung… vielleicht bei den Wirtschaftsberatern oder im Haushaltsbüro des Kongresses.
Abgesehen davon ist das Rentensystem des Bundes das großzügigste von allen – außerhalb der Wall Street.
Ja, liebe, treue Leser… die Wirtschaft bekommt einen Schlag auf den Allerwertesten. Die Verbraucher, die ausgegeben haben, was sie nicht besaßen, sind jetzt gezwungen, das Wenige, das sie haben, zu sparen. Die Folge: die Verbraucherwirtschaft wird gebremst. Die Blase hat ein Leck… und die Regierungsvertreter versuchen auch weiterhin verzweifelt, die Blase wieder aufzupumpen.
Aber vergessen Sie die Mathematik… vergessen Sie die Konten… es gibt eine Wahl, die gewonnen werden will… und der blasse Unsinn hat noch nie die gerechten Wähler gewinnen können. Nein, wenn man gewinnen will, dann muss man alles geben… die größtmöglichen Lügen erzählen… das Blaue vom Himmel versprechen… und so tun, als sei man etwas entweder voll und ganz oder überhaupt nicht.
So gab sich beispielsweise George W. Bush – der Sohn eines CIA-Chefs, Vizepräsidenten und amerikanischen Präsidenten, der in Andover, Yale und Harvard studierte und aus einer der reichsten, elitärsten Familien Neu-Englands stammt - als einen klare Worte sprechenden, einfachen Kerl mit einen Cowboyhut aus.
Heute versuchen sowohl Obama als auch Hillary so zu tun, als könnten sie die Not der Arbeiterklasse fühlen. Hillary scheint den Instinkt eines Bauerntrampels für Härte zu haben, wenn sie sagt, sie wolle den Iran „auslöschen“, wenn das Land Hand an Israel legt.
(Warum sich die Kerls aus Kentucky Gedanken darüber machen sollten, was zwischen Israel und dem Iran los ist, ist noch nie vollständig geklärt worden… aber in den letzten Tagen der imperialen Würde, kann kein Spatz mehr vom Himmel fallen, ohne dass im Pentagon die Sensoren ausschlagen… und eine schnelle Reaktion im Militär/Industrie/Politik-Komplex auslösen!)
Obama kann derweil so tun, als sei er ein Mann des Volkes. Er trinkt Bier, wenn der Anlass es verlangt… und schießt mit den Ortsansässigen auf Ringe.
Natürlich würde keiner der Politiker den Arbeitern zu einer guten Zeit verhelfen, wäre es nicht aufgrund der Tatsache, dass die Kerls an die Urne gehen.
Ja, liebe Leser, für die Wahl war es ein großer Tag… der Showdown zwischen den beiden demokratischen Kandidaten. Wenn Obama im großen Stile gewinnt… kann er Hillary „Auf Wiedersehen“ sagen. Wenn die Clintons im großen Stile gewinne… können sie immer noch die Nominierung davontragen… und vielleicht auch die Wahl.
Zumindest behaupten das die Leute von der Presse. Und so können wir sehen, wie die Wirtschaft wirklich funktioniert.